Immer weiter – mit breiter Brust

Manuel Neuer peilt mit dem FC Bayern weitere Titel an: „Erfolge haben zusammengeschweißt“ VON ANDREAS WERNER

München – Beim „Audi Star Talk“ haben die Zuschauer bereits einiges erlebt: Ottmar Hitzfeld weinte mal vor Rührung, Bastian Schweinsteiger weihte Moderator Klaus Gronewald in die hohe Kunst des „Karten-Bratzelns“ ein – bei der Sendung, die am heutigen Donnerstag um 19.10 Uhr auf „Sport1“ ausgestrahlt wird, werden neue Facetten von Manuel Neuer aufgezeigt. Der Bayern-Torwart verbuchte einige Lacher, unter anderem, als er verriet, wie lange die Party nach dem Triple-Sieg ging.

Nach dem Triumph im DFB-Pokal in Berlin feierten die Münchner am ausdauerndsten, sagte der Torwart, „da musste ich am Ende das Licht gar nicht mehr ausknipsen – die Sonne war ja schon da“. Er flog danach in den Urlaub nach Indonesien, die Feier wirkte noch zwei Tage nach, er konnte nicht schlafen vor lauter Mix aus Jetlag und Party-Nachwehen.

Manuel Neuer kann unterhaltsam sein, wenn er denn mag. Der Mann, der in seinem Kasten stets hochkonzentriert darauf schaut, den Gegnern den letzten Spaß am Toreschießen zu rauben, gab in der Sendung ein paar nette Einblicke in sein Innenleben – und wartete mit interessanten Anekdoten auf. In der B-Jugend schoss er etwa mal ein Fallrückziehertor, ausgerechnet mit seinen Schalkern gegen den Erzrivalen aus Dortmund. Er hatte damals eine Armverletzung, wurde beim Stand von 0:4 einfach aus Jux im Sturm eingewechselt, prompt klingelte es im Gehäuse der Borussen. Neuer wechselte aber dennoch nicht das Metier, kehrte nach der Armverletzung zurück ins Tor. Gottlob, denn da hat er seine wahre Stärke.

Wie er einst ins Tor gekommen sei, wurde er gefragt. Er schmunzelte. Als kleiner Bub musste er zum Probetraining, er kam als Letzter auf den Platz. „Und der Letzte muss ins Tor, das war damals so – ich bin nie mehr rausgekommen.“ Auch, weil ihn früh der Ehrgeiz packte, das ihm anvertraute Netzgeflecht sauber zu halten. Es gibt Fernsehbilder von Neuer als Knirps, in einer Ecke seines Tors liegt ein Teddy, der fast größer ist als er, und nach einem Gegentor fließen die Tränen. Neuer mochte es früh nicht, hinter sich greifen zu müssen.

Ehrgeiz, das ist immer ein gutes Stichwort im Gespräch mit einem Torwart, einem Vertreter dieser extremsten Einzelkämpfer des Fußballsports. Als Neuer einst bei Schalke das erste Mal ins Tor der Profis durfte, bekam er beim Warmmachen einen Ball auf den Finger, „ganz blöd“, erzählte er, „die Kapsel schmerzte – aber gesagt habe ich nichts“. Er wollte dieses Debüt haben, er bestand es mit Bravour – und er startete durch, bis zum Triple.

Im Moment hütet er bei der besten Mannschaft des Kontinents das Tor, und er findet, das Triple hat noch mal ein paar Kräfte freigesetzt. „Wir hatten schon früher keine Angst vor den Gegnern, aber jetzt haben wir noch eine breitere Brust, die Erfolge haben uns zusammengeschweißt“, berichtete er. Oliver Kahn kultivierte das Motto „Immer weiter, immer weiter“ – Neuer führt es fort, mit breiter Brust. Selbstverständlich sind weitere Titel sein Ziel, mit der Nationalmannschaft bei der WM nächsten Sommer in Brasilien sowie mit den Bayern in Champions League und Meisterschaft. „Titel stehen auf deiner Autogrammkarte“, sagte er, darum geht es einem Profi.

Ob er sich schon Gedanken gemacht habe, wie es nach der Karriere weitergeht? Der 27-Jährige hat vernommen, dass Bastian Schweinsteiger in 30 Jahren mal den FC Bayern führen möchte, spinnt jedoch selbst noch keine so konkreten Pläne. „Aber ich verstehe mich mit Basti ganz gut – er wird mich schon irgendwo unterkriegen“, witzelte er. Zum Beispiel als Zeremonienmeister bei künftigen Triple-Partys. Neuers launiger TV-Auftritt dürfte als Qualifikation ausreichen.

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