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YOGA-LEHRER PATRICK BROOME ÜBER DIE AKZEPTANZ IM NATIONALTEAM, EINEN VERWEIGERER UND KAPITÄN NEUER ALS GLÜCKSGRIFF

„Das Hokuspokus-Vorurteil ist widerlegt“

München – In gut eineinhalb Monaten startet Joachim Löw mit der DFB-Auswahl ins WM-Trainingslager – und ab dann gibt es auch für Patrick Broome eine Menge zu tun.

In seinen Yoga-Studios in München wird der 49-Jährige lange nicht zu sehen sein, „hoffentlich bis zum 15. Juli“, sagt er lachend, denn an diesem Tag findet in Moskau das WM-Finale statt. Dorthin zu kommen, ist das Ziel des deutschen Teams, zu dem Broome seit 2006 bei allen großen Turnieren gehört. Wie Fußball und Yoga sich vereinen lassen, verrät er im Interview.

-Herr Broome, seit rund 15 Jahren ist Yoga auch Profi-Fußballern ein Begriff. Waren Sie sich damals sicher, dass die Bewegung nachhaltig sein wird?

Die Presse schreibt ja gerne vom Yoga-Boom, aber es ist eher eine Welle, die sich aufbaut und immer wieder Kraft entwickelt. Es wird nicht weniger, es wird mehr. Es gibt große Skeptiker, überall und auch unter den Fußballern. Wobei es immer mehr sind, die mitmachen. Bei der Nationalmannschaft verweigert sich kaum mehr jemand. Und es gibt wechselnd Befürworter.

-Zum Beispiel wer?

Alle zwei Jahre bei den Turnieren gibt es so zwei, drei Spieler, die richtig viel Yoga machen. Andere schauen zwei, drei Mal insgesamt vorbei. Und die, die gespielt haben, müssen ja Yoga machen, weil das zur Regenerationseinheit gehört. Da kommen sie nicht drumherum. Es gibt eigentlich nur einen, der nie wollte.

-. . . dessen Namen Sie aber wahrscheinlich nicht verraten, oder?

Ich kann so viel sagen: Beim FC Bayern musste er immer mal wieder einzeln Yoga machen – und ist jetzt eher offener geworden. Und: Es ist ein sehr guter Innenverteidiger. Den Rest können Sie sich jetzt selbst ausmalen (lacht).

-Sie haben aber auch schon einige Spieler zum echten Yogi gemacht.

Das stimmt. Philipp Lahm hat viel Yoga gemacht, aber nicht mit mir. Mario Götze hat viel Yoga gemacht. Und man merkt schnell, wer von Anfang an interessiert war. Manuel Neuer zum Beispiel war da schon immer offen. Thomas Müller macht immer einmal mit – und danach spielt er lieber wieder Golf, um abzuschalten. Da gibt es ganz verschiedene Typen.

-Ein Erfolg für Sie aber ist es ja, dass Yoga ein fester Bestandteil bei jedem Turnier ist, oder?

Das ist ein Riesenerfolg, weil ich merke, dass meine Arbeit geschätzt wird, dass man den Nutzen erkannt hat. Früher hatte ich ja noch ganz andere Kaliber, Gerald Asamoah, Thorsten Frings, Michael Ballack und andere. Es hat sich aber auch damals niemand vehement dagegen gewehrt. Seitdem war ich bei allen großen Turnieren dabei.

-Wie groß war das Mosaiksteinchen Yoga auf dem Weg zum WM-Titel?

Klein. Aber es hilft den Spielern, runterzukommen. Da sehe ich meine Hauptaufgabe. Ich helfe ihnen, die Muskeln zu dehnen, zu entspannen, das Adrenalin abzubauen, dass sie durchschlafen, sich erholen können. Durch die kontinuierliche Arbeit wird auch die Flexibilität und Körperspannung verbessert, wodurch sich das Verletzungsrisiko senkt. Und es hilft auch, Bewegungen zu machen, mit denen das Gegenüber nicht gerechnet hat. Weil man einfach flexibler ist als der Durchschnitts-Fußballer.

-Der erst mal relativ steif ist.

Nicht mehr so wie früher, weil inzwischen anders trainiert wird. Aber es besteht durchaus Luft nach oben.

-Das Bewusstsein aber ist inzwischen da.

Absolut. Und wir haben zum Glück Manuel Neuer als Kapitän. Der ist einer, der sagt: Jungs, wir machen das! Das ist wichtig! Das hilft mir enorm.

-Ist das Interesse eine Generationenfrage?

Ja, aber nicht ganz so, wie man es erwartet. Die Älteren sind dafür, die wissen, dass sie es brauchen. Die Jüngeren auch, weil sie es aus dem Verein kennen. Aber die dazwischen sagen: Das braucht kein Mensch.

-Sehen die Spieler Yoga als Entspannung oder als Training?

