ZWEITER KLASSE ZUR CHAMPIONS LEAGUE

Majadahonda im Blick

Das Finale der Champions League wird im Mai in Madrid stattfinden, allerdings nicht im Estadio Bernabeu, man will ja nicht den Eindruck erwecken, Real Madrid den Pokal gleich ins Haus zu tragen.

Die entscheidende Partie ist im Wanda Metropolitano angesetzt, der neuen Heimat von Atletico Madrid sowie – aufgepasst – eines Clubs mit einer skurrilen Buchstabenanhäufung im Namen: Rayo Majadahonda. Beheimatet in Spaniens Segunda Divison. Die Königsklasse und die Zweite Liga, das schließt sich eigentlich aus. Andererseits nehmen ja auch noch ein paar deutsche Bundesligisten teil.

Angesichts der Entwicklungen in den vergangenen Jahren fallen solche Anspielungen kaum mehr unter die Kategorie Polemik. Außer dem FC Bayern sind die deutschen Vertreter in Champions League und Europa League so gründlich abgestürzt, dass in der Fünfjahreswertung der UEFA nur noch Platz vier herausschaut. Wenn sich die Clubs in den nächsten Tagen zu internationalen Vergleichen treffen, reisen die deutschen mit Tickets zweiter Klasse an.

Während sich die Konkurrenz in England, Spanien und Italien ihre Learjets von Mäzenen aus aller Welt finanzieren lassen, brütet die Liga, wie man es hinbekommt, nicht den Anschluss zu verlieren, denn es reist sich wenig kommod in der zweiten Klasse. Die Suche nach kreativen Lösungen dauert schon lange und verlief bisher ertraglos. Den gelungensten Vorschlag darf sich Karl-Heinz Rummenigge gutschreiben; der Bayern-Boss stellte den Abschied von 50+1 in den Raum, wobei jeder Verein für sich selber entscheiden soll, wie weit er geht. Die Münchner etwa haben in ihrer Satzung fest verankert, dass es nie zu einem Ausverkauf der Club-Anteile kommen kann.

Der Anspruch der Bundesliga könne nur der sein, den auch alle an die Nationalelf stellen, sagte Christian Seifert. Das bedeute, so der DFL-Chef: „Weltklasse.“ Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, werde sich schneller als gedacht, in internationaler Bedeutungslosigkeit wiederfinden. Dann teilt man das Los von Majadahonda und hätte nur zufällig am Rande mit dem Finale zu tun.

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