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Gewaltverbrechen in Mühldorf am Inn: Eine Person tot – mutmaßlicher Täter festgenommen

Drama vor Wohnhaus in der Nacht auf Montag

Gewaltverbrechen in Mühldorf am Inn: Eine Person tot – mutmaßlicher Täter festgenommen

Mühldorf am Inn – Großeinsatz der Polizei am Sonntagabend (14. August) in Mühldorf: Eine Person …
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Luftschlacht am 19. Juli 1944 über der Region

Im Rotter Forst das Leben verloren – Das hat ein Lehrer über den Flugzeug-Absturz herausgefunden

Gruppenbild am Gedenkkreuz: (von links) der Initiator der Kreuzes, Wolfgang Matschke, der Lehrer Fortunat Fischbacher und das Ehepaar Monika und Gerhard Reppel, das die Andachtsstätte ihres Verwandten besuchte.
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Gruppenbild am Gedenkkreuz: (von links) der Initiator der Kreuzes, Wolfgang Matschke, der Lehrer Fortunat Fischbacher und das Ehepaar Monika und Gerhard Reppel, das die Andachtsstätte ihres Verwandten besuchte.

Geblieben ist ein Gedenkkreuz und ein kleiner Krater: Im Juli 1944 hat Georg Reppel beim Absturz seines Flugzeugs im Rotter Forst sein Leben verloren. Realschullehrer Fortunat Fischbacher ist den Ereignissen auf den Grund gegangen – und auf eine weitere tragische Episode des 2. Weltkriegs gestoßen.

von Thomas Stelzer

Rott – Seit 2009 treffen sich Bürger aus Rott jedes Jahr im Mai zu einer Andacht. Treffpunkt ist ein Gedenkkreuz tief im Rotter Forst, dort wo sich zwei kerzengerade Kieswege, die „Max-“ und Nagelbrecher-Linie“, treffen. Grund der Zusammenkunft ist ein abgestürzter Flieger: Der Pilot Georg Reppel kam 1944 mit seiner „Focke-Wulf 190“ bei einer Bruchlandung ums Leben. Dass man überhaupt von ihm weiß, ist der akribische Forschungsarbeit eines Realschullehrer aus Rott zu verdanken: Fortunat Fischbacher hatte von einem Birkenkreuz mitten im Wald gehört. Ein Förster hatte es schon 2009 aufgestellt. Ein kleiner, manchmal mit Regenwasser gefüllter Krater zeugte vom Absturz.

Unglück aus der Ferne miterlebt

„Mein Großvater hatte als Jugendlicher den Absturz im Rotter Forst aus der Ferne miterlebt und mir davon erzählt“, sagt der Lehrer. Er wollte mehr darüber wissen: Was hat sich im Herbst 1944 hier zugetragen? Warum ist das Militärflugzeug hier abgestürzt? Und vor allem: Wer war Georg Reppel? Der Förster Wolfgang Matschke, der das Gedenkkreuz aufgestellt hatte, lieferte erste Informationen.

Aber Fischbacher nahm sich vor, diesem fast vergessenen Soldaten „ein Gesicht“ zu geben. Der Lehrer durchforstete Geschwaderbücher, Verlustlisten, Abschuss- und Absturzberichte und Aufzeichnungen der US Airforce. „Durch Zufall stieß ich schließlich in einem sozialen Netzwerk auf einen Namensvetter Reppels, der in der Ahnenforschung aktiv ist und für mich den, in der Original-Verlustanzeige unleserlichen, Heimatort sowie den familiären Hintergrund Reppels klären konnte“, berichtet er.

Sogar Nachkommen fand er. So wurde klar, dass Georg Reppel aus Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen, stammte. Er kam am 19. August 1919 in Weidenhausen auf die Welt und starb am 19. Juli 1944. Fischbacher schickte Briefe an mehrere vermeintliche Familien und bekam prompt eine Antwort – von Gerhard Reppel, dem Neffen des Piloten. Von ihm erhielt er weitere Dokumente: Flugbücher, Einberufungspapiere, Ordensurkunden, auch ein Führerschein mit dem Foto Georg Reppels war dabei.

