DER ENTLASSENE COACH SASA DJORDJEVIC ÜBT HEFTIGE KRITIK AM MANAGEMENT SEINES EX-KLUBS FC BAYERN

Der Feind im eigenen Feld

Der Bruch: Sasa Djordjevic (links) und Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic. Rauchensteiner
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Der Bruch: Sasa Djordjevic (links) und Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic. Rauchensteiner

Basketball . VON Patrick Reichelt.

München – An der alten Wirkungsstätte hat sich das Rad schon weiter gedreht. In der heutigen Partie gegen Ulm (20.30 Uhr) wird erstmals Dejan Radonjic bei Bayerns Basketballern den Ton angeben. Für Sasa Djordjevic, den gerade entthronten Headcoach ist das Kapitel FC Bayern derweil noch längst nicht abgeschlossen.

Gestern veröffentlichte der 50-Jährige eine erste Erklärung seit seiner Demission vom vergangenen Mittwoch. In dem ausführlichen Papier übt Djordjevic unter anderem scharfe Kritik an der „seltsamen Entscheidung meines letzten Klubs Bayern München“ und vor allem an den Entscheidungsträgern Marko Pesic und Daniele Baiesi, auch wenn er beide nicht namentlich benennt.

Seine zentrale Antwort auf die mit Kommunikationsmängeln mit der Führung begründete Ablösung besteht aus den sportlichen Fakten: Dem Pokalsieg, dem Halbfinaleinzug im Eurocup und Platz eins in der Bundesliga mit einer Bilanz von 23 Siegen und zwei Niederlagen.

Dass das Bayern-Management nicht in die täglichen Abläufe eingebunden war, sieht Djordjevic sogar als eines der Erfolgsgeheimnisse an. Die Mannschaft habe dadurch nicht zuletzt die Ruhe gehabt, derer es bedarf, um letztlich Trophäen zu gewinnen.

Die einstige serbische Spielmacher-Legende machte jedoch „seit Saisonbeginn einen starken Mangel an Unterstützung für die Mannschaft und den Betreuerstab aus, in der Gestalt von demonstrativer persönlicher Distanz und Negativität, die oft unprofessionell gegenüber Personen außerhalb des Klubs zum Ausdruck gebracht wurde“. Seine Entlassung – und die seiner Assistenten Goran Bjedov und Mladen Mihajlovic – sei nun der Höhepunkt dieses Verhaltens. Was auch im Widerspruch dazu steht, dass beide Seiten sich offenbar schon vor dem Finalturnier um den Deutschen Pokal eigentlich darauf verständigt hatten, noch ein bis zwei Spieler zu verpflichten, um das Team nach den schweren Verletzungen einzelner Profis zu entlasten. In der Tat hat sich die Bayern-Führung nun ja dazu entschieden, den Kader unangetastet zu lassen.

Bayern München müsse über einem derartigen Verhalten stehen, solche persönlichen Attacken zuzulassen und die harte Arbeit vieler Leute zu ruinieren. Diese Angriffe schädigten nicht nur ihn, sondern den gesamten Beruf als Basketball-Coach. „Jemand hat mal gesagt, der einzige Feind, denn du nicht bezwingen kannst, ist der im eigenen Feld. Der gegen das gemeinsame Ziel agiert, in dem er das Argument der Gewalt statt die Gewalt des Arguments benutzt.“

Ausdrücklich bedanken wollte sich Djordjevic dagegen bei Präsident Uli Hoeneß. Der Klubchef hatte öffentlich erklärt, seine Basketballer erlebten die beste Saison der Geschichte. Das Lob eines großen, früheren Champions habe das gesamte Team sehr stolz gemacht.

Was der serbische Nationalcoach aber am meisten bedauert: dass ihm und der Mannschaft die Möglichkeit genommen worden sei, den Pokalsieg im Audi Dome angemessen mit der Fangemeinde zu feiern. Seiner Meinung nach sei die größte Belohnung nicht die Siegprämie, sondern der ehrliche Applaus und die Wertschätzung der Fans. „Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit ist uns allen unerklärlicherweise verweigert worden“, schrieb Djordjevic.

Die Chance, das zum Saisonende mit der Meistertrophäe nachzuholen, bleibt ihm nun verwehrt. Sein Job aber sei gewesen, die Mannschaft besser zu machen: „Und den betrachte ich als sehr gut erfüllt.“

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