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Nummer eins der Welt zurück in Belgrad

Djokovic-Misere: Nach Zwangsausreise aus Australien nun auch French Open in Gefahr

Tennisstar
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Novak Djokovic auf dem Flug nach Belgrad.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Novak Djokovic ist zurück in seiner Heimat Serbien. Doch die Australian Open könnten nicht das einzige Turnier bleiben, das er wegen seiner fehlenden Impfung gegen das Coronavirus verpasst hat. Aus Frankreich kommen für ihn schlechte Neuigkeiten.

Belgrad - Novak Djokovic war noch auf dem Weg nach Belgrad, als für den Tennis-Weltranglisten-Ersten nach der Abschiebung aus Australien schlechte Kunde aus Frankreich kam. Auch eine Titelverteidigung bei den French Open könnte sich für den 34-jährigen Serben zerschlagen, falls er sich nicht gegen das Coronavirus impfen lässt.

Der Empfang in Belgrad fiel nach der Landung am Montagmittag verhalten aus - gemessen an der Unterstützung von höchster Stelle während des Streits um das verweigerte Visum in Australien. Eine Handvoll Fans, aber rund 30 Kamera-Teams erwarteten den von Melbourne über Dubai in die serbische Hauptstadt geflogenen Djokovic, der den Flughafen kommentarlos durch einen Nebeneingang verließ.

Der Gewinner von 20 Grand-Slam-Turnieren dürfte schnell erfahren haben, was Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu am Sonntagabend bei Twitter mitgeteilt hatte. In Frankreich dürften auch in- und ausländische Sportler künftig nur antreten, wenn sie geimpft oder genesen sind. Das zweite Grand-Slam-Turnier der Saison beginnt am 16. Mai in Paris. Am Sonntag verabschiedete das französische Parlament ein entsprechendes Gesetz und die Einführung des neuen Corona-Impfpasses.

Noch vor ein paar Tagen hatte die französische Sportministerin Roxana Maracineanu (46) erklärt, dass Ausländer nicht an die neuen Rechtsvorschriften gebunden seien, die Impfungen für französische Sportler vorschreiben. Doch nun die Kehrtwende. Roxana Maracineanu veröffentlichte noch am Sonntagabend folgenden Tweet:

„Die Regel ist einfach: Der Impfpass wird, sobald das Gesetz verkündet ist, in Betrieben eingeführt, die bereits dem Gesundheitspass unterliegen“, teilte das Sportministerium am Montag in Paris mit, wie bild.de berichtet. Und weiter: „Das gilt für alle, ob sie nun Zuschauer oder Profisportler sind. Und das bis auf Weiteres.“ Die Situation könne sich bis dahin allerdings noch ändern. „Also werden wir sehen, aber es gibt eindeutig keine Ausnahme.“ Derzeit ist es nicht erforderlich, geimpft zu sein, um in Frankreich einzureisen, aber der Impfnachweis wird künftig für jeden verpflichtend sein, der eine „Einrichtung mit Publikumsverkehr“ betritt - dazu würden die French Open zählen.

Ebenfalls am Sonntagabend hatte der Präsident des französischen Tennisverbands (FFT), Gilles Moretton, erklärt, dass man mit den öffentlichen Behörden zusammenarbeite, welche „zu gegebener Zeit die Regeln für die Aufnahme von ungeimpften ausländischen Sportlern für unser Turnier präzisieren werden“.

In Melbourne laufen nach dem fast zweiwöchigen juristischen Tauziehen um das Visum des am Sonntagabend unfreiwillig abgereisten Titelverteidigers nun die Australian Open. Der Spanier Rafael Nadal, der mit dem 21. Grand-Slam-Titel alleiniger Rekordsieger bei den vier wichtigsten Turnieren vor Djokovic und dem Schweizer Roger Federer werden kann, startete mit einem problemlosen Sieg. Natürlich gebe es mehrere Verantwortliche in der schrecklichen Situation der vergangenen zwei Wochen, sagte der 35-Jährige und fügte mit Blick auf Djokovic an: „Aber natürlich ist er auch einer der Verantwortlichen.“

Miomir Kecmanovic - eigentlich Erstrundengegner von Djokovic - widmete seinen Sieg über den nachgerückten Italiener Salvatore Caruso seinem prominenteren Landsmann. Der serbische Profi Dusan Lajovic zeigte nach seinem Sieg eine serbische Fahne mit einem Djokovic-Bild und den Worten: „Mögt es oder nicht, der Größte aller Zeiten.“

Australiens Premierminister Scott Morrison verdeutlichte am Montag, dass die Einreisesperre nicht zwingend für drei Jahre gelten müsse. Damit werde man sich zu gegebener Zeit befassen. Das Bundesgericht Australiens hatte am Sonntag den Einspruch von Djokovic gegen die erneute Annullierung seines Visums abgelehnt.

Die Politik in Serbien ging mit der Ankunft eher verhalten um. Spitzenpolitiker posierten am Montag zunächst nicht mit ihm. Goran Vezic, der Vize-Bürgermeister von Belgrad, kündigte zumindest an, dass Djokovic den Preis der Stadt Belgrad erhalten werde.

Ebenfalls aufs Konto der hauptstädtischen Verwaltung ging die Illuminierung eines weit sichtbaren Büroturms am Save-Ufer. Grundiert von den serbischen Nationalfarben rot-blau-weiß lief der Schriftzug „Nole, du bist der Stolz Serbiens“ über das Gebäude. Nole ist eine Koseform des Vornamens Novak.

Die serbische Regierung unter dem mächtigen Präsidenten Aleksandar Vucic pflegt einen eher opportunistischen Zugang zum Tennis-Idol, das seinen Wohnsitz eigentlich in Monaco hat. So lange Djokovic im spartanischen Abschiebehotel in Melbourne untergebracht und der angeblichen Willkür australischer Behörden ausgesetzt war, war er der rechts-populistischen Führung in Belgrad von Nutzen.

Denn seit langem gab es keine Angelegenheit mit weltweiter Beachtung, die sich so gut dafür geeignet hätte, die ewige Verschwörungserzählung von den missverstandenen und zu Unrecht bestraften Serben neu aufzutischen. Vucic, andere Regierungspolitiker und Djokovics Familie in Belgrad wurden nicht müde, den Australiern vorzuwerfen, dass sie den Tennisstar quälen und schikanieren würden, weil er ein Serbe ist. Und weil Serbien stets gegen das global Böse und für die Unterdrückten dieser Welt kämpfe.

Praktisch die gleiche Verschwörungserzählung unterfütterte die Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren. Sie waren von Serbien ausgegangen, weil der damalige Machthaber Slobodan Milosevic beim Zerfall Jugoslawiens weite Teile Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas einem neuen „Groß-Serbien“ einverleiben wollte. In Serbien selbst war man aber nur das Opfer.

Vucic war als Jungpolitiker Informationsminister der Milosevic-Regierung und berüchtigt für die Unterdrückung kritischer Medien. Heute gibt er sich als pragmatisch gewandelter National-Konservativer. Kritiker werfen ihm vor, unter veränderten Bedingungen weiterhin die Ziele der Milosevic-Ära zu verfolgen. 

Djokovic ist ihm im eigenen Land durchaus nicht von Nutzen. Aus staatspolitischer Räson und unter dem Druck der serbischen Gesundheitsexperten verfolgt seine Regierung eine klare Linie zugunsten der Impfung gegen Corona. Trotzdem sind nur 47 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Insofern Djokovic von Impfgegnern als Ikone betrachtet wird, hält sich die Begeisterung der Belgrader Führung für ihn in Grenzen.

mz/dpa

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