RALPH HASENHÜTTL WIRD AUCH SCHON 50

Ein alter Trainer

Günter KleinSie erreichen den Autor unterGuenter.Klein@ovb.net
+
Günter KleinSie erreichen den Autor unterGuenter.Klein@ovb.net

Die Fußball-Bundesliga ist voller junger Trainer – seit die Stellen alle besetzt sind, spricht man über die Generation derjenigen zwischen 30 und 39.

Nagelsmann, Tedesco, Nouri, Wolf, Schwarz, Baum. Jemanden vergessen? Der noch nicht so lange eine bekannte Nummer ist und deswegen frisch sein muss? Ach ja: Ralph Hasenhüttl vom Berufsjugendlichen-Klub Rasenballsport Leipzig, wo kein Spieler über 24 verpflichtet wird. Hasenhüttl ist immer noch blond und nicht grau, also gefühlt zwanzig Jahre jünger als Signore Ancelotti.

Doch wie alt ist Hasenhüttl tatsächlich? Festhalten! Er ist sehr alt. Er hat dem „Playboy“ ein Interview gegeben – was etwa Julian Nagelsmann nie machen würde, weil der mit dem Internet aufgewachsen ist und so etwas wie eine im obersten Regal an der Tanke versteckte Zeitschrift (aus Papier!) gar nicht kennt. Ralph Hasenhüttl wird heute 50.

Man kennt ihn so richtig erst seit zwei Jahren. Er führt das – sagt er im „Playboy“ – auf seine österreichische Herkunft zurück und dass man in Deutschland da unter dem Wahrnehmungsradar fliegt. Freilich hat er sich auch Zeit gelassen. Er war 48, als er in der höchsten Klasse auftauchte. Hasenhüttl hat bis ins Nouri-Baum-Wolf-Alter gespielt und dann seine Trainerkarriere durchdacht gestaltet: Nachwuchs, Co-Trainer 3. Liga, Cheftrainer 3. Liga, 2. Liga, Aufstieg. Und was hat er von seiner vernunftgesteuerten Gangart? Ist gerade erst ein kleines bisschen berühmt geworden, aber schon fast so alt wie Dieter Hecking, der für die „Old school“ steht wie kein anderer Bundesliga-Trainer.

Viel Zeit bleibt Hasenhüttl nicht mehr in seinem Job. Noch ein, zwei Jahre, dann muss er Meister sein. Sonst verliert Leipzig die Lust an ihm. Er hat sich aber der Ideologie des Firmenbetriebs so sehr verschrieben, dass er woanders keine Akzeptanz mehr finden wird – das ist die Gefahr.

Aber erst mal: Glückwunsch zum 50.! Wer heute ein Trainer in den Mittdreißigern ist, kann in 15 Jahren nur noch eine verblassende Erinnerung für die Rubrik „Was macht eigentlich. . .?“ sein. Vielleicht ist nicht mal Ex-Wunderkind Julian Nagelsmann mit 50 noch Trainer - weil er mit 35 alles gewonnen haben und danach lieber rote Mäntel designen wird.

Kommentare