Als Entspannung, eindeutig. Das liegt aber auch an mir, weil ich so mit ihnen übe. Ich habe von Beginn an geschaut, was ich zusätzlich zum Training des Fitness-Teams beisteuern kann. Die sind ja körperlich austrainiert, ein Spiel bringt sie nicht um. Aber das Runterkommen ist danach eine Herausforderung.

-Wie gehen Sie nach einem Spiel konkret vor?

Turnierspiele sind gegen 23 Uhr vorbei, bis man aus dem Stadion ist, ist es 0 Uhr. Dann Flieger, Hotel – da bist du im Kopf durch. Nachts um 4 Uhr ist man im Bett, die meisten schlafen nicht richtig gut, kommen aber am Morgen zum Regenerationstraining. Und danach können sie schlafen und kommen runter.

-Da geht es also vor allem um den Kopf.

Genau. Man sieht es ja zum Beispiel an einem wie Thomas Müller, der in den letzten Jahren oft gesagt hat: Ich bin durch, die Belastung ist an der Grenze. Jetzt im Moment hat er den Kopf wieder frei und schießt ein Tor nach dem anderen. Auf so einem Niveau entscheidet der Kopf – und nicht die fußballerische Qualität. Die bringen sie alle mit.

-Wie wichtig ist Atmung?

Das ist das Zentrum im Yoga. Auch Meditation wird ein immer größeres Thema. Still sitzen, atmen. Und das können die Spieler auch anwenden, wann immer sie es brauchen.

-Die WM-Quartiersuche ist ein langer Prozess. Gibt es immer ein Yoga-Studio?

Nein, ich habe schon die unterschiedlichsten Gegebenheiten vorgefunden. Vom marmorierten Meeting-Raum im Keller bis hin zu wunderschönen Sonnenterrassen auf dem Berg. Ich habe das Nötigste aber eh immer mit: Matten, Gurte, Blöcke. Und sonst habe ich von den dunkelsten bis zu den schönsten Räumen alles gehabt. Am Ende hat es überall funktioniert. Ein Highlight war natürlich der Yoga-Platz am Strand in Brasilien.

-Wie wird es in Russland aussehen?

Das weiß ich immer erst, wenn ich ankomme. Dann gibt es immer einen, der sagt: Ach übrigens! Wir haben auch einen Yoga-Raum (lacht)! Aber es wird inzwischen eingeplant. Weil ja auf im Staff viele dabei sind, die Yoga machen wollen. Die kennen mich auch seit 15 Jahren, haben Vertrauen in meine Arbeit.

-Auch Joachim Löw und Oliver Bierhoff?

Oliver Bierhoff ist ja derjenige, der Yoga in die Nationalmannschaft gebracht hat, der macht gerne mit. Jogi Löw war früher mehr dabei, inzwischen trainiert er lieber Kraft, das gibt ihm ein gutes Gefühl, ein bisschen Halt. Ich versuche aber auch nie, jemanden zu bekehren. Das macht keinen Sinn.

-Anfangs aber war sicher Überzeugungsarbeit nötig, oder?

Ja. Die ersten Jahre im Team wurde ich schon sehr skeptisch betrachtet. Obwohl ich adaptiert trainiere, nicht mit einem Turban ankomme oder so etwas (lacht). Das Gefühl, dass alle akzeptiert haben, dass ich dabei bin, habe ich erst seit vier, fünf Jahren. Das Hokuspokus-Vorurteil ist jetzt widerlegt.

-Auch in der Bundesliga?

Die Hälfte der Bundesliga-Klubs macht Yoga. Bei den ersten zehn Teams der Tabelle weiß ich, dass zumindest ein paar Spieler was machen. Der FC Bayern hat jemanden im Team, der immer da ist. Trotzdem könnte mehr gemacht werden. Wenn man liest, wer wieder wie viele Muskelverletzungen hat, dann denke ich mir das immer wieder. Wir planen ja auch, Yoga in der DFB-Akademie zu verankern, mehr in den Jugendbereich hereinzubringen. Gerade die pubertierenden Jungs haben ein schräges Körpergefühl, das würde ihnen enorm helfen. Frühzeitiges Bewusstsein ist der Schlüssel. Und es geht ja um gerade mal 20, 30 Minuten in einer Einheit. Da kann man schon eine Menge erreichen.

-Ist eigentlich schon mal ein Profi in einer öffentlichen Stunde bei Ihnen aufgetaucht?

Natürlich. Kevin Trapp ist in Frankfurt in öffentliche Studios gegangen. Mats Hummels war auch in München schon bei mir im Studio. Das passiert schon, vor allem bei den Jungs, die recht entspannt mit sich sind. Der Vorteil ist, dass Yogis ja auch eher zurückhaltend sind. Hummels ist dann einer von ihnen und nicht der Fußball-Star.

Interview: Hanna Raif

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