Gute Gespräche

1860: Vor dem Spiel in Leipzig vermittelt Trainer von Ahlen den Eindruck, dass er mit seiner Weiterbeschäftigung rechnet. VON ARMIN GIBIS.

München – Gegen Ende der gestrigen Presserunde drängte es Markus von Ahlen noch dazu, eine Bemerkung loszuwerden: „Ich hatte diese Woche sehr gute Gespräche mit Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner und dem Präsidenten Gerhard Mayrhofer. Wir haben intensiv über die Rückrunden-Vorbereitung gesprochen. Das waren gute und vertrauensvolle Gespräche.“ Die Botschaft war klar: Von Ahlen lag vor der letzten Zweitliga-Partie des Jahres bei RB Leipzig (heute, 20.15 Uhr) sehr daran, den Eindruck zu vermitteln, dass die Vereinsführung auch 2015 auf ihn setzt. Nach seiner beruflichen Zukunft befragt, erklärte der Coach zudem: „Vor so einem wichtigen Spiel spekuliere ich nicht über mich – da zählt nur Leipzig.“

Doch Anlass zu Spekulationen gibt es fast schon zwangsläufig. Schließlich sind die Löwen auf dem harten Boden des Relegationsplatzes 16 gelandet, befinden sich also in akuter Abstiegsgefahr. Am Samstag zog der Tabellenvorletzte FC St. Pauli (3:1 gegen Aalen) nach Punkten gleich. Das ist alles andere als ein sanftes Ruhekissen für die Winterpause. Und die ungeschriebenen Gesetze des Profifußballs sehen da nun einmal vor, dass zuallererst die Tauglichkeit des verantwortlichen Trainers durchleuchtet wird.

Von Ahlen strahlt in diesen unruhigen vorweihnachtlichen Tagen aber vor allem unerschütterliche Zuversicht aus: Vor der gestrigen Pressekonferenz begrüßte er jeden Journalisten mit einem Händedruck, der noch kräftiger als sonst zu sein schien. Sein strahlendes Lächeln wirkte keineswegs aufgesetzt, sondern so, als sei er derzeit besonders guten Mutes. „Wir müssen an die Dinge anknüpfen, die wir beim 1:1 gegen Kaiserslautern gut gemacht haben. Wir müssen das, was kommt, positiv angehen. Ich denke an nichts anderes als an Leipzig“, sagte der Coach.

Rückenprobleme: Rama fällt aus

Was die Gastgeber betrifft, so fielen von Ahlen vor allem folgende Qualitäten ein: „Heim- und laufstark, aggressives Pressing, intensive Spielweise.“ Zudem dürfte der zuletzt verletzte Angreifer Yussuf Poulsen (7 Saisontore) in die Startelf zurückkehren. Den Münchnern ist er in sehr unguter Erinnerung. Bei der 0:3-Heimniederlage im Hinspiel traf der Däne zweimal. Die Sechziger müssen dagegen neben Yannick Stark (Gelb-Sperre) auch auf Valdet Rama verzichten. Den Albaner plagen immer noch Rückenproblem. Immerhin hat Kapitän Christopher Schindler seinen hartnäckigen Infekt überwunden.

Zu den gravierendsten Schwachpunkten der letzten Wochen zählten Blackouts, bei denen binnen weniger Minute spielentscheidend gepatzt wurde. Gegen Nürnberg (1:2) kassierten die Löwen früh einen folgenschweren Doppelschlag (16./19. Minuten); dem Karlsruher SC (2:3) reichten neun Minuten, um die Sechziger mit drei Treffern zu erledigen; beim 1:1 gegen Kaiserslautern fiel der Ausgleich fünf Minuten vor dem Ende. Nicht von ungefähr also pochte von Ahlen darauf, dass sein Team „die gesamten 90 Minuten volle Konzentration“ zeigen müsse. Grundsätzlich meinte er: „Wir müssen gegen Leipzig alles in die Waagschale schmeißen, um mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen zu können.“

Zumindest um die Vorgefühle der Fans scheint es derzeit weniger gut bestellt zu sein. Ein Internetportal, das sich ausschließlich mit dem Wohl und Wehe des TSV 1860 auseinandersetzt, sah sich zu einer Umfrage zur Weiterbeschäftigung des Trainers veranlasst. Der Wortlaut: „Soll 1860 mit Markus von Ahlen ins neue Jahr gehen?“ Das gestrige Zwischenresultat fiel eindeutig aus: 72 Prozent der rund 700 Teilnehmer antworteten mit „nein“.

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