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GRUPPENFÜHRERIN IM PORTRÄT

Die mit dem Zopf hat das Sagen: Manuela Fischl von der Wasserburger Feuerwehr

Der lange Zopfwird im Ernstfall sicher im Schutzanzug verstaut. Gruppenführerin Manuela Fischl ist auch Atemschutzgeräteträgerin. Beim Einsatz trägt sie Maske, Haube und Helm. „Da schauen keine Haare mehr raus. Angesengt hab ich sie mir noch nie. Höchstens mal daheim, wenn ich mich über eine Kerze gebeugt habe“, sagt die 38-Jährige.  Klemm
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Der lange Zopf wird im Ernstfall sicher im Schutzanzug verstaut. Gruppenführerin Manuela Fischl ist auch Atemschutzgeräteträgerin. Beim Einsatz trägt sie Maske, Haube und Helm. „Da schauen keine Haare mehr raus. Angesengt hab ich sie mir noch nie. Höchstens mal daheim, wenn ich mich über eine Kerze gebeugt habe“, sagt die 38-Jährige.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Wasserburg – „Meine langen Haare hab ich mir im Einsatz noch nie angesengt“, betont Manuela Fischl von der Feuerwehr Wasserburg, „höchstens mal daheim, wenn ich mich über eine Kerze gebeugt habe“.

Die 38-jährige Haagerin ist Gruppenführerin. „Ich schaff‘ dem Team die Arbeit an“, sagt sie und lacht dabei so charmant, dass sich die Männer gerne was von ihr sagen lassen.

So wie Tobias Kurfer, Feuerwehrmann. „Ich hab einen roten Balken auf der Dienstkleidung am Ärmel. Die Manu ist Löschmeisterin, sie hat einen silbernen und zwei rote“, erklärt der junge Bursche voller Respekt.

Männer und Frauen werden hier gleichbehandelt

„Psst. Ich bin ja offiziell noch gar nicht ernannt“, sagt Manuela Fischl bescheiden und winkt ab. Als Löschmeisterin habe sie mehr Verantwortung, sei weisungsbefugt, stimme sich mit dem Kommandanten ab und delegiere bei Einsätzen die Aufgaben. Sie kennt ihr Team und verteilt die Tätigkeiten nach Qualifikation.

Kurfer traut ihr noch einiges zu, etwa Verbandsführerin oder gar Kreisbrandinspektorin. Nach einem Kommandantenposten dürste es sie nicht, sagt sie. Sie wolle, sofern es ihre Zeit zulasse, aber weitermachen mit Lehrgängen.

In Wasserburg ist sie die erste Frau, die Gruppenführer ist. Unter 75 Aktiven gibt es neun Frauen. „Der Anteil könnte höher sein, ist aber okay“, stellt die Haagerin fest. „Hier werden Männer und Frauen gleichbehandelt – so erfahre ich es.“

Kommandant Georg Schmaderer erklärt, dass die Feuerwehr jeden brauche und keine Unterschiede mache. Der Führungsstil in dieser Wehr sei ein offener, ergänzt Manuela Fischl.

Sie hat auch schon anderswo andere Erfahrungen gemacht. Der Chauvinismus in männerdominierten Organisationen sei häufig noch Normalität. „Bei manchen Feuerwehren in München beispielsweise ist es schwer, reinzukommen. Schwer, dass die Jungs akzeptieren, dass Frauen das auch können und nicht nur am Herd gefragt sind.“

In Wasserburg geht es da schon sehr viel moderner zu. Einziges Relikt aus Zeiten, da es hier nur Kerle gab, ist ein Nackedei-Kalender im gemütlichen Floriansstüberl, dem Gemeinschaftsraum.

Der nackte Frauenhintern ist nicht lasziv, das Schwarz-Weiß-Foto eine klassische Aktaufnahme. Mit etwas gutem Willen könnte man das Bild als Kunst bezeichnen.

Fischl muss sich davon nicht gestört fühlen. Sexistische Sprüche seien hier ohnehin kein wirkliches Thema. „Wenn einer mal einen anzüglichen Witz macht, kommt es drauf an, wer ihn macht. Wird es mir zu bunt, pfeif‘ ich die Jungs zurück“, sagt sie. Sie fühle sich in der Regel aber nicht unangenehm berührt davon.

Sie könne gut drüber hinweg sehen. Ob sie ein Chauvi-Spruch nerve, sei auch eine Frage von Sympathie und ob ansonsten die Chemie stimme.

Zickig sei die Manu überhaupt nicht, sagen die Kameraden

„Ich kann generell gut unterscheiden, ob jemand Spaß macht oder mich verletzen will“, sagt sie selbstbewusst.

„Zickig ist die Manu überhaupt nicht. Sie hat sich sofort eingelebt, als sie vor zwei Jahren zu uns kam, ist ein Teil von uns“, bescheinigt ihr Tobias Kurfer. Was er an ihr schätzt? „Dass sie ruhig und aufgeschlossen ist, ihre Meinung vertritt, aber nie laut wird.“

„Nur gemeinsam im Team sind wir stark. Wer hinlangen will, soll auch hinlangen dürfen“, sagt der junge Mann, der auch noch in Penzing bei den Floriansjüngern ist. Da gibt es keine Frauen in der Einheit.

Manuela Fischl glaubt, dass Frauen in männerdominierten Sparten generell erst eimal ein bisschen mehr beweisen müssen, dass sie was drauf haben. „Das liegt aber auch an einem selber. Hier bin ich noch nie kritisch beäugt worden“, so die 38-Jährige.

„Einmal wollt ich ihr mit dem Notstromaggregat helfen, da stand das Lokal ,Hennagaßl‘ unter Wasser. Zack hatte sie es selbst reingehoben. So etwas bleibt im Gedächtnis“, sagt Kurfer beeindruckt. Ja, das Ding sei schwer gewesen, räumt sie ein. „Aber wenn man‘s will, dann schafft man es.“ Das gelte in allen Lebenslagen.

Wenn es gar nicht anders geht, lässt sie sich von einem starken Mann helfen. Wichtig sei: Nur eine Gruppe könne stark sein. Wenn ein Hansl allein löscht, kommt er nicht weit. Viele Entscheidungen werden mit der Mannschaft getroffen, wenn es erforderlich ist.

In der Babypause fehlte ihr die Feuerwehr

Manuela Fischl begann ihre Feuerwehrkarriere im Alter von 15 Jahren in München-Perlach. 2011 zog sie mit ihrer kleinen Familie – inzwischen hat sie zwei Kinder – nach Haag. Nach der Babypause schloss sie sich wieder der Feuerwehr an. Erst hier und dann in Haag, wo sie wohnt.

„Weil mir das einfach abging. Ich genieße das Kameradschaftliche, lerne auch gern dazu. Das bin ich einfach – das hier alles“, schwärmt sie. Ihr Mann akzeptiert ihre Leidenschaft, er kennt seine Manu eben nicht ohne Feuerwehr.

Die gelernte Landschaftsgärtnerin trat 2016 im städtischen Bauhof ihren Dienst an. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, sich mit drei weiteren Gärtnern um die Pflege von Sportanlagen, Parks, Liegenschaften, Verkehrsinseln, Schulen und Kindergärten zu kümmern. Nebenbei ist sie auch noch als selbstständige Landschaftsgärtnerin tätig, um sich in privaten Gärten kreativ auszutoben.

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