SEIT 30 JAHREN BEREICHERT RUDI GRÖßWANGS „KUFENSTÜBERL“ DAS OLYMPISCHE NACHTLEBEN – SOGAR DIE KÖNIGIN VON ENGLAND WAR SCHON DA

Der Bayer, der die Stars verwöhnt

Trachtenjanker, Weißbierglas, gute Laune: Der frühere Rodler Rudi Größwang betreibt das „Kufenstüberl“. Foto: gib
+
Trachtenjanker, Weißbierglas, gute Laune: Der frühere Rodler Rudi Größwang betreibt das „Kufenstüberl“. Foto: gib

Von Armin Gibis. Pyeongchang – So kennt man den Größwang Rudi.

Trachtenjanker, Weißbierglas vor sich, gut drauf. Seit 30 Jahren schon kümmert er sich darum, dass im olympischen Nachtleben die bajuwarische Lebensart nicht zu kurz kommt. Der Rudi, wie ihn die meisten nennen, ist Chef des „Kufenstüberls“, einer Lokalität mit Legendenstatus.

So ziemlich alle deutschen Olympiasieger bei Winterspielen der vergangenen drei Jahrzehnte sind hier zugange gewesen, haben es – mit anderen Sportlern – auch mal krachen lassen. Sogar die englische Königin hat schon reingeschaut ins rustikale Ambiente, Fürst Albert II. von Monaco ist seit langer Zeit gern gesehener Stammgast, und zu den Urgesteinen des „Kufenstüberls“ zählt natürlich der Rodlerkönig Hacklschorsch. „Unser Vorteil ist“, sagt Größwang, „dass wir leger und normal sind.“ Vor allem, so betont er, „des Normale“ sei ihm wichtig.

Gegründet wurde das „Kufenstüberl“ eher aus der Not heraus. Größwang, einst selbst Rodler und im Doppelsitzer Olympiavierter von 1976, hatte selbst die bittere Erfahrung gemacht, bei Olympia abends keine gesellige Bleibe zu finden. Im „Deutschen Haus“, das der 70-Jährige nicht ganz so normal findet wie sein Stüberl, sei man sogar an der Pforte abgewiesen worden. Also entstand anno 1988 in einer Garage das erste „Kufenstüberl“, das sich sogleich enormen Andrangs erfreute. „Des war immer brechend voll.“

Zum Erfolgsgeheimnis gehört auch, dass man ganz auf die Grundlagen der bayerischen Küche setzte. Größwangs gastronomische Kernerfahrung: „Es ist jeder zufrieden, wenn er eine Brotzeit kriegt, ein paar Weißwürscht und einen Leberkäs. Die Leit woll’n des, die woll’n net mehr“, sagte er im urigen Bayerisch. Das „Deutsche Haus“, der offizielle Treffpunkt für Sponsoren, Funktionäre, Politiker und Sportler, hätte dagegen oft einen gewaltigen Aufwand betrieben: „Die haben aufgedeckt wie in einem Fünf-Sterne-Hotel – aber da wollte oft keiner hin.“ Und genauso wenig normal fand Größwang, dass die vom „Deutschen Haus“, also die Sportmarketing GmbH, manchmal „ein Schweinegeld“ ausgegeben hätte. Er erinnert sich da an einen Umbau bei Olympia, der dreieinhalb Millionen Euro gekostet habe. „Ich persönlich hätte da gar nix umgebaut.“

Inzwischen aber hat man sich gut arrangiert. Was auch am DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann liege. „Des is einer, der noch gradaus denkt.“ In Pyeongchang befindet man sich im gleichen Gebäude des Birch Hill Golf Clubs in schöner Koexistenz. Größwangs Stüberl hebt sich durch die rustikale Einrichtung, die Volksmusik (ein Duo spielt auf Ziehharmonika und Posaune) und eben die Speisekarte ab. Die bayerischen Spezialitäten bezieht der aus Gaißach bei Bad Tölz stammende Größwang von einem österreichischen Metzger, den er in Seoul ausfindig gemacht hat.

Für ihn als Wirt ist es Ehrensache, dass er die Stellung im „Kufenstüberl“ hält, „bis wir zusperren“. Und das kann lange dauern. Wobei es schon auch vorkommen kann, dass Größwang von seinem Hausrecht Gebrauch machen muss. Er erzählt da gerne folgende Geschichte: Eines abends, so um halbzwölf, sei der Albert von Monaco noch aufgetaucht. „Wir sind beieinander gesessen, lustig war’s.“ Doch um halbfünf in der Früh hätte eine ARD-Reporterin plötzlich ihr Mikrofon hervorgezogen, um den Albert zu interviewen. Ein Unding, zumal der Albert nur gebrochen Deutsch spreche – und das erst recht in den Morgenstunden. „Da muss man eingreifen“, sagte Größwang. Also ist er zu der Fernsehjournalistin und sagte ihr in bestimmtem Ton: „Madl, dich will ich hier nicht haben. Und so lang ich leb’, kommst du mir hier auch nicht mehr rein.“ Die bayerische Gemütlichkeit, so viel ist klar, die will sich der Größwang Rudi nicht verderben lassen.

Kommentare