Frischer Wind durch Steinberg

Trainerin mit Zukunft: Sarah Steinberg (28). turfstock.com
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Trainerin mit Zukunft: Sarah Steinberg (28). turfstock.com

Galopp . Junge Trainerin mit hohen Zielen – Saisonstart in Riem.

Von Christian Wanninger

München – Augenfälliger könnte der Gegensatz zwischen dem Optimismus von Sarah Steinberg und dem Missmut der meisten Mitglieder des Münchener Rennvereins (MRV) wenige Tage vor dem Beginn der neuen Rennsaison am Sonntag nicht sein. Hier die junge Galoppertrainerin, die in München während der Winterpause ihren ersten Posten als Cheftrainerin antrat. Dort die in der Mehrzahl schlecht gelaunten älteren Herren. Während sie in der Jahreshauptversammlung des MRV am Montag voriger Woche Schlachten der Vergangenheit schlagen und dem amtierenden Vorstand angebliche und tatsächliche Fehler vorhalten, plant die 28-Jährige die Zukunft ihres Rennstalls. Beide Seiten eint eine schwierige Situation.

Wegen der desolaten finanziellen Saison musste der MRV die Zahl der Renntage auf nur mehr sieben in diesem Jahr kürzen (und hier ansässigen Trainern Verdienstmöglichkeiten nehmen). Sarah Steinberg dagegen fand als Nachfolgerin von Wolfgang Figge im Rennpferde Trainings-Center von Besitzer Hans Gerd Wernicke einen Stall im Umbruch vor. Wie es sie überhaupt nach München verschlug? „Ganz klassisch“, erklärt die Trainerin. Als sie vom Abschied Figges erfuhr, „habe ich mich per Brief bei Herrn Wernicke beworben“.

Stattliche Referenzen kann Sarah Steinberg zweifellos vorweisen. Nach dem Ende ihrer Laufbahn als Rennreiterin im Jahr 2008 arbeitete sie für die deutschen Top-Trainer Jens Hirschberger und Markus Klug sowie zuletzt im Asterblüte-Stall von Peter Schiergen.

Wernicke nutzte die Trennung von seinem langjährigen Trainer – Figge ging in den Ruhestand – für einen grundsätzlichen Umbau. Die prestigeträchtigen jungen Pferde betreut jetzt Andreas Wöhler in Gütersloh, insgesamt sank der Bestand von über 30 Galopper auf aktuell zwölf auf der Trainingsliste. Keine Frage: „Es wäre schön, wenn wir wieder Zuwachs kriegen würden“, erklärt die Trainerin.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen unterhält Wernicke als wichtigster Münchner Besitzer den nach wie vor am besten ausgestatteten Rennstall. Prompt gelangen der 28-Jährigen die ersten Erfolge. Der „schon tot geglaubte“ Night Wish (Racing Manager Harald Schneider) gewann im März ein gut dotiertes Rennen in Frankreich, ehe er Mitte April in Mailand Platz zwei in einem Gruppe III-Rennen belegte – „gegen die besten Pferde Italiens“, wie Schneider betont.

Trotz der relativ wenigen Galopper geben Steinberg und Schneider gute Platzierungen auf Gruppe-Ebene als Saisonziel vor. Neben Night Wish gelten Victory Song und Liebesbrief als die dafür prädestinierten Kandidaten.

Mit einem Gruppe III-Rennen, den renommierten Bavarian Classic, startet im Übrigen der MRV am Sonntag in die Saison. Weil es sich dabei um eine wichtige Vorprüfung für das Deutsche Derby Anfang Juli handelt und alle wichtigen Ställe an die Isar kommen, ist der Riemer Bahn bundesweite Aufmerksamkeit garantiert. An den Start geht unter anderem der von Wöhler trainierte Isfahan, Sieger im letztjährigen Preis des Winterfavoriten und somit immer im Favoritenkreis.

Auf das Steinberg-Debüt in München muss das Publikum allerding noch warten. „Bei uns ist erst die Hälfte der Pferde einsatzfähig“, erklärt der Racing Manager – und „für die gab es keine passenden Rennen“ am Sonntag. Dabei täte der angespannten Stimmung nichts besser als ein neuer Lokalmatador.

Tipps für Riem

Galopp, Sonntag, 13.30 Uhr: I. Snowhite – La Coquette – Lady Quatz. II. Attilio – Grants Pass – Noble House. III. Arizona – Words of Love – Call me number one. IV. Aigrette Coquette – Kenrivash – Nadeem Alward. V. Suracon – Attraction – Eternal Power. VI. Eudokia – Königsadler – Action Please. VII. Isfahan - Izzo – Berghain. VIII. Air Attack - Kowalsky – Ourasi.

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