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RYDZEK VOR RIEßLE UND FRENZEL: DSV-KOMBINIERER SCHAFFEN EINEN FANTASTISCHEN DREIFACHSIEG

Der Tag der deutschen Dominierer

Von Elisabeth Schlammerl. Pyeongchang – Die Fäuste des Siegers flogen zunächst kurz nach oben.

Und einen Moment später, als auch die beiden Kollegen vor dem Rest des Feldes über die Ziellinie gefahren waren, riss Johannes Rydzek beide Arme hoch und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Er hatte es gerade geschafft, „meinen Kindheitstraum“, wie er sagte, zu verwirklichen: Olympia-Gold im Wettbewerb der Nordischen Kombinierer von der Großschanze, vor Fabian Rießle und dem Sieger vom Mittwoch, Eric Frenzel. Drei Deutsche bei Olympia in dieser Sportart auf dem Siegerpodest hatte es zuletzt 1976 gegeben. „Ein unglaublicher Tag für unseren Sport“, sagte Rydzek. „Wir sind noch immer ziemlich geflasht.“

Vor den Spielen hatte der Gemeinsinn bei den deutschen Kombinierern etwas gelitten – zumindest bei Rydzek und Frenzel, die im vergangenen Jahr verbissen um die große Kristallkugel kämpften. Doch am Dienstagabend war das vergessen, alle drei stellten ihre Eigeninteressen zunächst zurück. Frenzel, der aufgrund eines etwas weiteren Sprungs ein paar Sekunden früher in die Loipe hatte gehen dürfen, verzichtete darauf, die Aufholjagd auf das Führungstrio, das bald nur noch ein Duo war, allein zu starten. Er wartete auf die beiden Kollegen, die erst mit rund einer halbe Minute Rückstand auf den Führenden in die Loipe gestartet waren. Gemeinsam, aber ohne es eilig zu haben, liefen sie auf Akito Watabe aus Japan und den Norweger Jarl Magnus Rjiber auf. Mit der finalen Tempoverschärfung ließen sie sich bis zum letzten Anstieg Zeit. Da konnte Watabe dann nicht mehr folgen.

Erst jetzt begann jeder für sich um den Sieg zu kämpfen, und nur Rijber mischte noch mit. „Der Trainer hat gesagt, es kann etwas ganz Großes werden, wenn wir uns gegenseitig helfen“, sagte Rießle später. Der Trainer, Hermann Weinbuch, verdrückte dann bei der Zieleinfahrt seiner drei Athleten „ein paar Tränen“, wie er nachher gestand. Er war sich zuvor nicht sicher gewesen, ob seine Schützlinge die vorgegebene Taktik akzeptieren würden. „Für uns war das oberste Ziel, dass alle Drei auf dem Podest stehen. Wer gewinnt, war uns egal“, sagte Weinbuch.

Dass Rydzek die besten Chancen hatte, ahnte Weinbuch. „Er war der Schnellste und Eric vielleicht nicht so frisch wie im ersten Rennen“, als der Sachse Gold geholt hatte. Aber bis zum finalen Spurt, seien alle drei „sehr kontrolliert und sehr fair gelaufen. Jeder hat den anderen Platz gelassen.“

Womöglich lief dabei noch ein bisschen die Erinnerung an Sotschi vor vier Jahren mit, als Rydzek, Rießle und Björn Kircheisen auf dem Weg zum vermeintlich sicheren Dreifacherfolg kollidierten. Am Ende konnte nur Rießle einen Sturz vermeiden und wenigstens noch Bronze gewinnen.

Die Verhältnisse in der Nordischen Kombination sind bei diesen Olympischen Spielen nun wieder so, wie sie im vergangenen Winter waren: Totale deutsche Dominanz – so, als hätte es die aktuelle Saison mit all den Problemen beim Springen nicht gegeben. Die Deutschen räumen wieder ab, sind nun auch für den Teamwettbewerb am Donnerstag die großen Favoriten – und der Rest der Welt schaut staunend zu.

Vor allem die Norweger, die Dominatoren des Weltcups, die bisher in Pyeongchang leer ausgingen, weil ihre Besten in der Loipe, Jörgen Grabaak und Jan Schmid, auf der Schanze nicht zurechtkommen. Wie schon auf der kleinen Schanze waren sie gestern bereits nach dem Springen chancenlos, mit rund zwei Minuten Rückstand.

Die Deutschen hingegen haben zur rechten Zeit ihre Schwierigkeiten in den Griff bekommen. Vor allem Rydzek, der bei der WM in der vergangenen Saison in Lahti mit viermal Gold der große Triumphator war, ist „nicht mit dem Mörderselbstvertrauen hierhergefahren“, wie der 26-Jährige zugab. Er habe sich bisher bei Olympia mehr als Angreifer gesehen, die Rolle angenommen, am Ende „alles reingelegt, was ich hatte an Herz und Power“. Und so Gold gewonnen.

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