NICHT DIE ZEIT ZÄHLT, SONDERN DIE PLATZIERUNG: WIE SEBASTIAN HALLMANN DAS DEBÜT ÜBER DIE 42,195 KILOMETER ANGEHT

Der Favorit organisiert seinen Lauf

„Nervosität wäre Energieverschwendung“, sagt Sebastian Hallmann (2. v. r.). Neben ihm blicken dem München Marathon (v.l.) Organisator Gernot Weigl, Giulio Benedetti von Sponsor Generali, Kjell-Erik Stahl, 1983 erster Sieger in München, und Thomas Weyer (Sponsor Flughafen München) entgegen. Foto: Hangen/fkn
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„Nervosität wäre Energieverschwendung“, sagt Sebastian Hallmann (2. v. r.). Neben ihm blicken dem München Marathon (v.l.) Organisator Gernot Weigl, Giulio Benedetti von Sponsor Generali, Kjell-Erik Stahl, 1983 erster Sieger in München, und Thomas Weyer (Sponsor Flughafen München) entgegen. Foto: Hangen/fkn

München marathon am Sonntag . Von Günter Klein.

München – Start 10.00 Uhr. Durchlaufzeit des Ersten bei der Halbmarathon-Marke: 11 Uhr 07 und 12 Sekunden. Im Ziel dann, nach 42,195 Kilometern, der Marathon-Distanz: 12 Uhr, 15 Minuten, 1 Sekunde. Wäre also eine Siegerzeit von zweieinviertel Stunden, die Gernot Weigl, der Cheforganisator des München Marathon, in die Durchlaufzeiten-Tabelle eingetragen hat. Eine optimistische Prognose. Denn internationale Stars, die solche flotten Zeiten laufen können, sind in München nicht dabei, weil Weigl im Gegensatz zu anderen Veranstaltern keine „Einkaufspolitik“ betreibt. Und die kleine nationale Spitze wird eher zwei Wochen später in Frankfurt antreten – denn dort sind die Deutschen Meisterschaften.

Aber irgendwas muss man eben hineinschreiben in den „Course Race Guide“, und die Zuschauer an der Strecke werden nicht gram sein, wenn sie ein paar Minuten länger auf den Ersten oder die Führungsgruppe warten müssen. Denn vielleicht ist der, der voranläuft, ein Lokalmatador aus München oder ein Niederbayer von der starken Fraktion der LG Passau. Der Münchner Marathon ist einer der größten Läufe in Deutschland – und dennoch einer, den ein Nicht-Profi gewinnen kann.

Sebastian Hallmann wird gemeinhin als Favorit genannt. Er selber sagt, dass er sich top platzieren „und eigentlich gewinnen“ will, doch verweist auch darauf, „dass ich keine Erfahrungswerte habe“. Er war eine Koryphäe auf der Bahn, eine feste deutsche Größe über 5000 und 10 000 Meter. Doch jetzt ist er 39 und versucht sich im Marathon, ohne dass dies der klassische Beginn einer Zweitkarriere sein soll. „Meinen ersten richtigen Marathon“ nennt er München, obwohl er dieses Jahr schon zweimal die mehr als 42 Kilometer hinter sich gebracht hat, bei einem Nachtlauf bei Karlsruhe („Ein ruhiger langer Dauerlauf“ – er gewann) und beim fordernden Gletschermarathon in Imst/Tirol („Zügiger langer Dauerlauf“).

Hallmanns Renntaktik für München? „Wenn einer dabei ist, der auf 2:10 angeht, werde ich ihn laufen lassen“, sagt er – denn dieses Tempo wäre für ihn definitiv zu hoch. Und wenn’s gemächlich zugeht, unter seinen Möglichkeiten? Wird er nicht die Sau rauslassen, um nicht später, rund um Kilometer 35, zu büßen, wenn sich der Stoffwechsel im Körper verändert, so dass es schmerzhaft wird. „Andere müssen auf die Gegner und die Zeit achten, ich nur auf die Gegner“, befreit er sich von einer konkreten Stunden-Minuten-Vorgabe. Einfach sehen, wie es sich entwickelt und schauen, ob er irgendwann die Kurven nur noch „rumrollen“ oder sie mit Kraft anlaufen kann.

Sebastian Hallmann ist studierter Politologe, doch arbeitet inzwischen im achtköpfigen Kern-Team von Gernot Weigls Agentur „runabout“, die den München Marathon veranstaltet. Er kümmert sich also auch um die Organisation des Laufes, den er gerne gewinnen will. Neulich hat er auf seinem Computer mal die Startliste geöffnet, um zu sehen, welche Konkurrenz ihn erwartet. „Aber es war alles alphabetisch geordnet“, sagt er. Ein paar tausend Namen wollte er dann doch nicht durchgehen.

Aber er hat eine SMS bekommen von einem, der ihm einen guten Platz streitig machen könnte, von Marco Bscheidl. Der wollte wissen, ob Hallmann tatsächlich zum Marathon antreten werde, wie man so höre. Dort werde man sich dann begegnen. „Wir sind schon mit 15, 16 auf der Bahn gegeneinander gelaufen“, erinnert sich Hallmann. Da war er immer der schnellere. Der Passauer Bscheidl ist aber auf die Ultra-Strecken gewechselt. „Er wurde für die Langstrecken-WM im November in Doha nominiert, da wird er die 50 Kilometer laufen, der München Marathon ist seine Vorbereitung“, sagt sein Trainer Günter Zahn, bekannt in München als Fackelläufer der Olympischen Spiele von 1972. „Marco kann unter 2:30 Stunden laufen.“ Die vorjährige Siegerzeit (von Florian Stelzle) betrug 2:29:57 Stunden.

Sebastian Hallmann kennt einen Teil der Strecke, die ihn erwartet: Er ist öfter schon die 10 Kilometer (neben dem Halbmarathon und der Firmenstaffel einer der Rahmenwettbewerbe) gelaufen, 2015 hat er sie noch gewonnen, 2008 stellte er den immer noch gültigen Streckenrekord von 30:17 Minuten auf.

Auf die 10 Kilometer wird der Ehrengast von Gernot Weigl, der heute 70-jährige Schwede Kjell-Erik Stahl, Sieger des ersten München Marathon 1983, gehen. Stahl lief in seiner Karriere 101 Marathons, zwei Eindrücke von München haben ihn nie verlassen: „Der Teil du2900rch den Englischen Garten und der Zieleinlauf im Olympiastadion.“

Er war vor 33 Jahren schneller, als es der heutige Durchgangszeiten-Plan vorsieht. Kjell-Erik Stahl schaffte die 42,195 Kilometer in 2:13:33 Stunden.

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