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IOC-STRAFEN OHNE TRANSPARENZ

Hart – aber unfair?

Die ganze Sache wirkt schon auch ein wenig von Hast und Zugzwang geprägt.

Nur zweieinhalb Wochen vor Beginn der Winterspiele in Pyeongchang verwehrt das IOC weiteren fünf russischen Spitzensportlern die Olympia-Teilnahme. Die Zahl der wegen ihrer angeblichen Verstrickungen in das vom Putin-Regime organisierte System der Sportmanipulation liegt nun bei 36 – Tendenz immer noch steigend. Das IOC, lange Zeit als zu nachsichtig und zaghaft kritisiert, tut inzwischen einiges dafür, um sich als Hardliner in Sachen Staatsdoping zu präsentieren. Kein Zweifel: Russland ist als Sportnation massiv diskreditiert, seine Glaubwürdigkeit bewegt sich in der öffentlichen Wahrnehmung ungefähr auf dem Niveau der Mafia. Es gibt eine Menge Argumente dafür, dass diese Einschätzung nicht ganz unberechtigt ist.

Allerdings stellt sich schon auch die Frage, warum sich das IOC so lange Zeit ließ mit der Aburteilung der Schummler? Schließlich hat der WADA-Sonderermittler McLaren seinen maßgebenden Bericht schon vor eineinhalb Jahren öffentlich gemacht. Selbst der Biathlon-Weltverband IBU zeigte sich nun vom Ausschluss des letztjährigen Weltcup-Gesamtzweiten Schipulin überrascht. Anscheinend waren die Richtenden zuletzt so in Eile, dass sie es versäumten, die zuständige Dachorganisation zu informieren. Eine Kommunikationspanne, offenbar. Noch weitaus bedenklicher ist dabei, dass den unbestritten hart gemaßregelten Sportlern so gut wie keine Zeit mehr bleibt, sich zu verteidigen.

Sicher, es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass der Kronzeuge Rodschenkow die Unwahrheit sagt. Es ist also davon auszugehen, dass Russland seine glänzende Medaillenbilanz bei den Winterspielen in Sotschi schamlosen Betrügereien zu verdanken hat. Damit sind aber die aktuellen Einzelfälle keineswegs geklärt. Zumal noch keine Beweise vorgelegt wurden. Doch so lange die individuelle Schuld nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, kann von einer gerechten Bestrafung nicht die Rede sein.

Dem IOC sollte bewusst sein, dass von ihm nicht nur konsequentes Durchgreifen erwartet wird. Sondern bei seinem Vorgehen auch 100-prozentige Transparenz. Andernfalls läge der sehr zwiespältige Befund nahe: Hart – aber unfair.

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