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In der ganzen Welt zu Hause

Freunde finden die Bruckmühler auf der ganzen Welt.
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Freunde finden die Bruckmühler auf der ganzen Welt.

"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen": Es gibt kaum jemanden, auf den dieser Spruch besser passt als auf Klaus Därr. Nur ist es so, dass der Bruckmühler nicht "bloß" eine Reise gemacht hat.

Seit Ende der 1960er-Jahre ist die Familie Därr eigentlich öfter unterwegs als daheim anzutreffen. Da kommt das Erzählen von ganz allein: Einige von Därrs verfassten Globetrotter-Reiseführern haben längst Kultstatus erreicht.

Bruckmühl - Eine Woche Hotel mit Liege am Strand und All-Inklusive-Verpflegung? Klaus Därr kann dieser Art Urlaub nichts abgewinnen. Auch sind Besichtigungen von "vor Jahrhunderten aufgetürmten Steinhaufen nicht meine Sache", sagt der 68-Jährige. Das war ihm schon klar, als er noch in München studierte. Schon damals "musste ein Fahrzeug her, um die Weiten der Wüsten, Steppen, Gebirge und Wälder zu erkunden". Seitdem hat er über 100 Länder auf fünf Kontinenten bereist.

Därrs erste selbstorganisierte Tour ins außereuropäische Ausland führte ihn mit zwei Freunden im Jahr 1969 in den Iran. Das Reisegefährt war schnell gefunden: "Überall in München standen VW-Kastenwägen zum Verkauf herum." 500 Mark umfasste die Reisekasse pro Kopf, 14000 Kilometer wurden in fünfeinhalb Wochen absolviert.

Därr wollte weiter. Mehr sehen. Ein Jahr später ging es mit einem Peugeot 404 in die Zentralsahara. 1974/75 war es ein Unimog - ersteigert von der bundeseigenen Verwertungsgesellschaft der Bundeswehr - der Därr und seine spätere Ehefrau Erika wieder in die Sahara brachte. 80 Liter Sprit fraß der fahrbare Untersatz in den Sanddünen. Die Därrs hatten trotzdem Spaß.

Finanziert wurden die Touren meist damit, dass der Bruckmühler seine Gefährte unterwegs verkaufte und sich ein billiges Flugticket in die Heimat organisierte: "Da hat man nie das große Geld verdient, aber immer spannende Reisen gemacht", sagt er.

Allerdings waren die "Urlaube" nie ganz einfach. Lediglich der ADAC hatte in den 70er-Jahren einige Schriften für Afrika-Touren herausgebracht. Globetrotter waren aufgeschmissen und mussten sich ihren Weg selbst suchen. Ein Umstand, dem Klaus Därr mit Pioniergeist den Kampf ansagte. 1975 tippte er das Büchlein "TransSahara" auf der Schreibmaschine. Das Heft sollte das erste in der Reihe der "Globetrotter-Reiseführer" werden. Den Versand übernahm er kurzerhand auch noch selbst. Ein Jahr später war klar, dass die Därrs auch beruflich aufs Reisen setzen wollten. Sie eröffneten 1976 den ersten Reiseausrüstungsladen im deutschsprachigen Raum.

Doch weder die Geschäfts- noch die Familiengründung hielt das Ehepaar davon ab, immer mehr von der Welt zu sehen. Tochter Astrid wurde 1977 geboren: "Bei ihrer ersten Tour war sie ein Jahr alt", sagt Klaus Därr. In seinem Buch "Irgendwann erwischt's dich dann", das vor ein paar Wochen erschienen ist (wir berichteten), erinnert er sich noch gut an den ersten "Familienausflug": "Wir sind glücklich. Die Ambition zu reisen verschwindet aber nicht". Mit dem Land-Rover ging es durch Ägypten und den Sudan nach Kenia. "Unser Dachgepäckträger war zu einem Drittel mit Windeln beladen", sagt der Bruckmühler.

Infiziert mit

dem Reisevirus

Noch mehr Gepäck brauchten die Därrs dann, als Sohn René (heute 33) geboren wurde. Auch er lag noch in den Windeln, als es nach Algerien und Niger ging.

Wahrscheinlich haben sich die Därr-Kinder schon damals mit dem Reisevirus infiziert. Tochter Astrid arbeitet heute als Reisejournalistin. Sie verfasst auch gemeinsam mit ihrer Mutter Reiseführer. Einen Landcruiser hat Astrid Därr immer in Südafrika geparkt - für den Fall der Fälle.

Sesshaft werden? Für Klaus Därr kein Thema: "Je mehr man reist, desto mehr stellt man fest, was man noch unbedingt sehen müsste", sagt er. Davon halten ihn auch einige brenzlige Situationen nicht ab, in die er im Laufe der Jahrzehnte geriet.

Etwa im Herbst 1999. Gemeinsam mit Sadok Kechicheb aus Rosenheim stellte Därr das Projekt auf die Beine, organisierte Globetrotter-Reisen anzubieten. Mit Geländefahrzeugen ging es in die Sahara - und der Trupp wurde ausgeraubt. Mit der Kalaschnikow wurde die Gruppe bedroht, während die Banditen damit begannen, den Sprit aus den Fahrzeugen abzuzapfen und die Wertgegenstände an sich zu nehmen. Därrs Truppe überstand den Überfall geschockt, aber unbeschadet. "In Quadane waren alle - auch die Gendarmerie - hilfsbereit. Wir wurden zunächst in Strohhütten versorgt, dann ging es auf Staatskosten in ein Hotel in Atar." Solch ein Überfall sei ",kein Spielfilm mit Aufklärung und Happy-End", sagt Därr. Er konnte herausfinden, dass die Überfälle in den Folgejahren in dem Gebiet immer gewalttätiger wurden. Verantwortlich war eine Gruppe um den Terroristen Mokhar ben Mokhar - für die Salafisten.

Vier organisierte Touren haben die Därrs insgesamt angeboten. "Zweimal wurden wir ausgeraubt, einmal liefen wir Rebellen in die Hände - das konnte man nicht mehr verantworten", sagt Därr. Deshalb wurde das Projekt im Jahr 2000 gestoppt.

"Versuchen, die

Grenzen auszutesten"

Ruhig geht es im Leben des Paares seitdem keineswegs zu. 2003 etwa brachen die Därrs zu einer Weltreise auf, die fünfeinhalb Jahre dauern sollte. "Wir versuchen immer die Grenzen auszutesten", sagt der Globetrotter. Das gilt auch heute noch für die Fahrzeuge. In seinem Besitz befindet sich ein "Weltreisemobil", das mit einem normalen Wohnwagen nichts zu tun hat. Basis des Gefährts ist ein MAN-Zehntonner - natürlich mit Allrad.

Wo die Reise der Därrs noch hingeht, ist unklar. Fakt ist aber, dass sie vom 25. bis 27. September in Franken sein werden. Am Brombachsee organisiert Klaus Därr dann ein Globetrotter-Treffen.

Thema sein werden dann vielleicht auch Därrs Erlebnisse mit den illegalen Diamantenschürfern in Zentralafrika oder den Panzerminen, die er einst am Pistenrand entdeckte. Eins ist für ihn indes ganz klar: "Es gibt nur einen Mittelpunkt der Erde - und der ist 6370 Kilometer unter uns allen."

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