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MUNDART-POP MIT LOOPSTATION

Zwei Wasserburger „Briada“ machen frischen musikalischen Wind

Starten mit dem Projekt „Briada“ durch: Chris und Male Scheitzeneder, die schon ihr Leben lang Musik machen. Mit ihrer bekannten Coverband Band „Born Wild“ feierten sie vor zwei Jahren 20-jähriges Jubiläum in Unterreit. Jetzt steht die eigene Kreativität im Vordergrund. Im bürgerlichen Leben sind beide Wirtschaft- und Mathelehrer.
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Starten mit dem Projekt „Briada“ durch: Chris und Male Scheitzeneder, die schon ihr Leben lang Musik machen. Mit ihrer bekannten Coverband Band „Born Wild“ feierten sie vor zwei Jahren 20-jähriges Jubiläum in Unterreit. Jetzt steht die eigene Kreativität im Vordergrund. Im bürgerlichen Leben sind beide Wirtschaft- und Mathelehrer.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Zwei, die wissen, was sie wollen, sind die Brüder Chris und Male Scheitzeneder. In der Region kennt man die gebürtigen Wasserburger als Teil der Coverband „Born Wild“ aus Unterreit. Nun starten sie als Duo mit dem Mundart-Projekt „Briada“ durch.

Wasserburg – „Neuanfang“ heißt ihre Single, die am 9. April auf den Markt kommt.

Mit „Born Wild“ feierten sie vor zwei Jahren 20-jähriges Jubiläum und parallel betreiben sie noch die Band „Easy Mode“. Doch der Fokus liegt nun klar auf „Briada“.

La BrassBanda gab den Anstoß

Warum La BrassBanda bei ihren Entwicklungsschritten eine Rolle spielte und wie die zwei, die beide als Wirtschaft- und Mathelehrer arbeiten, sich ergänzen, erzählen sie der Wasserburger Zeitung exklusiv in einer Zoom-Konferenz.

Verstehen sich gut: Male (links) und Chris Scheitzender.

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Kein Diktakt von einem Plattenlabel

Die Jungs, die in Stadl bei Unterreit aufgewachsen sind, haben ihren eigenen Kopf und wollen sich von keinem Plattenlabel diktieren lassen, wie ihre Musik zu klingen hat, damit sie verkauft werden kann. „Wir wollen Musik machen, aber keine Marionetten sein“, sind sich die beiden einig.

„Wir wollen unser eigenes kreatives Ding machen“

Wenn es nur noch darum geht, dass man als Künstler seine Rechte abtritt, dass ein Produzent im Hintergrund die Fäden zieht und man am Ende nur noch Retorten-Songs singt, dann ist das nichts für Chris (35) und Male (33). „Wenn du das performst, was dir ein Songwriter geschrieben hat, bist ja wieder nur Coversänger – das wollen wir nicht mehr. Wir wollen unser eigenes kreatives Ding machen“, erklärt Male, der eigentlich Mathias heißt. Mit dem Label Südpolmusic in München haben sie den idealen Partner gefunden, wie sie sagen.

Als Brüder zusammengerauft

Zwei Brüder, die dieselbe Leidenschaft teilen und zusammen an einer CD arbeiten – wie schwierig ist das wirklich? Die beiden grinsen. „Klar, man kriegt sich mal in die Haare, aber geprügelt haben wir uns noch nie“, sagt Chris auf Nachfrage. Er lebt inzwischen in Amerang mit seiner kleinen Familie und ist aus dem Wohnzimmer zugeschaltet. Im Hintergrund hängen Fotos, die zeigen, dass er stolzer Papa ist. Als Lehrer arbeitet er an der FOS in Rosenheim.

Erst Freibier, dann Live-Auftritt

Sein jüngerer Bruder lebt in München und unterrichtet an der Realschule in Aschheim. Er ist der Diplomatischere von beiden, Chris redet, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Die beiden haben sich über Jahre eine Rollenverteilung erarbeitet, oder besser gesagt erstritten. „Der Male ist der musikalische Freak, ein detailverliebter Tüftler, der sich um die Veredelung kümmert. Ich dagegen nehme quasi zwischen Saunagang und Autofahren meine Textmemos aus. Oder notiere mir Zeilen, die sich dann entwickeln“, sagt Chris. Er schreibt die Liedtexte, die beide singen. Das muss behagen, denn jeder Part des Duos soll sich wiederfinden und zu hundert Prozent hinter den Songs, die ja sehr Privates preisgeben, stehen.

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Das funktioniert auch deswegen so gut, weil es „echte Geschichten“ sind, die sie erlebt haben. „Manchmal hab ich fast das Gefühl, dass der Chris den ein oder anderen Text mir auf den Leib geschrieben hat, weil es so gut passt“, sagt der 33-Jährige.

