HALBZEIT-BILANZ DER WINTERSPIELE

Das große X

Armin GibisSie erreichen den Autor unterArmin.Gibis@ovb.net
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Nein, damit war wirklich nicht zu rechnen gewesen: Deutschland zur Halbzeit an der Spitze des Medaillenspiegels.

Ein deutscher Goldrausch nur eine Olympiade nach der Flaute von Sotschi – das Comeback als Wintersportnation ist also, zumindest nach einer Woche, mehr als geglückt. Das offizielle Ziel lautete ja: 19 Plaketten plus x – nach noch nicht einmal der Hälfte der Wettbewerbe sind es bereits 15. Damit ist das Team dem Plansoll jetzt schon ziemlich nahe gekommen. Und aus dem kleinen x könnte ein – wie Dirk Schimmelpfennig, Chef de Mission, schon vor Olympia hatte anklingen lassen – tatsächlich ein großes X werden.

Dabei war man in die Winterspiele von Pyeongchang – zumindest offiziell – eher mit verhaltenen Ambitionen gegangen. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), hatte sogar verlautbart: Ihm sei der Fairnesspreis lieber als der erste Platz im Medaillenspiegel. Eine Aussage, in der wohl auch die finsteren Erfahrungen von Sotschi stecken. Die russischen Gastgeber hatten 2014 mit Hilfe eines geheimdienstlich organisierten Staatsdopings dominiert – und damit Medaillen grundsätzlich suspekt gemacht. Angesichts der Glaubwürdigkeitskrise, in der der Spitzensport steckt, ist es also durchaus nachvollziehbar, wenn Hörmann die Rückbesinnung auf die Kernwerte postuliert.

Allerdings wäre es absolut realitätsfern, außer Acht zu lassen, dass Medaillen das Salz in der olympischen Suppe sind. Das gilt für die Sportler, für die Fans, und natürlich auch für die auf Fairness erpichten Funktionäre. Man erinnere nur an das Geschrei, das einsetzte, als die deutschen Wintersportler erstmals seit der Wiedervereinigung nicht einen Top-3-Platz in der Endabrechnung einnahmen, sondern sich mit dem 6. Rang und 19 Mal Edelmetall bescheiden mussten.

In Pyeongchang konnte nun also wieder die deutsche Wertarbeit gefeiert werden. Auch weil traditionelle Medaillenschmieden, besonders Rodler und Biathleten, lieferten. Ihre Konkurrenzfähigkeit auf höchstem Niveau demonstrierten auch die Kombinierer und Skispringer. Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte das zu Tränen gerührte, wunderbare Gold-Paar Savchenko/Massot. Und das wird sicher noch nicht alles gewesen sein. Die Deutschen haben auch in der zweiten Hälfte noch einige Eisen im Feuer. Gute Gründe also zur Vorfreude.

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