LÖWS ANSAGE AN SEINE NATIONALSPIELER ZU BEGINN DES WM-JAHRES 2018: TITELHUNGER ENTWICKELN!

Gejagt wie noch nie

Darf er ihn behalten? Weltmeistertrainer Joachim Löw ist heiß auf die Mission WM-Titelverteidigung. foto: epa
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Darf er ihn behalten? Weltmeistertrainer Joachim Löw ist heiß auf die Mission WM-Titelverteidigung. foto: epa

von klaus bergmann. München – In Joachim Löw Terminkalender für 2018 dürfte ein Tag besonders dick markiert sein: 15. Juli, Luschniki-Stadion, dürfte dort stehen.

In Moskau will er mit der DFB-Auswahl das vollbringen, was keiner der drei deutschen Weltmeistertrainer vor ihm schaffte: zum zweiten Mal Weltmeister werden. Die Reihe 1954, 1974, 1990 und 2014 soll mit der Jahreszahl 2018 fortgesetzt werden.

Die Voraussetzungen für den historischen Erfolg scheinen gegeben, auch wenn Löw mit einigen Ungewissheiten ins neue Jahr geht. Wird Kapitän Manuel Neuer fit? Packt es Pechvogel Marco Reus nach seinem Kreuzbandriss? Bleiben Fixgrößen wie Toni Kroos oder Mats Hummels von Verletzungen und Formkrisen verschont? Und setzt sich die rasante Entwicklung von Jungstars wie Timo Werner oder Leroy Sané fort?

In die Vorfreude auf die große Sommer-Aufgabe mischt sich bei Löw schon jetzt eine gewisse Anspannung. „So tiefenentspannt wie manche glauben, bin ich nicht“, sagte Löw zum Jahreswechsel im Bayerischen Rundfunk: „Man diskutiert viel, man arbeitet viel, man denkt vor allen Dingen auch sehr viel nach.“ Der Bundestrainer weiß: „Deutschland wird gejagt werden wie nie. Übermenschliche Kräfte müssen sich freisetzen, wenn wir es am Ende schaffen wollen, Weltmeister zu werden.

Den Weg zur Titelverteidigung hat Löw mit seinem Stab bis auf den letzten WM-Test am Ende des Trainingslagers in Südtirol vorgezeichnet. Auch die quälende Quartierentscheidung wurde nach der Auslosung der WM-Gruppen, die dem Titelverteidiger Mexiko, Schweden und Südkorea als Vorrundengegner bescherte, getroffen.

Der DFB-Tross wird in Watutinki außerhalb der Millionenmetropole Moskau logieren und nicht im Urlaubsort Sotschi am Schwarzen Meer, den Löw und seine Spieler während des Confed Cups 2017 lieb gewonnen hatten. „Wir haben doch auch unsere Vernunft eingeschaltet“, gab Löw zu. Mehr Ruhe, weniger Reisestress, das gab den Ausschlag für Moskau.

Dort startet das DFB-Team am 17. Juni gegen Mexiko ins Turnier. Im Luschniki-Stadion will Löw exakt vier Wochen später auch das Finale bestreiten. Nur der Titel zählt. „Um was anderes geht es nicht“, sagte Abwehrspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea, „aber einfach wird es nicht“. Einfach wird schon die Auswahl der 23 Spieler nicht. „Es werden sicherlich harte Entscheidungen fallen, absolut“, sagte Löw. Selbst namhafte Spieler wie der gerade zum VfB Stuttgart gewechselte Torjäger Mario Gomez müssen um ihr WM-Ticket bangen.

Löw will sein Titelprojekt mit einer Mischung aus 2014- Weltmeistern und hungrigen WM-Neulingen wie dem Münchner Joshua Kimmich, 22, dem Leipziger Angreifer Timo Werner, 21, Flügelflitzer Leroy Sané, 21, von Manchester City oder dem Noch-Schalker Leon Goretzka, 22, angehen. Jeder WM-Kandidat wird vom DFB-Trainerstab intensiv beobachtet. „Es gibt bei mir zu Hause so etwas wie ein Spielerprofil: Welche Stärken hat ein Spieler? Welche Schwächen? Wie wollen wir mit unserer Mannschaft spielen?“, verriet Löw. Nach diesen Kriterien wird der Bundestrainer entscheiden.

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