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Durch die Hintertür zurück?

Ein Comeback von Schneider als Löwen-Präsident ist denkbar – vorher müsste aber der Aufsichtsrat zurücktreten von uli kellner

München – Er könnte jetzt eigentlich das Leben genießen. Mal wieder ins Kino gehen, in den Urlaub fahren oder sich mit den alten Spezln beim Montagskick verausgaben. Dieter Schneider (65) jedoch ist keiner, der es krachen lässt. Lieber trinkt er eine Tasse Früchtetee und hört sich an, was 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer in einer Giesinger Gaststätte zu sagen hat, bei einer Diskussionsrunde der „Abendzeitung“, die Schäfer zusammen mit Teamkapitän Benny Lauth, Stadionsprecher Stefan Schneider und zwei Fanvertretern auf die Bühne setzte. Am 1. April wurde Schneider als Löwen-Präsident abgelöst, doch es interessiert ihn nach wie vor brennend, was bei seinem Klub vor sich geht. Oder steckt gar mehr dahinter?

Zeitgleich, nur zweieinhalb Kilometer südlich, tagte der Aufsichtsrat des Vereins, der Schneider erfolgreich zermürbt hatte und nun Probleme hat, weil Wunschnachfolger Hep Monatzeder (61) mit Pauken und Trompeten am Widerstand der Delegierten gescheitert ist. Spekuliert Schneider heimlich darauf, durch die Hintertür zurückzukehren? Im Kaffee Giesing wich er dieser Frage aus. „Ich bin Gast und Zuhörer“, beschied er knapp. „Damit will ich’s bewenden lassen.“ Aus dem Umfeld des Dachauer Unternehmers ist jedoch zu hören, dass Schneider unter gewissen Voraussetzungen sehr wohl zum Comeback bereit wäre. Die wichtigste Bedingung: Der Aufsichtsrat müsste vorher zurücktreten, zumindest jene Kontrolleure, die am meisten gegen ihn gearbeitet hatten.

Seit dem Tag, als Monatzeder durchfiel, bläst dem Aufsichtsrat ungebremster Gegenwind entgegen. Konsens ist, dass das Gremium um den Vorsitzenden Otto Steiner nicht mehr tragbar ist. Steiner machte noch in der Nacht zum Freitag Andeutungen, dass ein Rücktritt „diskutiert wurde“. War das der Grund für die gestrige Sitzung? Schäfer sprach von einer „klaren Botschaft“, die von den Delegierten vermittelt worden sei. „Es darf kein Weiter-so geben, kein Anknüpfen an die alte Zeit. Es soll einen personellen Neuanfang geben.“ Das klingt nach dem Willen zur Selbstreinigung. Aber bitte alles mit der Zeit, wenn man Steiner richtig versteht. In der „tz“ wird der TV-Produzent so zitiert: „Es war eine Option, dass der gesamte Aufsichtsrat zurücktritt. Aber davon sind wir abgekommen. Bis zur Mitgliederversammlung wird das auf keinen Fall passieren.“ Das „Schiff 1860“, sagte Steiner an anderer Stelle, dürfe nicht „führungslos“ umhertreiben.

Warum Monatzeder keine Chance bei den Delegierten hatte, legte Roman Beer bei der Giesinger Podiumsdiskussion dar. Die 25 Tage bis zur Versammlung seien nicht das Problem gewesen, sagte der kluge Kopf von Pro1860: „Sein Problem war, dass er seit 1997 im Aufsichtsrat saß, und nur in den drei Jahren, in denen er weg war, ist nichts Schlimmes passiert.“ Arena statt Giesing, Fast-Insolvenz, Anteilsverkauf an Hasan Ismaik – all das habe der Grünen-Politiker mitzuverantworten. „Er hat die Quittung dafür bekommen, was in den letzten zehn Jahren sportlich und finanziell falsch gelaufen ist“, sagte der Langzeitfan und Delegierte Franz Hell.

Stellt sich die Frage, wer den Mitgliedern Ende Juni vorgeschlagen wird. Beer, von der AZ als „Funktionärs-Talent“ ins Spiel gebracht, lehnte dankend ab. „Es ehrt mich zwar, dass man mir das zutrauen würde“, sagte der 33-Jährige, „aber a) bin ich noch zu jung. Und b) ist die Situation dermaßen verfahren. Ich bewundere jeden, der sich da aktuell zur Verfügung stellt und glaubt, den Gordischen Knoten lösen zu können.“ Erich Meidert jedenfalls scheint auch nicht der große Ankommer zu sein. „Seinen 30-Punkte-Plan hatte er zu Hachinger Zeiten auch schon“, sagte Hell über den einzigen Bewerber, der bisher die Hand gehoben hat (neben Albrecht von Linde). „Er soll mal Ross und Reiter nennen. Leute, die jemanden kennen, hat’s hier in den letzten zehn Jahren genug gegeben.“

Die besten Chancen in diesem gespaltenen Verein hätte wohl ein Kandidat, der es schafft, sportliche Ambitionen und die Rufe nach eigener Identität unter einen Hut zu bringen. „Europapokal im Sechzger-Stadion“, räsonierte Beer, wäre der kleinste gemeinsame Nenner. Dieter Schneider hat in diesem Moment milde gelächelt – und den Blick dann wieder in seiner leeren Teetasse versenkt.

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