Bader holt Bronze, der Rest geht baden

Krise im Becken: DSV-Team droht die schlechteste Bilanz Barcelona – Anna Bader stürzte sich aus 20 Metern ins Hafenbecken von Barcelona und tauchte mit WM-Bronze wieder auf, die deutschen Schwimmer gingen im Palau Sant Jordi gleich reihenweise baden.

Bei der spektakulären Premiere der Klippenspringer verpasste die Serien-Europameisterin zwar den ersten offiziellen WM-Titel, bescherte dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) am elften Tag der WM aber immerhin die neunte Medaille.

Anna Bader war nach dem WM-Debüt ihrer Extremsportart hin- und hergerissen. „Es war fantastisch, super schön“, sagte die 29-Jährige aus Mainz und strahlte über das ganze Gesicht. Doch das Lachen täuschte ein wenig: „Ich hätte mir schon Gold gewünscht.“

Die Klippenspringerin, die sich seit Jahren mit den Männern misst, war auf dem Stahlgerüst neben den Segelyachten im Port Vell als Favoritin angetreten. Doch in ihrem ersten großen Wettkampf mit weiblicher Konkurrenz musste sie sich mit dem dritten Platz hinter den US-Amerikanerinnen Ceselie Carlton und Ginger Huber zufrieden geben. „Nach den ersten beiden Sprüngen sah es gut aus“, sagte Bader, die vor zwei Wochen auf der Weltserie noch das erste Frauenspringen gewonnen hatte. „Beim letzten habe am Ende ein bisschen überdreht.“

Die mehreren tausend Zuschauer auf den Tribünen, der Hafenmole und den Booten hatten den Atem angehalten, als Bader vor ihrem ersten Sprung in schwindelerregender Höhe in den Handstand ging. Zwei Taucher begleiteten die Springerinnen unter Wasser, um bei Unfällen sofort eingreifen zu können. „Ich hoffe, dass es der Kickstart war und es bald eine Revanche gibt“, sagte Bader, die mit Fotos im Playboy auf sich aufmerksam gemacht hatte. Nun träumt sie von einer olympischen Zukunft: „Das wäre der Hammer.“

Bei den hochklassigen Finals gestern Abend mit dem Fabel-Weltrekord der 16-Jährigen Katie Ledecky (USA) über 1500 m Freistil (15:36,53 Minuten) als Höhepunkt waren die Deutschen nur Zuschauer. Ein Jahr nach der Olympia-Pleite droht das nächste historische Debakel: die schlechteste Ausbeute in der WM-Geschichte. Der neue Bundestrainer Henning Lambertz warf sein WM-Ziel schon über Bord und fühlte sich an London erinnert. „Die Parallelen kann man nicht von der Hand weisen“, sagte er. Der Anspruch, dass 70 Prozent seiner Athleten schneller schwimmen sollten als bei den deutschen Meisterschaften im April, ist schon nach drei Wettkampftagen völlig illusorisch.

Steffen Deibler und sonst gar nichts: Nach dem ersten medaillenlosen Olympia seit 80 Jahren hat sich bei den deutschen Beckenschwimmern nichts verändert. Das offizielle Ziel mit drei bis vier Medaillen ist längst fern jeglicher Realität. Selbst die bislang schlechteste WM-Bilanz – drei Bronzemedaillen 1973 in Belgrad – dürfte der DSV kaum erreichen.

Für Hendrik Feldwehr (Essen) über 50 m Brust, Alexandra Wenk (München) über 200 m Freistil, Martin Grodzki (Berlin) und Sören Meißner (Würzburg) über 800 m Freistil waren die Vorläufe Endstation gewesen. sid

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