VOR ZEHN JAHREN BEGEISTERTEN DIE DEUTSCHEN HANDBALLER DAS GANZE LAND UND HOLTEN SICH BEI DER HEIM-WM DEN TITEL

Als alle Heiner Brand waren

Könige mit Brand-Schnauzer: Die Weltmeister Klein, Kraus, Bitter, Fritz und Roggisch (v.l.) nach dem Triumph 2007. imago
+
Könige mit Brand-Schnauzer: Die Weltmeister Klein, Kraus, Bitter, Fritz und Roggisch (v.l.) nach dem Triumph 2007. imago

Von Eric Dobias. Frankfurt/Main – Wo seine Goldmedaille von der Handball-WM 2007 geblieben ist, weiß Heiner Brand nicht genau.

„Ich habe aber auch noch nicht speziell danach gesucht“, sagt der Weltmeistertrainer. An das Hochgefühl vor zehn Jahren kann sich der damalige Bundestrainer hingegen noch sehr gut erinnern. „Es herrschte eine enorme Begeisterung, die man gar nicht übersehen konnte. Das war unglaublich für Handball-Verhältnisse“, sagt Brand über das damals wahr gewordene Wintermärchen.

Als die DHB-Auswahl am 4. Februar jenes Jahres durch einen 29:24-Sieg im Endspiel der Heim-WM gegen Polen zum dritten Mal Weltmeister wurde, fieberten 16,17 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten mit. Diese Handball-Rekordquote ist bis heute unübertroffen – und wurde auch beim sensationellen EM-Triumph des deutschen Teams 2016 nicht geknackt.

Vor zehn Jahren strömten insgesamt 724 000 Fans bei der WM in die Hallen – auch dies ein Rekord. „2007 war schon etwas Besonderes, weil im Laufe der zweieinhalb Wochen eine Entwicklung stattfand, die man auch wahrgenommen hat“, beschreibt Brand die damalige Euphorie im Land.

Rückblende: Es begann stürmisch. Orkan „Kyrill“ fegte über Deutschland hinweg, als das DHB-Team mit einem 27:22 gegen Brasilien eher mau ins Turnier startete. Nach einem weiteren Pflichtsieg gegen Argentinien unterlag die Brand-Truppe Polen mit 25:27 und zog nur als Zweiter in die Hauptrunde ein.

„Die Vorrunde lief nicht so locker. Der Knackpunkt war das erste Hauptrundenspiel gegen Slowenien in Halle. Da hat die Mannschaft die Verkrampftheit abgelegt und zu einer Lockerheit gefunden, die im weiteren Turnierverlauf zu sehen war“, erzählt Brand. Die Gruppe wurde nach drei weiteren Erfolgen, darunter ein souveränes 29:26 gegen Frankreich, als Zweiter abgeschlossen und im Viertelfinale Spanien bezwungen.

Im Halbfinale folgte das spannendste und emotionalste Spiel der deutschen Mannschaft bei der Heim-WM – wieder gegen Europameister Frankreich. Vor der Partie hatte Brand seine Truppe beim Videostudium auf den Gegner eingestimmt. „Jeder erwartete eine DVD mit Spielszenen. Doch ich zeigte ein Video von der Ehrung von Michael Kraus als Bravo-Boy aus dem Jahr 2000“, berichtet Brand. „Alle haben herzhaft gelacht.“

Nach einem Krimi mit zweimaliger Verlängerung siegte die DHB-Auswahl mit 32:31. „Das war ein Höhepunkt der WM. Die Franzosen waren individuell sehr gut. Es war klar, dass wir sie nicht zweimal klar schlagen würden“, sagt Brand.

Das Finale brachte dann die Krönung des großen Traums. Torwart Henning Fritz, Regisseur Markus Baur, Rückkehrer Christian Schwarzer und Linksaußen Torsten Jansen, der eine wohl einmalige Turnier-Trefferquote von 90 Prozent aufwies, waren die Korsettstangen des Gold-Teams.

Unvergessen bleibt die Siegerehrung, zu der die Spieler mit Kronen und angeklebten Brand-Schnauzern erschienen. „Diese Mannschaft hat ein enormer Zusammenhalt ausgezeichnet. Viele Spieler haben auf ihrem Topniveau agiert“, lobt Brand die WM-Helden von damals.

In zwei Jahren, wenn Deutschland erneut WM-Gastgeber sein wird, hofft er auf eine ähnliche Euphorie wie 2007. „Die Hallen werden voll sein“, prophezeit Brand. „Aber natürlich müssen die Spiele im Fernsehen zu sehen sein. Der normale Sportfan muss den Zugang zum Handball finden. Dann wird eine große Begeisterung herrschen – natürlich immer in der Erwartung, dass es etwas Großes passiert.“ Vielleicht hat er bis dahin auch seine Goldmedaille wiedergefunden.

Kommentare