Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Den Tod zulassen, wenn die Zeit gekommen ist

Der Abschied fällt schwer. Nicht nur Sterbenden, auch den trauernden Angehörigen hilft der Jakobus Hospizverein. Foto Heck

Möglichst vielen Menschen ein friedvolles Sterben zu ermöglichen, das hat sich der Jakobus Hospizverein Rosenheim zum Ziel gesetzt, der seit über zehn Jahren mit einer eigenen Außenstelle auch im Raum Wasserburg sehr engagiert ist.

Wasserburg - Einen würdigen Tod ohne Schmerzen, möglichst zu Hause, umgeben von vertrauten Personen - so wünscht sich wohl jedermann sein Ende. Maggie Herzog begleitet Sterbende und deren Angehörige schon seit vielen Jahren. Mitten in ihrer Wohnung steht das Hospiztelefon, das so rund um die Uhr besetzt ist. Herzog und ihre Kolleginnen haben immer ein offenes Ohr für die unterschiedlichsten Anliegen im Zusammenhang mit dem Tod: Es rufen Schwerkranke an, Menschen, die Fragen zur Patientenverfügung haben, Angehörige, die der Tod eines geliebten Menschen plötzlich und mit voller Wucht trifft. "Einmal rief mich eine Bäuerin an" erzählt Maggie Herzog. "Ihr Vater war gestorben. Und jetzt wusste sie nicht, wie sich sich verhalten soll. 'Sollen die Kinder den Opa jetzt noch einmal sehen?', fragte sie mich."

Nicht nur bei diesen akuten Problemen hilft der Hospizverein. Sterbebegleitung bedeutet gute palliativmedizinische und pflegerische Versorgung, vor allem aber respektvolle Zuwendung. Die vorrangigen Wünsche der Sterbenden sind dabei, nicht alleine gelassen zu werden, sondern sich geborgen zu fühlen, frei von Schmerzen zu sein, unerledigte Dinge geregelt zu wissen und in Ruhe Abschied nehmen zu können.

Sie begleiten Sterbende: das Wasserburger Hospizteam.

Hospizhelfer führen keine Pflegemaßnahmen durch und verabreichen Medikamente nur nach Anweisung. Ihr Fokus liegt auf der menschlichen Zuwendung - in Abspache mit Pflegediensten und Palliativärzten, die die Symptome unheilbarer Erkrankungen wie Schmerzen, Angst und Unruhemedikamentös behandeln.

Doch Unterstützung brauchen nicht nur die Schwerkranken, sondern auch die Angehörigen - und zwar während der Krankheit und auch nach dem Tod des geliebten Menschen.

Eine würdevolle Sterbebegleitung bedeutet, den Tod zuzulassen, wenn die Zeit dafür gekommen ist, und den Sterbenden mit dem zu versorgen, was er braucht: Schmerzmittel, Zuwendung, Berührung, Beruhigung und die Erfüllung großer oder kleiner persönlicher Wünsche. "Das kann auch mal eine Zigarette oder ein Bier sein", erzählt Herzog.

Der Jakobus Hospizverein hat keine stationäre Einrichtung. Die Arbeit der Helfer findet bei den Patienten statt, zu Hause, im Krankenhaus oder im Heim. In jedem Wasserburger Seniorenheim gibt es einen Ansprechpartner des Hospizvereins.

Die Helfer arbeiten ehrenamtlich, sie bekommen lediglich Kilometergeld erstattet. Zwar gibt es staatliche Subventionen, dennoch ist der Verein auf Spenden angewiesen, um Büromiete, Fortbildungskosten, Kilometergelderstattungen und Supervisionen zu bezahlen.

Obwohl die Begleitung eines todkranken Menschen eine sehr emotionale Angelegenheit ist und viel Kraft abverlangt, geben die Hospizhelfer - übrigens zu 90 Prozent Frauen - nicht irgendwann auf, weil sie das Sterben nicht mehr ertragen. "Wenn jemand bei uns aufhört, dann wegen einer Änderung der persönlichen Lebensumstände, zum Beispiel wegen Pflegefällen in der Familie oder Umzug", weiß Herzog.

"Helfer müssen sich selbst zurücknehmen"

Nicht jeder kann Sterbebegeleiter werden. Die Anwärter absolvieren neun Kursabende und einen Aufbaukurs. Danach entscheidet ein Gremium darüber, ob jemand von der Persönlichkeitsstruktur her wirklich geeignet ist. "Wichtig ist, dass man sich selbst zurücknehmen kann, denn es geht um den Sterbenden", betont Herzog.

Hospizhelfer haben unterschiedliche Motive, die sie zur Sterbebegleitung bringen. Viele sahen Familienangehörige und Freunde sterben und erfuhren dadurch, wie wichtig eine würdevolle Begleitung ist. Bei Maggie Herzog war die Motivation eine andere: "Ich lebe überaus gerne, genieße jeden Tag in vollen Zügen - und hatte große Angst vor dem Tod." Durch die ständige Konfrontation hat er den Schrecken für sie aber längst verloren. "Der Tod ist gewaltig, ähnlich wie eine Geburt, aber er ist auch sanft und friedfertig."

Zwei neue Trauerbegleiterinnen verstärken ab sofort das Hospizteam in Wasserburg Damit kann der Verein jetzt jeden letzten Freitag im Monat Trauertreffs für Hinterbliebene anbieten. Sie finden in den Räumen der Caritas am Heisererplatz von 15.30 bis 16.30 Uhr statt. Auch Trauer-Einzelbegleitungen sind möglich. Da eine der Hospizhelferinnen Gebärdensprache kann, gibt es auch Hilfe für Gehörlose. Die Bürgersprechstunden des Vereins finden künftig im Caritas-Zentrum statt - nach telefonischer Absprache. Das Hospizbüro ist rund um die Uhr besetzt und unter der Telefonnummer 0 80 71/904 34 44 erreichbar. Falls der Anrufbeantworter läuft, wird zurückgerufen.

Kommentare