Zwei Männer vor Gericht

Zwischen Haag und Winden: Illegales Autorennen oder rasante Fahrt zum Bäcker?

Maximal 100 km/h dürfen auf der Gemeindestraße zwischen Winden und Haag gefahren werden: Nach Ansicht der Zeugin waren die Angeklagten im Oktober vergangenen Jahres deutlich schneller unterwegs.
+
Maximal 100 km/h dürfen auf der Gemeindestraße zwischen Winden und Haag gefahren werden: Nach Ansicht der Zeugin waren die Angeklagten im Oktober vergangenen Jahres deutlich schneller unterwegs.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
    schließen

Sie rasten in ihren BMW‘s von Winden nach Haag und zurück: Nun müssen sich zwei Männer kosovarischer Herkunft vor dem Amtsgericht Mühldorf für ihre Spritztour im Oktober vergangenen Jahres verantworten.

Mühldorf/Haag – Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Es habe sich um ein illegales Autorennen gehandelt. Ein Urteil fiel am ersten Verhandlungstag noch nicht.

Dass der Geschwindigkeitsrausch des 25-Jährigen aus Haag und des 32-Jährigen aus Ottobrunn überhaupt vor Gericht landete, ist einer couragierten Zeugin zu verdanken. Die 49-jährige Lehrerin aus Haag war im Oktober vergangenen Jahres an einem Sonntagmittag zum Laufen gegangen. Die Freizeitsportlerin war gerade zwischen Haag und Winden unterwegs, als sie die beiden Fahrzeuge – einen 5er BMW und einen BMW X5 – nebeneinander auf der Gemeindestraße auf Höhe des Schletter-Geländes stehen sah. Die Straße ist an dieser Stelle etwa 600 Meter lang, gerade und übersichtlich.

Sie habe zwei junge Männer am Lenkrad erkannt, gab die Zeugin vor Gericht zu Protokoll. Zunächst dachte die Zeugin, der eine Fahrer würde den anderen nach dem Weg fragen – und lief weiter. Kurz darauf hörte sie mehrmaliges Hupen, dann rauschten die beiden Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit an ihr in Richtung Winden vorbei. Dort kehrten sie um und rasten in Richtung Haag zurück, beide Autos fuhren nach Angaben der Frau weiterhin gleichzeitig nebeneinander, kein Fahrzeug konnte das andere überholen.

Couragierte Zeugin fotografiert

Spontan holte die Läuferin ihr Mobiltelefon aus der Tasche, schoss ein Foto und brachte den Vorfall bei der Polizeiinspektion Haag zur Anzeige. Nachdem die Polizei den Fall untersucht hatte, erging gegen die beiden Männer ein Strafbefehl, gegen den diese Widerspruch einlegten.

Die Rechtsbeistände der beiden Angeklagten, Florian Schmidtke und Thorsten Ebermann, gaben zu Protokoll, dass sich ihre Mandanten nicht zur Anklage äußern wollten. So wurde als erster Zeuge der Haager Polizeibeamte gehört, der die Anzeige aufgenommen und bearbeitet hatte. Mit Hilfe des Handyfotos sei das Kennzeichens eines Fahrzeughalters ermittelt worden: der Vater des 25-jährigen Haagers. Der Angeklagte räumte ein, mit dem 32-jährigen Gärtner bekannt zu sein. Sie seien an dem besagten Tag in eine Bäckerei in Haag zum Einkaufen gefahren. Bei der Verabschiedung habe er sich neben das Auto seines Bekannten gestellt und gehupt. Von einem illegalen Autorennen könne keine Rede sein.

Dieser Aussage steht die Schilderung der Joggerin gegenüber. Beide Autos seien mit überhöhter Geschwindigkeit – „auf jeden Fall höher als die erlaubten 100 Stundenkilometer – unterwegs gewesen und nebeneinander gefahren. Immerhin: Die beiden Fahrer hätten einander nicht bedrängt oder gar versucht, den anderen von der Straße zu drängen. Zum Glück, so die Zeugin, sei auf der Straße kein weiterer Verkehr gewesen.

Lob für das Verhalten der Zeugin

Richter Jürgen Branz lobte das mutige Verhalten der Zeugin: „Sie haben durch Ihr Verhalten Courage gezeigt. Chapeau!“

Der weitere Verlauf der Verhandlung gestaltete sich schwierig. Die beiden Verteidiger hinterfragten die Aussage der Zeugin. Unter anderem ging es um die exakte Geschwindigkeit der Autos. Diese könne sie nicht angeben, sagte die Frau. „Ich bin kein Tachometer.“ Dennoch ließ sich die Zeugin nicht beirren. Es habe sich zweifellos um ein Rennen gehandelt, wenn zwei Autos in derartiger Weise nebeneinander herrasten.

Mehr zum Thema:

Zahl illegaler Autorennen steigt

Illegales Autorennen in Innenstadt? Mercedes und BMW geben Gas - mit bitteren Folgen

Richter Jürgen Branz gab den Angeklagten zu bedenken, dass die Rechtssprechung in Sachen Illegaler Straßenrennen zuletzt verschärft worden sei: Es genüge ein frei vereinbarter Konkurrenzkampf mit zwei Kraftfahrzeugen, selbst wenn es sich „nur“ um die ersten 100 Meter der Beschleunigung handle.

Erfolgloses Rechtsgespräch

Rechtsanwalt Ebermann regte ein Rechtsgespräch an, dessen Ergebnis Jürgen Branz anschließend mitteilte: Im Falle eines Geständnisses würden die beiden Beschuldigten mit Geldstrafen davonkommen, die Höhe der Tagessätze sei noch zu diskutieren. Weil es sich bei dem Vorfall um ein atypisches Rennen gehandelt habe, kämen grundsätzlich Fahrverbote zwischen einem und drei Monaten in Betracht. Der Vermittlungsversuch scheiterte am fehlenden Einverständnis der Staatsanwaltschaft.

Die Verhandlung am Amtsgericht Mühldorf wird voraussichtlich Mitte Oktober fortgesetzt.

Kommentare