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Kritik reißt nicht ab

Vor WM in Katar: Human Rights Watch klagt Gewalt gegen LGBTQ-Szene an – Emir spricht von „Verleumdung“

  • VonStefan Schmid
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Der Emir von Katar spricht von „Verleumdung“ und „Doppelmoral“ gegenüber seinem Land. Nur Tage vorher wurden Vorwürfe von Gewalt gegen die LGBTQ-Szene bekannt.

Doha - Die Fußball-WM in Katar rückt immer näher und immer wieder werden neue Vorwürfe gegen das Ausrichterland erhoben. Der Staatschef des Golfstaates, Tamim bin Hamad Al-Thani, sieht sich in seiner Interpretation hingegen einer „beispiellosen Kampagne“ ausgesetzt. Jüngst machte Human Rights Watch (HRW) in einem Bericht fünf Fälle von Misshandlungen gegen Personen aus der LGBTQ-Gemeinschaft bekannt. Die Bezeichnung LGBTQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und queere Menschen.

Emir von Katar über Kritik an WM: „Verleumdungen und Doppelmoral“ gegen sein Land

In einer Fernsehansprache an sein Land machte Emir Al-Thani die Kritik an seinem Land aufgrund der umstrittenen Weltmeisterschaft zum Thema. Es würde eine „beispiellose Kampagne“ gegen seinen Staat geführt, die „Verleumdungen und Doppelmoral einschließt“. Eine genauere Begründung oder Beispiele für die Behauptungen blieb der Staatschef allerdings schuldig.

Selbiges gilt auch für „die wahren Gründe und Motive hinter dieser Kampagne“, die Al-Thani entdeckt haben will. Nur so viel: Die Kritik hätte einen bestimmten „Grad an Heftigkeit erreicht“. Überraschend kommt dies für den Emir deshalb, da dieser angibt, „Teile der Kritik zunächst in gutem Glauben sogar als positiv und nützlich erachtet“ zu haben. Des Weiteren wäre die Kritik auch dazu genutzt worden, „Aspekte zu entwickeln, die entwickelt werden müssen“.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und der Emir von Katar Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani.

In der Tat wurde das Arbeitssystem in Katar in den letzten Jahren so weit reformiert, dass das umstrittene Kafala-System auf dem Papier nicht mehr existiert. Unter dem Kafala-System versteht man – kurz gesagt – eine Bürgschaft des Arbeitgebers für die Angestellten. Im Falle von Gastarbeitern bedeutet das, dass sie meist ihre Pässe an den Arbeitgeber abgeben müssen, was sowohl einen Orts- als auch Arbeitswechsel der Gastarbeiter so gut wie unmöglich macht. Laut Amnesty bestehen diese Probleme in Katar aber trotz der formalen Abschaffung des Systems weiterhin.

Human Rights Watch: Katar hat LGBTQ-Personen in unterirdischem Gefängnis misshandelt

Da der katarische Emir nicht genau benennt, auf welche Kritik er sich mit seinem Verleumdungs-Vorwurf bezieht, ist es schwierig, diesen genauer zu untersuchen. Allerdings ist es durchaus auffallend, dass einen Tag vor dem Fernsehauftritt von Al-Thani die NGO Human Rights Watch einen Bericht über Misshandlungen von LGBTQ-Personen heraus gab. In diesem wird von „Tritten und Schlägen, bis sie bluteten“ geschrieben.

Tritte und Schläge, bis sie bluteten.

Human Rights Watch über die Misshandlungen im Gefängnis in Doha gegenüber LGBTQ-Personen

Die Übergriffe sollen im Zeitraum zwischen 2019 und 2022 vorgefallen sein und sich gegen einen schwulen Mann, eine bisexuelle Frau und vier Transgender Personen gerichtet haben. Im Gespräch mit HRW gaben diese an, von Mitarbeitern des katarischen Innenministeriums in einem unterirdischen Gefängnis in Doha festgehalten worden zu sein. Dort soll es dann zur Gewaltanwendung gekommen sein. Laut der Nachrichtenagentur AFP weist die katarische Regierung diese Vorwürfe zurück.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Bundesinnenministerin Nancy Faeser reisen nach Katar

Ein Grund, warum sich der katarische Emir ausgerechnet bei den jetzt vorgetragenen Vorwürfen so vehement zu Wort meldet, könnte auch der anstehende Besuch einer deutschen Delegation sein. Am Montag (31. Oktober) reisen unter anderem DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in den Wüstenstaat. Dabei steht auch ein Treffen mit Tamim bin Hamad Al-Thani auf der Tagesordnung.

Am 19. Oktober war Neuendorf bei einer Sitzung des Sportausschusses im Deutschen Bundestag zu Gast. Ob dabei die WM in Katar thematisiert wurde, ist allerdings nicht bekannt. Die Sitzung wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. (dpa/sch)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Kyodo News

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