Nur eine Rumpf-Reform

FIFA Der Machtkampf Blatter/Platini als Bremse für Neuerungen

Port Louis/Berlin – Ihren moralischen Offenbarungseid versteckte die FIFA in einer Pressemitteilung auf fünf knappen Zeilen – zwischen den Beschlüssen zur Task Force gegen Rassismus und zum Gastgeber der Beach-Soccer-WM 2015. In seiner letzten Sitzung vor dem Kongress am Donnerstag und Freitag auf der Sonneninsel Mauritius konnte sich das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes nicht auf einen Antrag für eine Amtszeitbeschränkung und ein Alterslimit seiner mächtigen Entscheidungsträger einigen – und verschob ein Kernstück der Reformen einfach auf das Jahr 2014. Der mit viel Skepsis und Kritik begleitete Wandel zu mehr Transparenz im skandalumwitterten Funktionärsensemble wird damit endgültig zur Farce.

Die großen Verlierer sind schon vor der Kongress-Eröffnungsrede FIFA-Chef Joseph Blatter und Theo Zwanziger. An ihnen wird das Scheitern festgemacht werden, obwohl der Widerstand aus anderen Richtungen kam. Mit Verve hatte der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger für das von ihm im Auftrag Blatters entworfene Demokratiepaket gekämpft – was bleibt, ist aber nur eine Rumpf-Reform.

Einen Tag vor Start des Kongresses verteidigte Blatter die Verschiebung der Abstimmung über ein mögliches Alterslimit. „Wir haben den Kongress um mehr Zeit gebeten, um eine machbare Lösung zu finden, bis Freitag war das nicht möglich“, sagte der Schweizer am Mittwoch. Die Sportbeauftragte von Transparency International konnten die neuesten Entwicklungen nicht mehr schocken. „Da liegt noch so viel anderes im Argen, da wundert es mich nicht, dass sie das auch nicht hinbekommen“, sagte Sylvia Schenk.

Eine Altersgrenze sei sowieso „nicht das Entscheidende“, betonte Schenk, weshalb die Verschiebung „nicht mehr so viel“ ändere. „Andere, wichtige Dinge sind auch noch offen.“ So stünde beispielsweise eine Offenlegung der Zahlungen an Mitglieder des Exekutivkomitees beim Kongress in Mauritius gar nicht auf der Agenda.

Am Dienstagabend soll es in Port Louis fast zu einer Eskalation gekommen sein. Im FIFA-Exekutivkomitee stritten die sieben Vertreter aus Europa mit den Funktionären aus dem Rest der Welt. Wenigstens ein Vorschlag solle dem Kongress vorgelegt werden, forderten die UEFA-Gesandten inklusive Zwanziger, um über diesen demokratisch von den 209 FIFA-Mitgliedern abstimmen zu lassen. Die Mehrheit der Exekutive war letztlich dagegen.

Hintergrund der FIFA-Malaise sind vor allem machttechnische Erwägungen. Über allem schweben schon jetzt die Zeichen eines bevorstehenden Gigantenkampfes um den FIFA-Thron, obwohl keiner der Alphatiere seine Kandidatur bislang offiziell gemacht hat.  Doch als sicher gilt: UEFA-Chef Michel Platini will Blatter 2015 herausfordern. Mit 53 Europa-Stimmen im Gepäck kann der Kontinentalverband alle Reformen blockieren und entsprechend seine Vorstellungen für das künftige Vorgehen formulieren. Blatter (77) ist gegen ein Alterslimit von 72 Jahren. Platini (56) ist dafür. Blatter ist für eine Amtszeitbeschränkung auf 2 x 4 Jahre, Platini will 8 + 4 Jahre. Manche Rechenspiele allein enttarnen schon die Motivation der Protagonisten.  dpa

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