Grafs Attacke sichert den Heimsieg

Der 25-Jährige gewinnt zusammen mit Laura Dahlmeier vor 40 000 Zuschauern auf Schalke Gelsenkirchen – Das pompöse Abschlussfeuerwerk in der größten Biathlon-Arena der Welt verfolgte Laura Dahlmeier mit einem immer noch ungläubigen Blick.

Wenige Augenblicke zuvor war die 20-Jährige vor rund 40 000 begeisterten Zuschauern in Gelsenkirchen an der Seite von Florian Graf zum ersten rein deutschen Heimsieg bei der World Team Challenge seit der Premiere vor elf Jahren gestürmt – und die dreimalige Junioren-Weltmeisterin brauchte einige Zeit, um den Erfolg richtig genießen zu können. „Das muss ich erst einmal verarbeiten. Das ist fantastisch“, sagte Laura Dahlmeier, die sich mit Graf über die üppige Siegprämie von 28 000 Euro freute.

Bis wenige Meter vor dem Ziel hatte es gar nicht nach einem Heimsieg des Duos aus Garmisch-Partenkirchen und Eppenschlag ausgesehen, doch dann fing Graf den Ukrainer Andrej Derysemlja mit einem Überraschungsangriff unter dem Jubel der Zuschauer noch ab. „Ich habe gemerkt, dass ich aufhole. Die Stelle hatte ich mir zurechtgelegt. Die Kurve kann man frech anfahren, das habe ich gemacht“, beschrieb Graf die entscheidende Szene und erntete dafür ein dickes Lob seiner überragend schießenden Partnerin: „Das war einfach grandios. Das hat er cool gemacht.“

Bei dem mit 156 000 Euro dotierten Mixed-Staffel-Wettbewerb landeten Derysemlja und Olena Pydruschna auf Platz zwei vor dem slowenischen Duo Teja Gregorin/Jakov Fak. Die zweimalige Olympiasiegerin Andrea Henkel (Großbreitenbach) musste sich bei ihrem letzten Auftritt im Schalker Winterwunderland nach Massenstart und Verfolgung an der Seite von Andreas Birnbacher (Schleching) mit Platz acht begnügen. Dennoch sei es wieder ein tolles Erlebnis gewesen, sagte die 36-Jährige, die nach der Saison ihre Karriere beendet, sichtlich bewegt.

Wie Dahlmeier richtet Henkel ihre volle Konzentration nun auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi (7. bis 23. Februar). Drei Weltcups in Oberhof, Ruhpolding und Antholz stehen vor dem Saisonhöhepunkt noch auf dem Programm. Der Sieg in Gelsenkirchen „ist eine Supermotivation“, sagte Dahlmeier, die mit dem Trainerteam aber noch überlegt, „ob ich das ein oder andere Rennen bei den Weltcups aufgrund der Belastung auslasse“.

Möglicherweise muss sie das aber gar nicht selber entscheiden. Aufgrund der Witterung und des fehlenden Schnees stehen die Rennen in Oberhof in der kommenden Woche auf der Kippe. Zehn LKW-Ladungen mit Kunstschnee wurden nach der World Team Challenge von Gelsenkirchen nach Thüringen transportiert. Ob es reicht, werden die nächsten Tage zeigen.

Florian Graf, für den die bisherige Saison enttäuschend verlief, würde jedenfalls gerne in Oberhof starten, um sich doch noch für die Winterspiele zu empfehlen. „Sotschi ist in weite Ferne gerückt, aber noch nicht ganz weg. Ich gebe nicht auf und will mich zurückkämpfen“, sagte der 25-Jährige. Allerdings bewertet Graf die bisherigen Weltcuprennen auch mit gebotener Selbstkritik: „Ich habe mir Patzer erlaubt, die einfach nicht sein dürfen.“  sid

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