Zirkuschef Philipp Boldini begeistert in Rott nicht nur mit seiner positiven Einstellung

Die mongolischen Trampeltiere lassen sich von Zirkuschef Philipp Frank dirigieren.
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Die mongolischen Trampeltiere lassen sich von Zirkuschef Philipp Frank dirigieren.
  • vonRichard Helm
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Harte Zeiten - das bedeutet die Corona-Pandemie auch für Zirkusfamilien. Der Circus Boldini, den die Familie Frank betreibt, ist nach zwei Jahren wieder im Rotter Kaisergarten – und die Gemeinde stellt den Platz kostenlos zur Verfügung. Mitleid will der Zirkus für seine Situation nicht, sondern hofft auf volle Zuschauerränge.

Rott – Harte Zeiten - das bedeutet die Corona-Pandemie auch für Zirkusfamilien. Der Circus Boldini, den die Familie Frank betreibt, ist nach zwei Jahren wieder im Rotter Kaisergarten – und die Gemeinde stellt den Platz kostenlos zur Verfügung.

Mitleid will der Zirkus für seine Situation nicht, sondern volle Zuschauerränge.

Bei der ersten Vorstellung gab es begeisterte und leuchtende Kinderaugen – aber auch die erwachsenen Besucher kamen auf ihre Kosten.

Wer es zuließ, war schnell vom Zauber der Zirkusvorstellung gefangen. Das Draußen war ausgesperrt. Im Zeltinneren führten die Mitglieder des Familienunternehmens bei Scheinwerferlicht professionell ihre Nummern vor. Geschickt waren die Leucht- und Musikeffekte eingebaut.

Kamele dressiert

Der Chef des Familienunternehmens, Philipp Frank (62 Jahre alt), zeigte, wie er mit seinen mongolischen Trampeltieren umgehen kann. Die Kamel-Dressur und die Pferdeshow verdiente sich lautstarken Applaus. Franks Tochter Nina Selma (30) zeigte atemberaubende Kunststücke unter der Zirkuskuppel an einem rotierenden Vertikalseil und an schwingenden Stoffbahnen. Immer wieder stockte dem Publikum der Atem, wenn sie gekonnt plötzlich einige Meter runter rutschte um sich doch immer sicher zu fangen.

Zehn Hula-Hoop-Reifen auf einmal

Ihre Schwester Chiara (20) schwingt bis zu zehn Hula-Hoop-Reifen und bietet Artistik unter dem Kuppeldach an einem schwingenden Netz.

Ihr Bruder Philipp Peter (24 Jahre) ist der Mann für das Jonglieren. Seien es kleine Bälle, fünf Ringe gleichzeitig, zwei brennende Fackeln – er beherrscht diese Form der Bewegungskunst perfekt. So lässt er zehn Teller gleichzeitig kreisen und befördert mit einem Schwung fünf Löffel in ebenso viele Gläser.

Nina Frank hat eingeheiratet

Philipp Peter hat immer noch eine geschwächte Schulter von dem Umfall mit dem Traktor (siehe Interview), so dass er schwere Hebefiguren an den von der Decken hängenden Tücher nicht vorführen konnte.

Der jüngere Bruder Dennie (15) bringt als Clown Peppino mit Trompete und als Rechengenie alle zum Lachen. Er zeigt eine lustige Hundenummer und lässt sie über Stühle springen.

Durch die Vorstellung führt charmant Nina, die Gattin des Firmenchefs. Nina Frank ist die Einzige, die nicht in einer Zirkusfamilie geboren wurde, sie verlor ihr Herz ans Zirkusleben vor über 30 Jahren, als sie eine Vorstellung in Lauingen besuchte. Sehr zum Missfallen ihres Vaters. Ein Mann mit Adelstitel, der sich für seine Tochter etwas Besseres gewünscht hätte.

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Normalerweise ist noch ihre Tochter Mindy (25 Jahre) an Board und bietet auch Artistik. Derzeit fällt sie aber wegen einer Fußoperation aus und betreut die Kasse, fungiert als Platzanweiserin und ist für die Musik zuständig.

Der Circus Boldini gastiert noch bis Sonntag, 27. September in Rott. Jeden Tag um 15 Uhr gibt es Vorstellungen, außer Montag und Donnerstag.

Interview mit dem Zirkusdirektor:

Herr Frank, Ihr Familienzirkus hatte im vergangenen Jahr ziemliches Pech. Zuerst der Unfall, als Sohn Philipp Peter mit dem Bulldog in eine Schlucht an der Prien fiel und dann noch als er mit dem Anhänger umkippte, in dem die Kamele waren.

Philipp Frank: Wieso Pech? Wir hatten Glück. Ich war so froh, als mein Sohn lebend vor mir stand. Es hätte auch anders ausgehen können. Dass mein Sohn überlebt hatte, ist so viel wichtiger als der dadurch entstandene Schaden. Beim Unfall mit dem umgestürzten Anhänger sind wir zum Glück nicht in ein anderes Fahrzeug gekracht und meine Kamele wurden auch nicht verletzt, sie fahren heute noch gerne im Anhänger mit.

Sie sind ja ein positiv denkender Mensch.

Frank: Ich bin als Zirkuskind geboren, bin Zirkusmann durch und durch. Ich habe gelernt, aus jeder Situation das Beste zu machen und immer dankbar zu sein für das, was ich habe.

Wie erging es Euch mit dem Auftrittsverbot wegen Corona?

Frank: Wir, die ab März durch die Lande reisen, hatten bis Ende August keine Termine. Uns fehlten die Vorstellungen, die Zuschauer, der Applaus und die Einnahmen. Zum Glück haben wir ein günstiges Winterquartier bei Trostberg, das wir weiterbenutzen konnten. Diese Zeit haben wir gut genutzt für das Einstudieren neuer Nummern. Die 40 Tiere waren weiter zu versorgen. Darunter sind Pferde, Kamele, Lamas und Hunde. Alle brauchen Futter und Impfungen. Als es wieder möglich war, begannen wir Ende August in Bad Aibling aufzutreten. Wir haben Zeit bis Mitte November. Wenn wir danach noch unterwegs wären, wäre zu befürchten, dass zu viel Schnee unser Zeltdach eindrücken würde.

Die Zirkusunternehmen sind von den Auswirkungen der Pandemie stark betroffen, da sie als Gewerbe gelten, gibt es keine Subventionen und Fördermittel. Wie geht es weiter für Sie?

Frank: Wenn wir weiter auftreten dürfen, können wir uns wieder erholen. Aufgrund der Coronazahlen sind Kommunen immer weniger bereit, uns einen Platz zu geben. Viele Menschen haben auch durch die Pandemie Lohn eingebüßt oder gar ihre Jobs verloren, sie haben oft nicht die Mittel für eine Zirkusvorstellung.

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