Aus dem Glück gerissen

Das Drama um Michael Schumacher Als er noch seinen Beruf als Rennfahrer ausübte, war die Gefahr ein ständiger, offensichtlicher Begleiter seines Lebens – das lag, das liegt in der Natur der Sache.

Doch Michael Schumacher, der König der Formel 1, blieb all die Jahre, in denen er sich auf der Asphaltpiste hohen Risiken aussetzte, mit dem Glück im Bunde. Er überstand diverse Unfälle (relativ) unversehrt, entging wiederholt durch günstige Fügungen größerem Unheil. Und wurde dadurch in gewisser Weise auch zu einer Art Symbol der Unverwundbarkeit. Als der Rekordweltmeister seine Karriere zum zweiten Mal beendete, konnte man ihm auch dazu gratulieren, alles heil überstanden zu haben. Man konnte froh sein für ihn – und seine Familie. Dass nun ausgerechnet er, der ewige Glückspilz im Hochrisiko-Bereich, beim Freizeitsport auf einer Skipiste in den französischen Alpen ins Verderben stürzte, vor den Augen seines 14-jährigen Sohnes zudem – dieses Unglück ist in seiner Drastik und scheinbaren Absurdität tatsächlich verstörend. Schwer zu begreifen und zu verdauen.

Nicht nur Freunde und Bekannte, sondern Millionen von Menschen überall auf der Welt reagieren mit großer Betroffenheit auf dieses Drama um den deutschen Motorsport-Helden, dessen bis zum Sonntag so reichlich von Sonne beschienenes Leben plötzlich eine derart bizarre, tragische, traurige Wendung nahm. Der tiefere Grund für die enorme Anteilnahme rund um den Globus ist wohl: Schumachers Unglück verweist auf besonders rigorose, eindringliche Weise darauf, dass niemand, auch nicht der Stärkste, unverwundbar ist. Und dieser beängstigende Gedanke, der sonst im Leben gerne beiseite geschoben wird, macht vielen Menschen zu schaffen.

Nun hängt Michael Schumachers Leben an einem seidenen Faden. Aber vielleicht meint es das Schicksal ja doch noch einmal gut mit ihm und seiner Familie. Wenn es einer schafft, auch das zu überstehen, denken sich viele, dann er, Schumacher, die ewige Kämpfernatur, der erprobte Überlebenskünstler der Rennbahn. Eine vage Hoffnung. Die einzige, die übrig bleibt.

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