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Guardiola, die UEFA, der Schiedsrichter

Mourinho gibt sich als Mann, der nicht verlieren kann VON HANNA SCHMALENBACH

München – Pep Guardiola konnte froh sein, dass die Coaching Zonen im Prager Eden-Stadion einen Sicherheitsabstand hatten. Als der europäische Super-Cup mit dem letzten Elfmeter entschieden war, hatte sich Jose Mourinho in der Nacht zum Samstag kurzzeitig einen Ersatz-Feind auserkoren. Chelseas Trainer drehte dem Feld, seinen Spielern den Rücken zu, legte beide Hände auf eine Werbebande und rüttelte diese, erst nur leicht, dann immer heftiger. Verärgert, unzufrieden, fast ein wenig aggressiv wirkte der 50-Jährige nach seiner insgesamt neunten Niederlage gegen Guardiola. Obwohl er doch so gar nichts dafür konnte.

Es war mal wieder etwas für die ganz große Bühne, was Mourinho sich ausgedacht hatte und bis ins letzte Detail zum Besten gab. Als hätte dieser Abend, dieses Spiel des FC Bayern gegen den FC Chelsea, nicht schon für sich die perfekte Dramaturgie geschrieben. Nein, Mourinho wäre nicht Mourinho, hätte er nicht noch einen draufgesetzt. In seinen Augen hatte sich ja die gesamte Fußball-Welt gegen ihn verschworen. Ob Guardiola selbst, der FC Bayern, die UEFA oder Schiedsrichter Jonas Eriksson. Schon nach dem ersten Satz seiner Spielanalyse („Für mich hat die bessere Mannschaft verloren“) war jedem klar, wie es um die Laune des Portugiesen bestellt war.

Was nämlich passiert war in Prag, passte nur allzu gut in Mourinhos ganz persönliches Verhältnis mit der UEFA. Ab der 85. Minute rannten seine „Blues“ nach der harten, aber vertretbaren Gelb-Roten Karte gegen Ramires mit einem Mann weniger gegen die überlegenen Bayern an. Schon mit Inter Mailand und Real Madrid war das jeweils in einem Halbfinale der Champions League der Fall, auch mal im spanischen Supercup. Und fast jedes Mal stand auf der Gegenseite Guardiola. Ein glücklicher Mann sei der Bayern-Trainer, weil er „schon wieder mit zehn gegen elf spielen durfte“.

Schuld war, daran gab es für Mourinho keinen Zweifel, Referee Eriksson. Ein „solches Finale“ mit einer „zweiten gelben Karte zu töten“, gehöre sich nicht. Ein „englischer Schiedsrichter, der den Fußball liebt“, hätte Ramires verwarnt und den Bayern-Spielern geraten, „mit den Schwalben aufzuhören“, führte Mourinho fort. Er redete sich in Rage. Verständnis oder gar Mitleid brachte ihm aber niemand entgegen. Er saß dort auf dem Podium als ein armer Mann, der nicht verlieren kann.

Mourinho vergaß wie so oft, die Schuld auf seiner Seite zu suchen. Ramires stieg hart ein gegen Mario Götze, der wegen der Folgen des Fouls drei Wochen lang ausfällt. Den ganzen Abend lang standen Chelseas Spieler den Bayern auf den Füßen, hart, aggressiv, so wie Mourinho es ihnen vorgegeben hatte. Mit den Konsequenzen seiner Taktik müsste ein Mann wie er eigentlich leben können.

Dass Guardiola in der theaterreifen Vorstellung seines Widersachers gar nicht erst mitspielte, sondern lediglich mit dem Satz „das ist seine Meinung, aber ich habe auch eine“ abtat, passt nur gut ins Bild. Die Branche hat so langsam genug von Mourinhos Psychospielchen. Und auch Guardiola will sich nicht mehr zermürben lassen, so wie er es ihm in seiner Zeit bei Barcelona durch die verbalen Angriffe des damaligen Real-Coaches passiert war.

Nicht mal Lust auf eine Begrüßung hatte Guardiola. Zumindest einen offiziellen Handschlag konnte keine Kamera einfangen. Dafür musste dann die Werbebande herhalten. Und wie.

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