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Viele Fragen zum Adidas-Jersey

Deutschland-Trikot besteht aus Plastikmüll, der wieder im Meer landet: „Wirklich beeindruckend schlecht“

  • Korbinian Kothny
    VonKorbinian Kothny
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Es sollte das neue Aushängeschild von Adidas werden: das WM-Trikot der DFB-Elf. Zu 100 Prozent recycelt aus Plastikmüll vom Ozean. Am Ende landet dieser aber wieder genau dort.

München – Sie sind der Ladenhüter der WM 2022. Die Trikots der deutschen Nationalmannschaft. Schon vor WM-Start kämpften Sportgeschäfte mit dem stockenden Verkauf der DFB-Leiberl und mit dem erneuten Vorrunden-Aus dürfte sich das nicht gerade ändern.

WM 2022
20. November bis 18. Dezember
64 Spiele
Acht Stadien
32 Teilnehmer

Adidas: „Performance-Version“ für 140 Euro erhältlich

Dabei ist das Trikot ein „Aushängeschild“, wie Entwickler Jürgen Rank in einem Bericht der Zeit sagt. Adidas unterscheidet bei seinen Deutschland-Trikots in zwei Versionen, der „Fan-Version“ und der teureren „Performance-Version“. Das Besondere bei Letzteren: der Entstehungsprozess.

Auf dem Trikot der „Performance-Version“ befindet sich ein QR-Code. Wer diesen aufruft, sieht Bilder von Müll. Genauer gesagt Plastikmüll aus dem Meer. Denn genau aus diesem ist das für 140 Euro erhältliche Trikot hergestellt.

Das Trikot der Nationalmannschaft ist aus Plastikmüll aus dem Ozean hergestellt.

Adidas: Bis 2024 will der Konzern auf nahezu vollständig recyceltes Polyester umsteigen

Für Adidas ist das nichts Neues. Der deutsche Hersteller brüstet sich seit Jahren mit seinem Kampf gegen den Plastikmüll. Als erster Sportartikelhersteller will das Unternehmen bis 2024 nahezu vollständig auf recyceltes Polyester umsteigen. Bereits jetzt verkauft Adidas unzählige Produkte aus recyceltem Plastik, wie auch die „Fan-Version“ des Trikots der Nationalmannschaft.

Die „Performance-Version“ sollte jetzt die Krönung werden. Der Unterschied zur normalen recycelten Version: der Plastikmüll stammt aus dem Ozean. Adidas wollte damit einen Marketingcoup landen. Ein Weltunternehmen, das sich für die Säuberung der Ozeane einsetzt. Das kann doch nur gut werden.

Adidas: Unstimmigkeiten bei Herkunft des Plastikmülls

Ein Team der Zeit und des Medien-Startups Flip hat sich den Entstehungsprozess jetzt allerdings mal genauer angeschaut. Laut dem Konzern bestehe nämlich das Trikot der Nationalmannschaft zu 50 Prozent aus „Parley Ocean Plastic“.

Dabei handelt es sich um Plastikmüll von der Umweltorganisation „Parley for the Oceans“, die sich zum Ziel genommen hat, die Weltmeere zu retten. So schön, so gut. Gemäß internen Dokumenten stammt aber nur 20 Prozent des Plastikmülls, aus den überwachten Sammelaktionen von „Parley for the Oceans“.

Julian Nagelsmann mit einer Jacke aus der Serie „Parley for the Oceans“.

Adidas: Großteil des Plastikmülls aus „Volume Countries“

Die anderen 80 Prozent stammen aus sogenannten „Volume Countries“, also Masse-Ländern. Diese Lieferkette organisiert Adidas selbst und der Plastikmüll stammt hier von den Philippinen, aus Thailand und von der Dominikanischen Republik. Der Konzern selbst hat den Bericht gegenüber der Zeit bestätigt.

Für die Reportage war die Zeit auf den Philippinen vor Ort und konfrontierte Adidas mit den gemachten Beobachtungen. Die Antwort des Unternehmens: Der Abfall für die Herstellung des DFB-Trikots „stammt ausschließlich von Stränden und aus Küstenregionen in Thailand“.

Kinderarbeit ist ein großes Problem beim Sammeln von Plastikmüll (Symbolbild).

Adidas: Doch kein „Parley-Müll“ für Nationaltrikot?

Das würde allerdings einen noch viel größeren Wirbel bedeuten. Denn „Parley for the Oceans“ sammelt keinen Plastikmüll in Thailand. Und damit würden nicht 20 Prozent des Nationalmannschaftstrikots aus „Parley-Müll“ bestehen, sondern null Prozent.

Gyrill Gutsch, Gründer der Umweltorganisation, sagt dazu: „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss ich auf dem Rücktritt der verantwortlichen Führungskräfte bei Adidas bestehen, um die Partnerschaft weiterzuführen.“

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Adidas: Fasern landen wieder im Meer

Erstaunlich: In einem Experiment verliert ein neues Nationaltrikot bei den ersten fünf Waschgängen 0,35 Gramm an Fasern. Das sind circa 68.000 Fasern. Elke Fischer, Leiterin der Forschungsgruppe Mikroplastik an der Uni Hamburg, sagt dazu: „Wow, das ist wirklich beeindruckend schlecht“.

Bei genauerer Analyse der Fasern erkennt die Expertin, dass die Fasern aus dem Material einer PET-Flasche bestehen. Nur eben als Mikromüll. Beim normalen Waschgang zu Hause würde dieser jetzt im Abwasser landen, das über unsere Flüsse direkt in unseren Meeren landet. Da, wo der Plastikmüll ursprünglich auch mal herkam. (kk)

Rubriklistenbild: © Imago images

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