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Haas erlebt den siebten Frühling

TENNIS Bei den BMW Open zollt ihm auch Erzrivale Kohlschreiber höchsten Respekt: „Tommy ist ein Kämpfer vor dem Herrn“

TENNIS

Bei den BMW Open zollt ihm auch Erzrivale Kohlschreiber höchsten Respekt: „Tommy ist ein Kämpfer vor dem Herrn“

VON MARC BEYER

München – Irgendwann wird Tommy Haas noch gefragt, wie es um sein Verhältnis zu Philipp Kohlschreiber bestellt ist. Man hat viel darüber gehört und so einiges gelesen, Kohlschreiber hat sich geäußert, und im Laufe des vergangenen Jahres ist das deutsche Davis Cup-Team regelrecht gesprengt worden. Haas könnte dazu bestimmt einiges erzählen.

Ja, das könnte er, die Sache ist nur: Er mag nicht. Haas sitzt im Pressezentrum der BMW Open, das wiederum im VIP-Zelt untergebracht ist. Er ist hier, um ein bisschen Stoff zu liefern für nette, positive Geschichten, mit denen sich für das Turnier werben lässt. Krawalliges passt nicht dazu. Und so stellt er dem Fragesteller die Gegenfrage, worauf dessen Informationen basieren. Es geht ein bisschen hin und her, am Ende sagt Haas, man dürfe nicht alles glauben, was die Zeitungen schreiben: „Ich lese auch viel.“

In Wahrheit hat es natürlich kräftig gerauscht zwischen ihm und Kohlschreiber, der letztes Jahr seine Teilnahme am Davis Cup-Match gegen Argentinien kurzfristig absagen musste. Dafür wurde er von Haas kritisiert und von Patrik Kühnen, dem Teamchef und Teilzeitcoach von Haas, nicht in Schutz genommen, obwohl er sich nach eigenem Empfinden korrekt verhalten hatte. In München sind sie nun alle wieder da, nur in anderen Rollen. Kühnen ist längst nicht mehr Teamchef, aber immer noch Turnierdirektor. Haas und Kohlschreiber sind seine größten Attraktionen. Für Kontroversen ist da kein Platz.

Jeder präsentiert sich, so gut er kann. Das ist auch gar nicht so schwierig. Haas, der Anfang April 35 wurde, erlebt gerade seinen gefühlt siebten Frühling. Letzte Woche war er zum Training in Zürich, auf persönlichen Wunsch von Roger Federer. Der Schweizer ist immer noch der Großmeister des Spiels, eine Einladung von ihm ist mehr als bloß eine nette Geste. Neulich hat Haas beim Masters-Turnier in Miami den Weltranglistenersten Novak Djokovic in zwei Sätzen bezwungen und nur knapp das Finale verpasst, aktuell steht er als bester Deutscher in der Weltrangliste auf Position 14. Vor einer Ewigkeit, im Mai 2002, war er mal die Nummer zwei, dennoch hält er die jetzige Phase für „nicht die beste, aber sicher die schönste“.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass Töchterchen Valentina mit zweieinhalb Jahren allmählich alt genug ist, um zu begreifen, was Papa da unten auf dem Platz treibt. Zum anderen hat Haas eine atemberaubende Serie von Verletzungen an Schulter und Hüfte hinter sich, die jede für sich gravierend genug waren, um eine Tennis-Karriere schwer zu beeinträchtigen. Dass er nicht nur durchgehalten, sondern wieder zu den Besten aufgeschlossen hat, die zehn Jahre jünger sind und mehr, nötigt selbst denen Respekt ab, die ihm eigentlich nicht so wohlgesonnen sind. „Hut ab“, sagt Kohlschreiber. „Tommy ist ein Kämpfer vor dem Herrn.“

In München hat auch der Augsburger eine Geschichte. Zweimal hat er die BMW Open schon gewonnen, zuletzt 2012. Dieses Jahr befinden sich beide in unterschiedlichen Hälften des Tableaus, ein Finale Haas – Kohlschreiber wäre der größte anzunehmende Glücksfall für das Turnier. Für Kohlschreiber (29), Nummer 21 der Welt, wäre der dritte Titel „ein Traum“. Für Haas, der letztes Jahr im Halbfinale scheiterte, auch ein Triumph gegen die Zeit: „So viel habe ich nicht mehr.“

Die Konkurrenz ist sich da nicht so sicher. „Er wirkt auf mich, als ob er noch ein paar Jahre dranhängt“, sagt Kohlschreiber. Im Januar 2012 nahm Haas schon Abschied von den Australian Open - dachte er. Dann lief das Jahr so gut, dass er sich diesen Januar aufs Neue in Melbourne wiederfand. Er verlor sein erstes Match, denkbar knapp nach fünf Sätzen und fast vier Stunden. Die Strapazen werden nicht geringer, weswegen Haas auf die folgende Davis Cup-Reise nach Argentinien verzichtete.

Ob sie beide, er und Kohlschreiber, noch mal im selben Team stehen werden? „Davis Cup ist immer ein schweres Thema“, sagt Haas. Damit meint er diesmal aber ausdrücklich nur die Terminfrage, nicht das Zwischenmenschliche.

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