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Irre Zustände in Spanien

Pleite-Barcelona holt dritten 50-Millionen-Mann – während de Jong vergeblich auf sein Gehalt wartet

  • Marius Epp
    VonMarius Epp
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Der FC Barcelona hat kein Geld, kauft aber trotzdem fleißig ein. Die eigenwillige Finanzpolitik der Katalanen ist nicht nur wenig nachhaltig, sondern geht sogar zulasten der eigenen Spieler.

Barcelona – Eigentlich hat der FC Barcelona nicht einmal nichts, sondern weniger als nichts. 1,35 Milliarden Euro Schulden lasten laut eigenen Angaben auf dem Weltklub. Schulden? Für Präsident Joan Laporta kein Hindernis, in diesem Sommer auf große Shoppingtour zu gehen.

Für den Brasilianer Raphinha von Leeds United waren schlappe 58 Millionen Euro übrig, für Ex-Münchner Robert Lewandowski 45 Millionen. Nun folgt der französische Verteidiger Jules Koundé für 50 Millionen (Ablösesummen jeweils plus Boni), Barça verkündete am Donnerstag eine Einigung mit dem FC Sevilla. Bislang auf der Transfer-Einnahmenseite: „Mickrige“ 20 Millionen Euro für Philippe Coutinho.

Wie kann sich der FC Barcelona teure Spieler leisten? Nagelsmann rätselt

Nicht nur Bayern-Trainer Julian Nagelsmann rätselt: „Sie kaufen viele Spieler – ich weiß nicht, wie. Es ist der einzige Klub der Welt, der kein Geld hat, aber jeden Spieler kauft.“ Wie ist der Irrsinn denn nun möglich? Präsident Laporta setzt alles auf eine einzige Karte: Den schnellen, kurzfristigen Erfolg. Dafür nimmt der Verein eine gewaltige Hypothek für die Zukunft auf.

Der Verein plant, bis zu 25 Prozent der TV-Rechte für die kommenden Jahre zu verkaufen, teilweise wurden entsprechende Deals bereits abgeschlossen. Zudem sollen 49,9 Prozent des klubeigenen Merchandisings verkauft werden. Insgesamt will der Klub so mehr als 600 Millionen Euro Einnahmen generieren. Sprich: Barça lässt sich langfristige Einnahmen auf einen Schlag „auszahlen“, um im Hier und Jetzt Schulden zu tilgen und auf dem Transfermarkt handlungsfähig zu sein. Dafür sinken aber die Einnahmen in der Zukunft.

Fehlende Kreativität kann man Joan Laporta nicht vorwerfen: Das „Spotify Camp Nou“ wird nun auch an Fans vermietet.

FC Barcelona: Transfers im großen Stil – aber kein Geld für eigene Spieler

435 Millionen Euro hat der FC Barcelona mit dem Verkauf von Stadionname und Trikotwerbung an den Musikstreaming-Anbieter Spotify eingenommen. Zusammen mit einem Kredit von einer halben Milliarde Euro der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs reicht das, um die Finanzvorschriften des spanischen Ligaverbandes LFP zu umgehen.

Auf dem Transfermarkt sprudelt also wieder das Geld – bei den eigenen Spielern wird dagegen radikal gespart. Besonders Mittelfeldstar Frenkie de Jong bekommt das am eigenen Leib zu spüren. Barça will den Niederländer an Manchester United verkaufen, doch er will bleiben. Jüngst nahm er wegen der Corona-Krise große Gehaltseinbußen in Kauf, Geld, das ihm vertraglich zusteht. Berichten zufolge steht der Klub mit bis zu 20 Millionen Euro bei seinem Spieler in der Schuld.

Rekord-Summe 222 Millionen Euro: Die 11 teuersten Transfers der Geschichte

Paul Pogba guckt emotional
Romelu Lukaku zeigt nach oben.
Eden Hazard blickt in die Kamera
Cristiano Ronaldo geht im Manchester Trikot über den Platz
Rekord-Summe 222 Millionen Euro: Die 11 teuersten Transfers der Geschichte

Und er ist nicht der einzige Leidtragende: Laut der Mundo Deportivo wollen die Verantwortlichen in der kommenden Saison die Gehälter aller Spieler halbieren. Ausnahmen soll es lediglich bei kürzlich verpflichteten Spielern geben.

Gary Neville wirft FC Barcelona „Mobbing“ vor

Der englische Ex-Nationalspieler Gary Neville ist empört und rät de Jong: „Er sollte rechtliche Schritte gegen Barcelona in Erwägung ziehen. Ein Verein, der Vermögen für neue Spieler ausgibt, während er denjenigen, die er unter Vertrag hat, nicht das volle Gehalt zahlen kann, ist unmoralisch und ein Verstoß“, schrieb er auf Twitter und sprach von „Mobbing“.

Mit Lewandowski, Raphinha, Koundé und den ablösefreien Neuzugängen Andreas Christensen und Franck Kessié hat Trainer Xavi nun zweifelsohne wieder eine Mannschaft, die um alle Trophäen mitspielen kann. Der Druck schraubt sich allerdings zugleich immens in die Höhe. Bleiben die erhofften Titel und Preisgelder in den nächsten Jahren aus, könnte es richtig gefährlich werden – nicht für Xavi, sondern den gesamten Verein. (epp)

Rubriklistenbild: © Gerard Franco Crespo/imago

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