Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Hormoneller Freudentanz

Bayern genießen den auch für sie ungewöhnlichen Sieg beim VfB – Ribery und Robben im Training VON HANNA SCHMALENBACH

Stuttgart – Uli Hoeneß hält sich derzeit ein wenig raus aus der Öffentlichkeit, man kann sich kaum erinnern, dass sich der Präsident des FC Bayern in den letzten Wochen über ein brisantes Thema ausführlich geäußert hätte. Der lange Schweinsteiger-Ausfall? Hoeneß schweigt. Die Mandzukic-Debatte? Hoeneß kommentiert sehr kurz. Kroos’ Gehaltsdiskussion? Hoeneß sagt nichts. Und so wollte er auch nach dem glücklichen 2:1 im Nachholspiel beim VfB Stuttgart nicht viel sprechen. „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, murmelte Hoeneß nur, als er aus den Katakomben eilte – und fügte kurz vor dem Ausgang, hämisch grinsend, hinzu: „Manchmal aber auch mehr.“ Da war sie doch wieder, die gute alte Hoeneß-Manier.

Natürlich war es nur eine Fußballweisheit, die der 62-Jährige von sich gab, noch dazu eine relativ ausgelutschte. Die Bayern hatten sie auch schon mal im negativen Sinne erlebt, 1999 im dramatischen Champions League-Finale. Diesmal aber war „nur“ ein Nachholspiel in Stuttgart – und trotzdem sorgte der Last-Minute-Sieg, den Thiago in der Nachspielzeit mit seinem Treffer zum 2:1 (0:1) besorgte, für kollektives Freudestrahlen. „Ein 2:1 in letzter Sekunde kannst du nicht mit einem 4:0 vergleichen. Von den Hormonen her ist das auf jeden Fall ein anderes Erlebnis“, sagte Thomas Müller.

Wie viele Hormone ausgeschüttet wurden, merkte man nicht erst nach dem Spiel, sondern schon bei der Traube, die sich um beziehungsweise auf Thiago gebildet hatte. „Wie kleine Kinder“ habe man sich gefreut, sagte Müller. Manuel Neuer beschrieb die Situation, ein Spiel zu drehen, als „etwas Besonderes, gerade für uns“. Tatsächlich hatten die Bayern das in den letzten inzwischen 43 Liga-Spielen, in denen sie ungeschlagen sind, nicht oft erlebt. Schon der Rückstand, dem sie ab der 29. Minute nach einem (Abseits-)Tor von Vedad Ibisevic hinterherlaufen mussten, war ungewohnt. Claudio Pizarro, gemeinsam mit dem begnadigten Mario Mandzukic eingewechselt, sorgte für den verdienten Ausgleich. Thiago machte den Rest – und brachte eine wichtige Erkenntnis: Man kann auch Spiele drehen. Neuer: „Die Moral stimmt.“

Belegt wird diese Aussage natürlich einerseits durch die Statistik, die Woche für Woche neue Rekorde ausweist. Aktuell: 50 Punkte nach 18 Spieltagen hatte man selbst in der Triple-Saison nicht, 13 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten (Leverkusen) sind zu diesem Zeitpunkt ebenso Liga-Novum. Trotzdem ist all das nicht so viel wert wie das Selbstvertrauen, das die Bayern aus der Partie ziehen – und mitnehmen in die kommenden Wochen, in denen unter anderem der FC Arsenal wartet. „Wir brauchen manchmal eine Warnung“, sagte Guardiola, der in der Halbzeit deutliche Worte gefunden hatte. Es sei logisch, dass die Konzentration „nicht immer hoch ist, wenn man viel Lob bekommt.“ Man müsse nun „den Kopf kontrollieren“.

„Auftrieb“ habe man genug, sagte Toni Kroos, gab aber zu, dass es teilweise schwer sei, Motivation zu finden. Gegen Stuttgart war über weite Strecken auffällig, dass auf der einen Seite Franck Ribery und Arjen Robben (beide wie Javi Martinez gestern wieder im Training) fehlten, um den Unterschied auszumachen. Auf der anderen aber wurde auch deutlich, dass es nur ein Rezept gegen die Bayern geben kann. Stuttgart machte es wie Salzburg, das den Bayern in der Vorbereitung ein schmerzliches 0:3 zugefügt hatte: Frühes Pressing, kompakte und gut organisierte Defensive, Konter, wenn die Möglichkeit besteht. Guardiola durfte knapp ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt auch endlich den Bayern-Dusel kennenlernen. „Klar, es war auch ein bisschen glücklich“ sagte Müller.

„Jede Mannschaft will die erste sein, die gegen uns gewinnt“, fügte Kapitän Philipp Lahm hinzu. Noch ist es nicht so weit. Und sollte es tatsächlich mal dazu kommen, wird auch Hoeneß sich wieder äußern. In Form ist er. Um das zu beweisen, reichten in Stuttgart zwei Sätze.

Kommentare