Für Fußball und Birne

Macher im Hintergrund: Ingolstadts NLZ-Leiter Ronnie Becht.
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Macher im Hintergrund: Ingolstadts NLZ-Leiter Ronnie Becht.

GUTE AUSBILDUNG BRAUCHT KONZEPTE . Nie zuvor wurde das Thema so hoch gehängt.

Schließlich verdankt Deutschland den WM-Titel 2014 in erster Linie der überragenden Arbeit in den Nachwuchsleistungszentren, die vor 15 Jahre verpflichtend für alle Bundesligisten installiert wurden. Nun schauen alle auf die Jugend. Und hoch qualifizierte Fachleute kümmern sich um die Talentförderung. Zum Beispiel Bernhard Peters. Er kommt aus dem Hockey, hat dann aber beim Fußball-Nachwuchs der TSG Hoffenheim Akzente gesetzt, ehe er zum Hamburger SV wechselte. Er weiß, dass Spieler, Eltern und Berater heute nicht mehr nur auf Namen achten, sondern auf Konzepte. „Kluge Eltern und Berater schauen darauf, wo Durchlässigkeit und Durchgangszahlen hoch sind, wo das Konzept schlüssig ist in der dualen Ausbildung – bei Fußball und Birne, wie ich immer sage.“

Das wird für die Eltern immer entscheidender, seit immer jüngere Talente für die großen Klubs zum Objekt der Begierde werden. Einen „harten Wettbewerb schon um die 14-, 15-Jährigen“ sieht Ralf Rangnick, Sportdirektor bei RB Leipzig. Doch in diesem Alter ist eine seriöse Prognose noch schwierig. Eltern gehen daher nur mehr selten das Risiko ein, schon in dieser Phase nur auf Fußball zu setzen. Also schauen sie, ob der Verein auch die schulische, berufliche und persönliche Entwicklung eines Jugendlichen intensiv fördert.

Damit der Junge nicht plötzlich vor dem Nichts steht, wenn es mit dem Sprung zu den Profis nicht klappt. Hier nämlich steht nach einer langen, aufwändigen und intensiven Ausbildung die höchste Hürde. Zwar ist es im Vergleich zu der Zeit, als es die Nachwuchsleistungszentren noch nicht gab, deutlich besser geworden, doch noch immer seien die Übergänge nicht harmonisch genug, kritisiert Peters: „Absolute Top-Performer werden es zwar schaffen, aber die Jungs, die mit 18 noch nicht voll durchentwickelt sind, brauchen noch ein oder zwei Jahre.“ Und dafür benötige man eine Person im Verein, die die gesamte Entwicklung, im sportlichen wie im Persönlichkeitsbereich, vertrauensvoll steuert.

Als vorbildlich gilt in Deutschland derzeit die Nachwuchsarbeit in Leverkusen, Hoffenheim und Mainz, auch der FC Schalke tut sich zumindest in dieser Hinsicht hervor, der FC Bayern, der hier, so Peters, „gerade ein bisschen hinterherhängt“, ist dabei, mit viel Geld und neuen Konzepten dieses Defizit mit dem künftigen Nachwuchszentrum im Münchner Norden zu beheben. Leipzig hat gerade eine große Nachwuchsakademie gebaut, die, so die Mission, „ein Sammelpunkt der fußballerischen Elite Deutschlands sowie der Region“ werden soll. Was auf viel Skepsis stößt. RB wird beschuldigt, Talente „aggressiv abzuwerben“, was Nachwuchschef Frieder Schrof, lange Jahre beim VfB Stuttgart, „einfach nervt“: „Es wird immer so getan, als ob nur RB Leipzig Spieler von anderen Vereinen holen möchte. Andere machen das genauso.“

Der Kampf um die Talente wird mit Haken und Ösen ausgetragen, vor allem aber wird mächtig investiert. Wie in Salzburg, wo Red Bull eine imposante Akademie mit 130 Heimplätzen für Fußball- und Eishockey-Talente eingeweiht hat. „Dagegen“, sagt Ingolstadts NLZ-Leiter Ronnie Becht, „ist unser Projekt richtig bescheiden.“ Und das soll es auch sein, man will beim Bundesliga-Aufsteiger familiär und bodenständig bleiben. Trotzdem hat man im Vergleich mit anderen Nachwuchsleistungszentren schon mächtig aufgeholt. Und die Möglichkeit, sich bei Bedarf auszuweiten und noch weiter zu entwickeln. Zumindest infrastrukturell kann man schon mithalten im Werben um den begehrten Nachwuchs. Nachholbedarf gibt es noch bei den Spielklassen.

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