Dass sie heute eigene Songs produzieren, dazu hat indirekt La BrassBanda beigetragen. Mit „Born Wild“ nahmen sie 2013 bei einem Wettbewerb teil, den La BrassBanda zum zehnjährigen Jubiläum veranstaltet hatte. Es galt, eine Coverversion von „Nackert“ zu erstellen. „Wir haben gewonnen und 250 Liter Freibier gewonnen. Ich hab dann mit Stefan Dettl telefoniert und ihm gesagt, dass wir das Bier bei einer unserer Benefizveranstaltungen unter die Leute bringen und mit ihnen verfeiern“, erinnert sich Chris. Das gefiel Dettl und im Laufe des Gesprächs erhöhte er mehrfach die Freibiermenge – am Ende stiftete er 1000 Liter. Er fragte, „Macht ihr auch eigene Musik?“ und lud die Jungs ein, beim La BrassBanda-Jubiläum in Stein an der Traun, als Vorband aufzutreten.

Startschuss für Eigenkompositionen

„Wir durften 45 Minuten unsere eigene Musik spielen. Für diesen Termin haben wir angefangen, selbst Stücke zu komponieren und sind auf den Geschmack gekommen“, sagt Chris Scheitzeneder.

Auch nach diesem Abend blieben sie am Ball und starteten das Songwriting zunächst zu viert. Doch nebenher zum Referendariat sei das nicht gut umsetzbar gewesen. „Und wir sind ja auch nicht die Unkompliziertesten“, sagt Male lachend. So blieben nur er und sein Bruder übrig. Die zwei entwickelten einen ganz eigenen Stil: lässigen Mundart-Pop ohne Klischees. Ihren Gesang ergänzen sie mit einer Loopstation und können so technisch wiederkehrende Elemente einbauen. „Das finden wir ziemlich geil und können uns daran bedienen, was unser eigener Sound hergibt“, erklärt Male.

Neuanfang auf musikalische Art

„Es soll fett sein, schieben, nach vorne gehen, ohne dass man viele Instrumente einsetzen muss“, ergänzt sein Bruder. Zudem wollten sie zeigen, dass man mit bairischer Mundart moderne Musik machen könne, ohne dass man Lederhosen und Bläser auf der Bühne brauche und ohne dass es „belchert oder plump“ wirke, erklärt Male.

Starten als „Briada“ musikalisch durch: Chris (links) und Male Scheitzeneder.

Coldplay im Sinn

Den Brüdern geht es darum, dass das „Briada“-Projekt ein „Flow-Erlegnis“ wird, ohne dass man zu viel Zeit verdiskutiert, wie oft in größeren Bands der Fall. Und, dass man sich selbst treu bleibt. Froh seien sie darüber, dass sie die prägenden Erfahrungen mit der Plattenindustrie schon hinter sich haben. So kämen sie heute nicht in die Verlegenheit, Verträge zu unterschreiben, die sie unglücklich machen. In „Neuanfang“ geht es nicht zuletzt darum, dass Chris und Male musikalisch bei sich selbst angekommen sind. Dabei denken sie eher an Coldplay oder Malik Harris, statt an alte bayerische Helden.

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Selbstkritik und Lebenserfahrung

Chris Scheitzeneder (35) war im Studium ein „ehrgeiziger Freak“, wie er sagt. Er hatte ein Stipendium, absolvierte sein Studium mit Bestnoten, gab nebenher sehr viele Stunden Gitarrenunterricht und nahm praktisch nicht am Studentenleben teil. „Das war purer Stress, dauernd ein voller Zeitplan. Ich wollte immer gut sein – und wurde mir selbst nicht mehr gerecht.“ Ständig arbeite man sich für andere auf, für die Anerkennung oder den guten Job.

„Blöd studiert trifft es wohl ziemlich gut. Ich hab erst nach fünf Jahren Studium gemerkt, dass man so nicht glücklich wird“, sagt der junge Vater.

„Funktion statt Emotion – das macht doch echt keinen Sinn. Das tausch ich nicht erst, wenn ich 60 bin“, lautet eine Zeile aus dem Song „Ja-Sager“. Chris sagt selbstkritisch, als junger Mensch lebe man Werte, die nicht zu einem passen. Sein Bruder Male nickt. „Die Gesellschaft ist so leistungsgetrieben, ohne Master bist nix wert.“ Dabei seien viele junge Leute sehr viel glücklicher, wenn sie beispielsweise ein Handwerk erlernten.

Als Chris erfuhr, dass er Papa wird, schrieb er seine Gedanken auf, die er auch zu Texten verarbeitete. Am Ende kam die Botschaft an seinen Sohn raus: „Dich schickt der Himmel“.

Male erzählt, er habe neben Wirtschaft und Mathe auch noch Musik studiert. „Das war ein Fehler. Das ist sehr anstrengend zu unterrichten. Und schwierig, wenn du eine Leidenschaft für etwas hast und deine Schüler nicht.“ Sein Bruder fankerlt ihn an: „Des wird‘ scho an deinem Unterricht liegen.“ Beide lachen.

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