Nach und nach verdichtete sich das Bild: Georg Reppel war offenbar ein begabter Flugschüler und begann bereits in der Hitlerjugend Segelflugzeuge zu steuern. Ab 1940 war er in der Flugzeugführerschule und wurde selbst am 14. November 1942 zum Fluglehrer ernannt. Als Feldwebel kam Reppel 1944 zum Kampfeinsatz im Jagdbombergeschwader (JG) 110. Später wurde er im JG 300 nach Holzkirchen verlegt. Er flog eine „Focke-Wulf 190“. In einem seiner ersten Einsätze gelang dem Kampfpiloten der Abschuss einer viermotorigen „Consolidated B-24 Liberator“ der 15. US-Air-Force in etwa 6000 Meter Höhe über Österreich. Dafür wurde Reppel mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse ausgezeichnet.

Der getötete Pilot Georg Reppel war mit einer „Focke- Wulf 190“ unterwegs, als er abstürzte. Repro: Stelzer

Einsätze gegen amerikanische Bomber

Seine Einheit flog Einsätze nicht nur gegen die amerikanischen Bomber, die aus England kamen, sondern auch gegen die mächtigen Bomberstaffeln mit ihrem Begleitschutz aus Italien. Am 19. Juli 1944 musste Reppels Einheit gegen die zweite Bomberwelle an diesem Tag aufsteigen. Es waren im Grunde sinnlose Einsätze, denn die Amerikaner waren mit ihren 500 Bombern und 300 Begleitjägern den paar übrig gebliebenen deutschen Kampffliegern weit überlegen. Es kam zu einem Gefecht, das das letzte des knapp 25-jährigen Feldwebels werden sollte.

Reppel und sein amerikanischer Gegner beschossen sich über dem Rotter Forst gegenseitig und stürzten aus über 5000 Metern Höhe und mit etwa 600 km/h ab. Der Deutsche versuchte anscheinend noch mit seinem Fallschirm abzuspringen, dies gelang aber nicht. So schlug seine Maschine mit ihm an Bord auf dem Waldboden auf. Laut Augenzeugen hing der Fallschirm in den Bäumen, es brannten überall Teile des Wracks und eine hohe Rauchsäule stand am Himmel. Dies sahen auch zwei junge Burschen im drei Kilometer westlich gelegenen Lampferding. Der „Schuster-Hausl“ und der „Kariader-Hans“ liefen gleich am nächsten Tag zur Absturzstelle. Heute noch ist am Stadl des Schuster ein kleines Schild von der Focke-Wulf 190 angebracht.

Die Absturzstelle muss damals fast zu einer schaurigen Attraktion geworden sein. Viele Leute aus der Gegend kamen in den Forst, nahmen kleine Metallteile der Flugzeughülle mit, die teils in einem Umkreis von 50 Metern umher lagen.

Der amerikanische P-38 „Lightning“-Jagdflieger, den Georg Reppel beschossen hatte, ging nach derzeitigen Kenntnisstand von Fortunat Fischbacher einige Kilometer entfernt bei Tattenhausen nieder. Auch dieser Pilot kam ums Leben. Es handelte sich wahrscheinlich um den damals 21-jährigen Second Lieutnant Donald Jack Van Gelder aus dem US-Bundesstaat Washington. Über den Verbleib der Maschine ist zur Zeit noch nichts bekannt – aber Fischbacher will weiter forschen.

Eltern verlieren vier ihrer fünf Söhne

Die übrigen Wrackteile des deutschen Flugzeugs wurden später von der Luftwaffe geborgen. Für die deutsche Kriegsindustrie waren die Teile noch verwertbar. Die sterblichen Überreste des Feldwebels Georg Reppel kamen in einem versiegelten Sarg in seine Heimat und wurden in einem Ehrengrab beigesetzt. Für seinen letzten Einsatz erhielt Reppel posthum das Eiserne Kreuz erster Klasse – wohl kaum ein Trost für die Eltern, die in diesem Krieg vier ihrer fünf Söhne verloren.

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