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DEN SKICROSSERN BIETET SICH IN PYEONGCHANG DIE CHANCE ZU EINER SPEKTAKULÄREN, HÖCHST UMSTRITTENEN EIGENWERBUNG

Gefährliche Gigantomanie

VON ARMIN GIBIS. Pyeongchang – Heli Herdt ist kein großer Freund des olympischen Skicross-Kurses.

„Die Hindernisse sind riesig, das ist ein bisserl eine Gigantomanie“, sagt der Sportchef der deutschen Freestyler. Rein optisch gesehen, so Herdt, sei der Parcours „superschön“. Doch hätte man zu wenig an den eigentlichen Wettstreit gedacht: „Anstatt den Kurs so groß zu machen, wäre es besser gewesen, man hätte das Kernelement unseres Sports stärker in den Mittelpunkt gestellt und mehr Überholungsmöglichkeiten geschaffen.“

Besonders der letzte Sprung ist ihm nicht ganz geheuer. Da fliege man bis zu 55 Meter hinunter, die Sportler landen nur zwei, drei Skilängen von der Ziellinie entfernt. „Wenn es darum geht, in die nächste Runde zu kommen, dann bremst keiner. Da gilt nur: Messer zwischen die Zähne – und hoffentlich bis zur Ziellinie“, schildert Herdt das Szenario, „wenn Rückwind ist, wird es für die Jungs eher Skispringen.“ Gut möglich also, dass sich die vier Rivalen folgenschwer in die Quere kommen. „Meine Sorge ist, dass wir solche Einläufe wie 2014 in Sotschi sehen. Das ist nicht das, was ich mir unter Skicross vorstelle.“ In Sotschi hatte es mehrere schwere Crashs auf den letzten Metern gegeben.

Nicht ganz so skeptisch ist Paul Eckert. Der Skicrosser vom WSV Samerberg fuhr vor zwei Jahren beim Weltcup in Pyeongchang auf den 2. Platz. „Wenn man Zweiter auf einer Strecke wird, hat man erst einmal ein positives Gefühl und mag den Kurs, mir taugt er“, sagt er. Allerdings ist das auch für ihn eine zweischneidige Angelegenheit. „Auf der einen Seite ist es für den Athleten richtig cool, wenn der Kurs so groß ist. Man kann supergut fahren – aber nur alleine. Zu viert aber ist es so eine Sache. Du hast wenig Spielraum.“

Schon der Start hat es in sich: „Da geht es dreieinhalb Meter fast im freien Fall hinunter.“ Wobei Eckert auch meint: „Gefahr ist immer dabei. Die gehört dazu. Das ist aber auch bei den Alpinen nicht anders.“ Seinen Sport bezeichnete er grundsätzlich als „gefährlich, aber nicht lebensgefährlich“. Damit aber keine Missverständnisse aufkommen, fügt er hinzu: „Wir machen das alle, weil es uns Spaß macht. Zu viert gegeneinander fahren – das macht erst den Reiz aus.“

Eckert, der zusammen mit Tim Hronek (SV Unterwössen) und Florian Wilmsmann (TSV Hartpenning) an den Start geht, gilt als die größte deutsche Hoffnung in dieser Draufgängerbranche. Vor einem Monat hat der Polizist beim Weltcup in Nakiska/Kanada die olympische Generalprobe gewonnen. Es war der erste Podestplatz für die deutschen Skicrosser in diesem Winter – und „eine große Erleichterung“, wie er betont.

Herdt sieht in Pyeongchang nun die Chance, zur spektakulären Werbung für die Skicrosser. „Olympia ist immer das große Ding, die Einschaltquoten sind sensationell.“ Die Randsportart, die sich erstmals 2010 in Vancouver präsentieren konnte (Herdt: „Wir waren damals noch Exoten“), habe mittlerweile auch in Deutschland Fortschritte gemacht in der öffentlichen Wahrnehmung. „Wir sind in der Medien- und Marketingwelt angekommen“, sagt er. Allerdings brauche es noch seine Zeit, bis man mit den etablierten Wintersportarten mithalten könne. Herdt meint: „Auch Biathlon ist nicht von heute auf morgen dorthin gekommen, wo es jetzt ist.“

Wichtig wäre es eben, sportlich für Aufsehen zu sorgen. Herdt hat da bereits eine ehrgeizige Zielsetzung vorgegeben: „Wir wollen eine Medaille. Ich hoffe, einer von unseren Jungs kommt durch.“ Leicht wird es nicht.

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