Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Zweifel wurden nicht beseitigt

Bürgermeisterin Annemarie Haslberger hatte Roland Radler und Dr. Carolina Herr (von rechts) eingeladen.
+
Bürgermeisterin Annemarie Haslberger hatte Roland Radler und Dr. Carolina Herr (von rechts) eingeladen.

Nach den Kritikern kamen jetzt in Reichertsheim auch die Antragsteller für die Sendestation des BOS-Digitalfunks zu Wort. Dabei blieben die Positionen teilweise ohne Annäherung.

Reichertsheim/Tiefenstätt - Ist der BOS-Digitalfunk gesundheitsschädlich oder nicht? Antworten auf wesentliche Fragen lieferte die "offizielle" Informationsveranstaltung mit Behördenvertretern im Gasthaus Baumgartner in Tiefenstätt nicht.

Vor zwei Wochen hatte eine private Initiative den Funktechniker Ulrich Weiner eingeladen, der digitalem Funk sehr kritisch gegenübersteht und den aktuellen Tetrafunk für veraltet hält.

Diesmal war der Saal annähernd voll besetzt. Gleich nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Annemarie Haslberger und einer kurzen Einleitung von Roland Radler vom Innenministerium prasselten fast drei Stunden lang ununterbrochen Fragen zur Technik, der Finanzierung allgemein und im Detail, zum analogen Funk, zu Ausfallsicherheit und Laufzeit, zur Schweigepflicht bei Senderstandorten, zur Wertminderung der Grundstücke nach vorne. Dort saßen außer Radler die Ärztin Carolina Herr vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und ein Vertreter der Firma Telent. Sie ist rein für die Standorte der Funkmasten zuständig und werde in zwei Jahren die Arbeit beendet haben, erklärte Radler.

Für 2013 sei die Inbetriebnahme des neuen Funknetzes geplant. Dann belegte er mit Zahlen, dass dieser Funk weit weniger Strahlenbelastung verursache, als gesetzlich erlaubt sei. Selbst unter den "vielzitierten Schweizer Richtlinien, obwohl nicht vergleichbar", liege man.

Trotzdem blieben auch nach dem gegenseitigen Zitieren etlicher Studien zentrale Fragen offen, nämlich ob dieser Tetrafunk nun gesundheitsschädlich ist oder nicht. Wenn ja, sind dann Kinder mehr gefährdet? Der Tetrafunk gehe erst in Betrieb, es gebe noch keine Untersuchung, man würde aber darauf achten, "was in 20 Jahen ist, kann ich nicht sagen", bedauerte der Vertreter des Innenministeriums. Studien aus anderen Ländern seien nicht zu verwerten.

"Dann sind wir also die Versuchskaninchen", stellten gleich mehrere Besucher fest. Das sei in den Auswirkungen vergleichbar mit dem Mobilfunk, außerdem hätten über 100 Länder das auch, meinte Radler. Die Frage der Haftung, falls es doch zu Strahlenschäden komme, könne er auch nicht beantworten, "da wird es bestimmt eine Regelung geben".

Es möge auch bessere Varianten dieses Funks geben, meinte er. Der sei aber nunmal bundesweit so beschlossen, "wir weden die Entscheidung nicht umkippen". Das bedeute, dass eine gemeindliche Ablehnung von oben her ersetzt würde.

Mit der anfänglichen Geheimhaltung der Standorte, räumte Radler ein, habe man "einen Fehler gemacht, dafür möchte ich mich entschuldigen". Den Gemeinden stehe es nun frei, ob sie die Standorte nennen. Die nächsten Sendemasten wollte er aber trotzdem nicht verraten, "dazu bin ich nicht autorisiert".

Funktechniker Weiner, eine Hebamme und viele andere Fragesteller konnten nicht glauben, dass Mobilfunkstrahlung besonders auf Kinder keine gesundheitlichen Auswirkungen habe. "Nein, dafür gibt es keinen Anhalt", oder "das lässt sich nicht verallgemeinern und nicht nachweisen", waren die meist gesprochenen Sätze der Ärztin Dr. Carolina Herr. In den Schulen habe man auch nur deshalb auf den Einsatz eines Funknetzwerkes verzichtet, weil "es mit Kabel einfacher ist, meist ist da eh schon was da", meinte sie unter starkem Gelächter.

Dabei schoss Weiner übers Ziel hinaus, als er sie anherrschte und ihr "Lüge" vorwarf. Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz rate zu vorsichtigem Umgang mit dem Handy speziell bei Kindern, wusste er, wie könne sie so etwas sagen.

Ungeklärt blieb auch die Frage, ob der digitale Funk nun Auswirkungen auf den nahen Hochbehälter bei Pfeilstätt habe: Das Trinkwasser dort bekomme immerhin die höchste Energiemenge des Senders ab. Der Nachbar des geplanten Senders bot dem Vertreter des Innenministeriums einen Streifen seines Grundes an, "den schenke ich Ihnen", wenn er dort selbst wohne.

Roland Radler war ein Glücksgriff für die Moderation dieser Veranstaltung. Er versuchte ernsthaft, die Motivation hinter jeder Äußerung zu finden: "Wir haben zwar keinen Kommunismus, aber ich weiß, was Sie damit ausdrücken wollen". Er selbst habe mit einer Antenne kein Problem: "Ich habe in meiner Nachbarschaft in München gleich mehrere. Viel schlimmer ist das Handy direkt am Ohr." kg

Kommentare