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KOLUMNE

Die Bolzplätze im Internet

Der eSport boomt – doch handelt es sich bei der Zockerei am Computer tatsächlich um Sport?

Da haben wir an dieser Stelle so oft den argen Verlust von Bolzplätzen beklagt, auf denen wir einst unsere Freizeit verbracht haben (von der wir, nebenbei bemerkt, etwas mehr hatten als heutige Generationen, ohne Ganztagsschule, forderndes G8 und ohne die Helikopter-Eltern, die sich massiv sorgen um spätere Jobchancen ihrer Kids), da vernehmen wir, dass es sie längst wieder gibt. Ja, es gibt wieder Bolzplätze, hören wir. Nur findet man die nicht mehr draußen im Freien, man findet sie im Internet. Die Bolzplätze der Zukunft sind nämlich virtuell. Wie damals aber ein stark frequentierter Treffpunkt für die Jugend, die man heute „digital natives“ nennt.

Zugegeben, in unserem Alter tut man sich ein bisschen schwer, die wilde Zockerei am Computer als Sport zu werten, da geht es uns ähnlich wie Reinhard Grindel. Wir würden aber nicht ganz so weit gehen wie der DFB-Boss, der den boomenden eSport als „absolute Verarmung“ bezeichnet. Die Politik dagegen will, doch etwas überraschend im Koalitionsvertrag verbrieft, eSport als Sport anerkannt sehen und hat damit die Sportverbände gewaltig unter Druck gesetzt hat. Die sind nun hektisch am Prüfen, ob denn das Spielen von Video- und Computergames den Leitlinien des Sports entspricht und in Vereinsstrukturen passen könnte.

Beim FC Schalke zum Beispiel ist die Frage ja längst beantwortet, dort baut man gerade eine Profi-Abteilung auf, andere Klubs wie RB Leipzig, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen folgen. Durchaus realistisch, dass eSport bald zum olympischen Programm zählt, bei den Asienspielen ist man schon dabei, allein in China soll es ja mehr als 100 Millionen eSport-Enthusiasten geben, in Südkorea werden eSportler wie Rockstars verehrt, kassieren Siegprämien in Millionenhöhe.

Ist das die Zukunft des Sports? Grindel bibbert schon vor der „größten Konkurrenz im Bemühen, Kinder in Sportvereine zu bekommen“. Ist ohnehin nicht mehr so, dass Kinder, sobald sie einigermaßen geradeaus laufen können, im Fußballklub angemeldet werden. Nicht mehr mit Füßen, mit den Fingern entwickeln sie früh eine gewisse Virtualität, beim Tippen und Wischen auf dem Smartphone. Ziehen wir eine Generation heran, deren koordinative Fähigkeiten noch weiter verkümmern, die noch bewegungsärmer wird, bald nur noch sitzt, liegt, fett und immer fetter wird?

Sorge macht uns das schon, ähnlich wie den Sportverbänden. Die vermissen beim eSport die motorische Komponente, aber ist Schach nicht auch Sport? Ein Spieler von „Starcraft 2“ soll bis zu 300 Anschläge pro Minute in die Tastatur hauen, Wahnsinn, versuchen Sie das mal. Auch dafür müsse man topfit sein, längst sei es nicht mehr so, dass sich die Zocker auf einem Dachboden treffen, mit Energydrinks wachhalten und blutrünstigen Ballerspielen frönen. Wer heute in der Szene mithalten wolle, müsse einen Ernährungsplan haben, Physiotherapie und regelmäßig zum Fitnesstraining. Nur mit gesundem Körper und einem gut durchbluteten Gehirn erreiche man hohe Aufmerksamkeitsspannen, so der eTeamchef von Schalke.

Klingt durchaus sportlich. Und ein Vorteil von eSport lässt sich nicht verleugnen: Hier wird Inklusion gelebt, Alter, Geschlecht, Figur, Behinderung – spielt alles kaum eine Rolle. Man hat riesige Wachstumsraten. Und Sponsoren. Schon deshalb wird das IOC um eine Aufnahme nicht herumkommen, spannend wird sein, ob eSport den Sommer- oder den Winterspielen zugeschlagen wird.

Aber egal, wir werden uns daran gewöhnen. Auch wenn uns die echten Bolzplätze lieber waren als die virtuellen. Das aber ist vielleicht einfach eine Frage des Alters.

Zwischentöne

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