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Zuganbindung für 1,5 Millionen Euro

Die vier gemeinsamen Bewerber für die Altstadtbahn Andreas Braun, Daniel Preis, Walter Neumayer und Norbert Moy (von links) mit Moderatorin Claudia Rahlf.  Foto REinthaler
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Die vier gemeinsamen Bewerber für die Altstadtbahn Andreas Braun, Daniel Preis, Walter Neumayer und Norbert Moy (von links) mit Moderatorin Claudia Rahlf. Foto REinthaler

Die Bahnstrecke in die Wasserburger Altstadt ließe sich für knapp eineinhalb Millionen Euro vollständig und finanziell überschaubar reaktivieren. Mit dieser Botschaft kamen die vier Vertreter eines Bewerberkonsortiums zur Podiumsdiskussion von Pro Bahn. Vor einer Umsetzung der Pläne müssen jedoch noch einige bestehende Hürden genommen werden.

Wasserburg - Angesichts der rund 120 erschienenen Zuhörer war vor Beginn der Veranstaltung im Saal der Paulanerstuben erst noch das Heranschaffen zusätzlicher Stühle erforderlich. Moderiert von Claudia Rahlf, stellten sich vier gemeinsam agierende Bewerber für einen Schienenverkehr auf der Altstadtstrecke den Fragen aus dem Publikum und erläuterten ihre Pläne.

Der Geschäftsführer der BayernBahn, Andreas Braun, sprach von einer "nie offiziell stillgelegten Strecke, die seit Jahren verlottert." Dennoch sei sie noch immer in einem bemerkenswert guten technischen Zustand. Die größten Probleme erkenne er an der Stelle des Dammrutsches sowie am Bahnübergang in Reitmehring. "Wenn wir die Kosten für eine komplette Sanierung realistisch berechnen, sprechen wir von bis zu 1,5 Millionen Euro." Das von der Stadt Wasserburg in Auftrag gegebene und vor zweieinhalb Jahren präsentierte Gutachten enthalte hingegen künstlich hochgerechnete Schätzungen mit einem rund siebenmal so hohen Investitionsbedarf.

Daniel Preis, Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Eisenbahn aus Bonn, bestätigte die genannten Zahlen: "Eine Reaktivierung der Altstadtstrecke ist technisch und finanziell realisierbar." Die vom Stadtrat mit Zweidrittelmehrheit beschlossene Forcierung des Stilllegungsverfahrens für die Trasse stelle überdies ein Kostenrisiko für die Kommune dar. Wenn die Strecke künftig nicht mehr für den Bahnverkehr vorgehalten sei, könne die Stadt mit Nachzahlungen für den Kauf von der Deutschen Bahn im Jahr 2004 konfrontiert werden. "Wasserburg hat mit dem Erwerb weitere Verpflichtungen übernommen und müsste derzeit theoretisch die Strecke aus eigener Tasche sanieren, wenn ein Eisenbahnunternehmen darauf fahren möchte."

Hier habe die Stadt tatsächlich "blauäugig" gehandelt, erklärte Norbert Moy von ProBahn Oberbayern. Der Bezirksverband des Fahrgastverbandes ist ebenfalls Bestandteil des Bewerberkonsortiums. Es gelte jedoch, auf einen runden Tisch mit allen beteiligten Seiten zu setzen und eine außergerichtliche Lösung anzustreben. "Unser oberstes Ziel ist es, die Strecke baldmöglichst wieder in einen fahrtauglichen, sicherheitstechnisch einwandfreien Zustand zu versetzen." Auf diese Weise könne der nächste Schritt, die offizielle Bestellung von Personenzugfahrten von Reitmehring in die Wasserburger Altstadt durch die verantwortliche Bayerische Eisenbahngesellschaft, in absehbarer Zeit erreicht werden.

Sprichwörtlich am Zug ist nun aber in den nächsten Wochen erst einmal die Stadt Wasserburg selbst. Sie hat aktuell neben dem Antrag des vierköpfigen Konsortiums eine weitere Bewerbung für den Bahnbetrieb auf der Altstadtstrecke vorliegen und muss beiden Interessenten entsprechende Kostenangebote zukommen lassen. Bis dahin könnten aufgrund vorangehender rechtlicher Überprüfungen allerdings noch bis zu zwei Monate vergehen.

Auf die entscheidende Bedeutung eines neuen Haltepunkts in der Altstadt mit einem Abstellgleis sowie einer Begegnungsstelle für Züge wies Walter Neumayer von der Innrail mit Sitz in Nußdorf hin. Dadurch ermögliche man auch Fahrten von durch Lokomotiven gezogenen Touristenwägen oder historischen Zügen. "Das ist heutzutage eine riesige Marktlücke, weil in der Vergangenheit viele Strecken radikal zurückgebaut worden sind." Außerdem seien einzelne Fahrten nostalgischer Züge als Touristenattraktion zugleich auch ein erster Wiedereinstieg in eine dauerhafte Streckenreaktivierung für den regulären Personenzugverkehr, so Neumayer.

Er ging damit auch auf die von einer Wasserburgerin geäußerten Bedenken wegen einer möglichen Kostenexplosion bei der Wiederbelebung der Trasse ein. Eine andere Zuhörerin erkannte "weder den Sinn noch die Notwendigkeit" der Altstadtbahn. Schließlich gebe es einen Stadtbus mit einer guten Anbindung an den Bahnhof in Reitmehring. Man solle doch lieber einen Radweg auf der alten Bahnstrecke einrichten. Diese Vision musste ihr die Zweite Bürgermeisterin Marlene Hof-Hippke nehmen, indem sie auf ein Vorgabe der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim verwies: "Die Strecke verläuft durch ein nachträglich ausgewiesenes FFH-Schutzgebiet. Aus diesem Grund ist hier rechtlich ausschließlich Bahnverkehr zugelassen und nicht einmal ein Fußgängerweg wäre möglich."

Für die Mehrheit der Altstadtbahn-Befürworter im Publikum sprach eine Reitmehringerin. Sie verwies auf die grundsätzlich überfüllten Schulbusse und die große Schülerzahl in und um Wasserburg, die in der Kosten-Nutzen-Rechnung zu wenig Berücksichtigung fänden. Andere Besucher regten zudem an, sich im Laufe der nächsten Jahre Gedanken über eine Ausweitung des Münchner S-Bahn-Netzes bis nach Wasserburg zu machen und den Fahrplan in die Altstadt mit der Zugverbindung nach Rosenheim abzustimmen. reg

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