Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


AUS DEM GERICHTSSAAL

Zwei Frauen vergewaltigt und verletzt?

Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Dr. Vincent Burgert.  Birkhof
+
Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Dr. Vincent Burgert. Birkhof

Vergewaltigung und Körperverletzung an zwei Frauen (21 und 20 Jahre alt), die er in einem Chatforum kennengelernt hatte, liegen einem 33-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Traunstein vor dem Landgericht Traunstein zur Last. Vor der Zweiten Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Veronika Ritz. Der Prozess wird am 29. Januar sowie am 5. und 9. Februar jeweils um 9 Uhr fortgeführt.

Traunstein – Die Verteidiger brachten zum Prozessauftakt einen von ihnen beauftragten Privatgutachter mit. Nach Worten von Dr. Thomas Schwarz feierte der 33-Jährige Mitte Juni 2017 kurz vor seinem Umzug zu seiner Verlobten in die Schweiz einen verlängerten Junggesellenabschied – auch mit „einigen Nasen Kokain“. Schwarz zitierte aus Gesprächen mit dem Angeklagten: „Sex ist ein wesentlicher Teil seiner Lebensgestaltung.“ Ihm gegenüber habe der 33-Jährige von einvernehmlichem Sex mit beiden Nebenklägerinnen berichtet.

Laut Anklage fand der Angeklagte die späteren Opfer über die Dating-App „Lovoo“ am 15. beziehungsweise 17. Juni und verabredete sich mit ihnen kurzfristig über WhatsApp. Die erste Frau (21) holte er am 17. Juni nach Mitternacht mit dem Auto in Waldkraiburg ab. In seiner Wohnung kam es zu sexuellen Handlungen, mit denen die junge Frau anfangs einverstanden war. Bei seinen Schlägen und Bissen fing die 21-Jährige an zu schreien vor Schmerzen. Der Angeklagte soll einfach weitergemacht haben. Außerdem soll er das mutmaßliche Opfer auch mit einem T-Shirt gewürgt haben. Am Morgen soll er sich nochmals an der Frau vergangen und sie dabei wieder gebissen haben. Erst als die Zeugin nicht mehr zu schreien aufhörte, ließ er von ihr ab, heißt es in der Anklage. Die Frau trug große Blutergüsse und starke Schmerzen an Hals, Brüsten und Oberschenkeln davon.

Noch am gleichen Tag gegen Mittag traf sich der 33-Jährige mit der zweiten Geschädigten – angeblich, um in seiner Wohnung zu kochen und zusammen einen Film anzusehen. Nach dem Film duldete die Zeugin einen Kuss, wollte aber gemäß Anklageschrift nicht mehr. Der Angeklagte soll gegen ihren erklärten Willen weitergemacht und sie letztlich vergewaltigt haben. Diese Zeugin erlitt starke Schmerzen.

Die Frauen hatten am 18. Juni 2017 bei den Polizeiinspektionen Wasserburg und Mühldorf unabhängig voneinander Anzeige gegen den 33-Jährigen wegen Vergewaltigung erstattet. Eine Wohnungsdurchsuchung beim Angeklagten folgte, wie der polizeiliche Sachbearbeiter gestern schilderte. Er kannte den mutmaßlichen Täter bereits dienstlich – wegen früherer Ermittlungen in einem ähnlichen Fall, der aber später von der Staatsanwalt eingestellt wurde. Von Alkohol und Drogen zur Tatzeit sei ihm gegenüber keine Rede gewesen, betonte der Polizist.

Die zufällig im Sitzungssaal als Zuhörer anwesenden Vermieter wollte der Angeklagte gestern als Zeugen vernommen haben. Das Paar gab an, aus der besagten Wohnung nie etwas Ungewöhnliches gehört zu haben.

Die 21-jährige Nebenklägerin mit Opferanwalt Axel Reiter aus Mühldorf zur Seite war damals zum ersten Mal auf der Plattform, wie sie gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit schilderte. Der Angeklagte nannte sich „Hans im Glück“. Die Zeugin war an dem Abend erst mit Freundinnen aus. Der 33-Jährige holte sie hinterher mit dem Auto zu sich nach Hause. Dort entwickelte sich die Situation im Sinn der Anklage – einschließlich Schlägen, Bissen und Würgen mit dem T-Shirt.

Die Frau trug große Blutergüsse an Hals, Brüsten und Oberschenkeln davon und hatte starke Schmerzen

Als er sie heimfuhr, verlangte er nach Worten der Zeugin, sie solle den Chatverkehr löschen. Die 21-Jährige bemerkte an ihm nichts von Drogen- oder Alkoholkonsum, wie sie auf Fragen der Kammer meinte. Die körperlichen Beschwerden der Geschädigten klangen binnen zwei Wochen ab, nicht aber die psychischen Folgen. Übers Internet wolle sie keine Kontakte mehr, sie habe sich aus allen Foren abgemeldet, so die 21-Jährige. Die Verteidiger, Eva Maria Krötz und Dr. Vincent Burgert, beide aus München, versuchten, die Aussage der Zeugin in Zweifel zu ziehen – auch unter dem Aspekt, ob der Angeklagte habe erkennen können, dass sie etwas nicht wollte.

Der Prozess wurde am Montag durch viele Pausen unterbrochen. Eigentlich sollte auch noch die zweite Nebenklägerin in den Zeugenstand treten. Das war aber nicht mehr möglich. Der Grund: Landgerichtsarzt Fredi Watzlawik attestierte dem Angeklagten kurz nach 16 Uhr Verhandlungsunfähigkeit aufgrund von Bauchschmerzen. Die Kammer hört die 20-Jährige jetzt am Donnerstag um 9 Uhr.

Kommentare