WELTCUP-PRIMUS GEWINNT DIE QUALIFIKATION VON OBERSTDORF – DIE MEISTEN KONKURRENTEN SCHWÄCHELN

Freitags erste Ansage

Die Faust des Siegers: Richard Freitag hat seine Favoritentrolle vor dem heutigen ersten Wettbewerb eindrucksvoll untermauert. Foto: dpa
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Die Faust des Siegers: Richard Freitag hat seine Favoritentrolle vor dem heutigen ersten Wettbewerb eindrucksvoll untermauert. Foto: dpa

VON PATRICK REICHELT. Oberstdorf – Am Ende hat sich auch der Wind noch einmal alle Mühe gegeben, diesen Richard Freitag auf die Probe zu stellen.

Die Lüfte kreiselten nach Lust und Laune über den Oberstdorfer Aufsprunghang. Der Anlauf wurde verlängert, dann doch wieder verkürzt. Den derzeit weltbesten Skispringer kratzte es nicht. Der 26-Jährige segelte als krönender Abschluss dieses Qualifikations-Wettbewerbs zum Auftakt der Vierschanzentournee trotzdem tief hinunter ins Tal. Weit über die grüne Linie hinaus, die beim Skispringen die Führungsweite markiert.

130,5 Meter verzückten neben Bundestrainer Werner Schuster auch die 14 400 Zuschauer in der Arena am Schattenberg. Noch bevor die 66. Vierschanzentournee mit dem ersten Wettbewerb am Samstag (16.30 Uhr/ARD und Eurosport) so richtig Fahrt aufnimmt, hat Freitag – der es im ersten Wertungsdurchgang mit dem Kanadier Mackenzie Boyd-Clowes zu tun bekommt, schon eine erste donnernde Ansage an seine Rivalen gesandt. Auch wenn er selbst die Sache locker nahm: „Ich glaube, der Sprung war ganz fein“, sagte er, „damit wäre ich im Wettkampf schon zufrieden.“

Die erklärten Tournee-Mitfavoriten werden es anders sehen. Denn die hatten abgesehen vom Österreicher Stefan Kraft (3./132,5 Meter) überwiegend nicht unbedingt erwartete Schwächen gezeigt. Kurz bevor die Allerbesten der Szene über den Bakken mussten, hatte sich der Wind gedreht. Unsanft drückten die Luftmassen nun von hinten. Auch Andreas Wellinger wurde schneller in den Schnee gedrückt, als es ihm lieb gewesen sein dürfte. 120,5 Meter reichten letztlich zu Platz 14. Die gute Laune ließ sich der Münchner, der mit dem Finnen Eetu Nousiainen einen überschaubaren Prüfstein vor sich hat, davon nicht verderben. Nicht einfach sei es in der Luft gewesen, „aber nun freue ich mich umso mehr auf den Wettbewerb“.

Aber es gab ja auch andere, die die Anlage mit einer deutlich betreteneren Miene verlassen mussten. Norwegens Aushangeschild Daniel Andre Tande blieb mit 119,5 Metern Platz 18. Dem vorjährigen Tourneesieger Kamil Stoch reichten 118 Meter sogar nur zu Platz 28 – der Pole muss nun nicht nur unerwartet früh ins Rennen gehen. Gegen den Österreicher Manuel Fettner hat er nun auch noch ein Auftaktduell vor sich, das nicht unbedingt zur Kategorie Selbstläufer gehört.

Die wechselnden Bedingungen öffneten die Tür für so manche Überraschung. Die wohl größte kam aus dem deutschen Team, das am Samstag mit immerhin zehn Springern vertreten sein wird. Der auf seiner Heimschanze schon so oft denkbar knapp gescheiterte Lokalmatador Karl Geiger erwischte bei allerdings auch noch etwas besseren Bedingungen einen optimalen Sprung auf 133,5 Meter und beendete die Qualifikation als bemerkenswerter Vierter.

Derweil deuteten aber auch die, von mehreren Trainern als Geheimtipp gehandelten Japaner schon einmal an, dass bei der Tournee tatsächlich wieder mit ihnen gerechnet werden könnte. Junshiro Kobayashi beendete den Tag nach starkem 133-Meter-Satz als Zweiter und damit schärfster Freitag-Verfolger – seinem Bruder Ryoyo reichten 129 Meter immerhin zu Platz neun.

Freitag indes war das egal, er richtete den Blick schnell wieder nach vorne. „Ich weiß, dass ich die Qualifikation nicht zu ernst nehmen darf“, sagte er. Den Mann bringt zur Zeit eben so gar nichts aus seiner Fassung.

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