Brasilien schlägt Bayern

DFB-Pokalfinale ohne Dante und Luiz Gustavo – Südamerikaner beharren auf Abstellung von andreas werner

DFB-Pokalfinale ohne Dante und Luiz Gustavo – Südamerikaner beharren auf Abstellung

von andreas werner

München – Es gibt Momente, da hat man den Eindruck, mit Karl-Heinz Rummenigge ist nicht gut Kirschen essen. Einen dieser Momente erlebte man gestern an der Säbener Straße. Der Vorstand des FC Bayern reckte sein Kinn energisch in die Höhe, er lächelte, aber er lächelte so, das jedem Gegner das Blut in den Adern gefrieren müsste. „Ganz ehrlich“, sagte er, „diesen Kampf hätte ich gerne ausgetragen. Auf diese Auseinandersetzung hätte ich mich gefreut.“

Allerdings wird es nicht soweit kommen. Die Münchner treiben es nicht auf die Spitze. Brasilien schlägt Bayern, aber weil der deutsche Meister eine seiner wenigen Saisonniederlagen in diesem Fall unter höchst fragwürdigen Umständen hinnehmen muss, trifft es das Wort „schlagen“ in doppeltem Wortsinn: Dass Dante und Luiz Gustavo das morgige DFB-Pokalfinale verpassen, ist ein Schlag ins Gesicht.

Die Südamerikaner beharren auf die Abstellungspflicht und berufen sich dabei auf die FIFA-Statuten. Das ist prinzipiell ihr gutes Recht, dennoch ist ihr Sieg im Ringen um die beiden Bayern nicht gerade mit dem Prädikat Fairplay zu versehen. Man hätte alles besser moderieren können.

Die Fakten: Am 15. Juni beginnt in Brasilien der Confed Cup. Zwei Wochen vor Turnierstart sind Nationalspieler für den Verband freizugeben. Da die Brasilianer für Sonntag ein Freundschaftsspiel gegen England vereinbart haben, verfügten sie, dass ihre Turnierteilnehmer am Samstag um 16 Uhr MESZ in Rio zur Verfügung stehen müssen. Das Problem: Dieser Termin kollidiert mit dem Pokalfinale in Deutschland.

Es hat schon öfter Kontroversen über die Abstellungen von Nationalspielern gegeben – „aber wir haben uns eigentlich immer auf eine freundschaftliche Lösung geeinigt“, sagte Rummenigge. Diesmal nicht. Obwohl man alles versucht habe. DFB-Chef Wolfgang Niersbach wurde eingeschalten, Jupp Heynckes telefonierte mit seinem Trainerkollegen Felipe Scolari – jedoch, die ganze Affäre geriet letztlich zu „einer Art Psychoterror“, erzählte Rummenigge. Vom Zuckerhut aus wurde übermittelt, wenn die beiden Spieler nicht zur vereinbarten Zeit anreisten, wäre

Schweinsteiger: „Absoluter Wahnsinn“

ihre Karriere in der Nationalelf zuende. „Man weiß ja, wie schwer so etwas gerade einen Brasilianer trifft“, sagte Rummenigge, der sehr viele Adjektive fand, um seiner Empörung Luft zu verschaffen: Das sei „skrupellos, unfair, unmenschlich“. Man habe die Sache deshalb „rauf und runter diskutiert“ und am Ende entschieden: „Wir geben die beiden Spieler frei. Wir fühlen uns dazu genötigt, das Finale ohne die beiden zu spielen.“

Im schlimmsten Fall hätten die Brasilianer erwirken können, das Pokalfinale für Stuttgart werten zu lassen, „aber das hat für uns keine Rolle gespielt“. Diesen Kampf hätte Rummenigge eben nur zu gerne ausgetragen, doch es galt, die menschliche Komponenten des Falls zu sehen. „Wir haben die zwei nicht vor die Frage gestellt: Bayern oder Nationalelf.“ Man saß zusammen, die Spieler, er, Heynckes und Matthias Sammer, danach packten die beiden. Bereits am Abend saßen sie im Flieger. Und das nicht gerade glücklich, wegen dieser Zwickmühle. „Ich habe Dante eine ganze Saison als lachenden, fröhlichen Menschen erlebt – und heute das erste Mal mit traurigen Augen“, schilderte der Klubchef.

Bastian Schweinsteiger erklärte, er könne die Gemütslage der Kollegen gut nachvollziehen. „Ein Spieler arbeitet das ganze Jahr auf so ein Finale hin. Ihm im letzten Moment dann die Chance zu nehmen, ist absoluter Wahnsinn.“ Manuel Neuer meinte, er wäre in so einem Fall „enttäuscht und sauer auf den Verband – ich wüsste nicht, wie ich mich bei der Nationalelf verhalten soll“. Sportlich ist vor allem Dantes Abwesenheit ein Verlust, auch wenn Daniel van Buyten als Vertreter bereit ist. „Uns tut es weh“, stellte Neuer klar.

Rummenigge echauffierte sich vor allem, weil „der FC Bayern nichts dafür kann“. Der Ursprungsfehler lag beim DFB, der das Finale angesetzt hatte, obwohl der Confed Cup in den Kalendern eingetragen war. Doch in München will man da nicht groß nachkarten, weil man bei Terminkollisionen in der Regel immer eine Lösung gefunden hat. Es wäre ja auch allein um den 1. Juni gegangen. Am Tag danach hätte man das Duo mit einer Schleife umwickelt an den Zuckerhut entsendet.

„Wir werden jetzt im Finale gegen den VfB Stuttgart erst recht alles in die Waagschale werfen“, sagte Rummenigge. Die Bayern sind sauer – bedauernswerter VfB: Wenn die Bayern sauer sind, ist mit ihnen nicht gut Kirschen essen.

Kommentare