EM-Glanz im Grünwalder Stadion

Das Frauen-Team des FC Bayern baut auf die Zugpferde Lena Lotzen/Leonie Maier und eine neue attraktive Spielstätte von andreas werner

München – Seine Stimme ist zwar auch etwas angegriffen, an einer durchzechten Nacht liegt das jedoch nicht, versichert Thomas Wörle. Er war dabei, als die deutschen Fußballfrauen ihren EM-Sieg in Solna begossen haben, der DFB hatte den Trainer des FC Bayern nebst Managerin Karin Danner zum Finale nach Schweden eingeladen. „Aber wir sind um 1 Uhr in unseren Shuttlebus ins Hotel.“ Ihm sei es mehr um das Spiel gegangen, und die Nacht gehörte schließlich den Heldinnen. Um 1 Uhr, sagt Wörle, ging es schon noch mächtig rund.

„Die Mädels haben sich das ja auch verdient“, findet Wörle, der sich vor allem für seine beiden Teilnehmerinnen Lena Lotzen und Leonie Maier gefreut hatte. „Die sind natürlich überglücklich, und es ist auch einfach toll, was sie geleistet haben“, lobt ihr Coach. „Lena war ja vor dem Turnier noch keine wirkliche Stammkraft, dann hat sie sich praktisch unverzichtbar gemacht. Und Leonie hat alle Partien absolviert, als eine absolute Newcomerin – die zwei können echt stolz sein. Und wir bei Bayern sind das auch.“

In München hofft man nun auch ein wenig auf die Strahlkraft der beiden Europameisterinnen, wenn sie nach zwei Wochen Extraurlaub zurückkehren. „Natürlich sind die beiden jetzt Zugpferde, zwei Gesichter, die einer breiteren Masse bekannt sind, da erhoffen wir uns natürlich schon, dass sie unsere Attraktivität fürs Publikum steigern“, sagt Wörle. Generell können die Bayern-Frauen in der neuen Saison neu glänzen – nicht nur wegen zwei frischdekorierten Nationalspielerinnen, sondern auch noch, weil sie künftig im Grünwalder Stadion kicken. EM-Glanz in einer beliebten Spielstätte, das hat Reiz. „Ich selbst bin wahnsinnig stolz, dass wir ab sofort in diesem tollen Stadion spielen dürfen, das wird uns einen Schub geben und auch mehr Zuschauer anziehen, einfach, weil das Grünwalder so viel Fußballcharme hat“, erzählt Wörle, der es aus eigener Erfahrung kennt: Einst spielte er für den TSV 1860 II hier, in dieser Arena feierte er unter anderem den Aufstieg von der Bayern- in die Regionalliga, er hat seinen Mädchen viel zu erzählen, was man in diesem Stadion erleben kann.

Seit vier Wochen bereitet sich Wörles Team auf die Saison vor, die gleich mit zwei schweren Duellen startet: Am 7. September müssen sie beim Triple-Sieger VfL Wolfsburg antreten, am 14. September reist Freiburg an. „Das wird happig, aber dann weiß man gleich, woran man ist“, sagt Wörle, der sich von dem harten Auftakt aber nicht irritieren lässt. „Wir haben uns in der Spitze der Ersten Bundesliga etabliert, sind letztes Jahr Vierter geworden und wollen jetzt den nächsten Schritt gehen. Unser Ziel ist es, den Abstand zu den Top-Teams noch weiter zu verringern.“

Als Neuzugänge sollen neben Leonie Maier auch die U-17-Europameisterin Franziska Jaser aus Thannhausen (die allerdings noch an einem Kreuzbandriss laboriert) und die italienische Nationaltorhüterin Katja Schroffeneger mithelfen, die Distanz zur Spitze zu verknappen. „Und wir suchen auch noch jemand für die Offensive“, sagt Wörle. Zumal ein Abgang schwer wiegt: Julia Simic versucht ihr Glück in Potsdam, man hätte sie gerne behalten, trotz ihrer bewegten Krankenakte mit zwei Kreuzbandrissen. „Aber wir haben schon ohne sie toll gespielt, wir bekommen das schon hin“, sagt der Coach.

Bei der Frage nach Stützen seines Teams tut sich Wörle schwer – „weil wir sehr viele haben, die die Richtung angeben“. Torfrau Kathrin Längert gehört zur Münchner Führungscrew, ebenso Innenverteidigerin Niki Cross, Sarah Hagen in der Offensive, auch Amber Brooks oder Sarah Romert. Und natürlich die beiden Europameisterinnen. Wenn sie alle ihre Leistung abrufen, haben die Bayern vielleicht auch bald mal wieder selbst was zu feiern. Und dann würde Thomas Wörle vielleicht nicht schon um 1 Uhr das Feld räumen.

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