Zeitzeugin aus Haag zu 30 Jahre Deutsche Einheit: „Ein Teil von mir ist noch ostdeutsch“

Regina Liefeith spricht als Zeitzeugin, die den Umbruch in der ehemaligen DDR hautnah erlebte, beim Konzert des Wasserburger Bach-Chors am Samstag.
+
Regina Liefeith spricht als Zeitzeugin, die den Umbruch in der ehemaligen DDR hautnah erlebte, beim Konzert des Wasserburger Bach-Chors am Samstag.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
    schließen

Regina Liefeith, im Dezember 1957 geboren in der thüringischen Stadt Bleicherode im Südharz, hat den Umbruch und die Wende Ende der 80er Jahre hautnah erlebt – eine Zeit, die ihr Leben geprägt hat.

Haag/Wasserburg – Regina Liefeith, im Dezember 1957 geboren in der thüringischen Stadt Bleicherode im Südharz, hat den Umbruch und die Wende Ende der 80er Jahre hautnah erlebt – eine Zeit, die ihr Leben geprägt hat. Am Samstag singt sie anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung im Wasserburger Bach-Chor bei einer Feier in der Altstadt und lässt in einem kurzen Vortrag ihr Leben in der DDR Revue passieren.

Lesen Sie auch: Deutschland singt, der Wasserburger Bach-Chor singt mit

Was empfindet sie an diesem Jahrestag? „Freude und Dankbarkeit“, sagt die 62-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe Vertrauen in unseren Rechtsstaat.“ Seit 2001 lebt sie in Oberndorf bei Haag. „Ein Teil von mir ist aber immer noch ostdeutsch“, sagt sie.

Am Ural einen Sommer auf dem Bau gearbeitet

Gleichwohl wehrt sie sich dagegen, die DDR rückblickend nur als Unrechts- und Überwachungsstaat zu sehen. Manche Beiträge in den Medien oder in Lehrbüchern habe sie als nicht fair empfunden, als einseitig, überheblich und „rein abstrakt“. Und so stelle sie sich die Frage: „Ist es allein das, was von unserem bunten Leben übrig bleibt, auch wenn es in grauen Mauern war?“ Dass Reisen in den Westen nicht möglich waren, findet sie auch heute nicht schlimm: „Es war halt so.“ Immerhin, sie durfte zu DDR-Zeiten nach Polen, Ungarn und Russland reisen. „Ich habe in Ufa am Ural als Studentin einen ganzen Sommer auf dem Bau gearbeitet.“ Ein Erlebnis, das sie nicht eintauschen wolle gegen einen Urlaub in der Karibik. Und es habe in der DDR auch keine Arbeitslosen gegeben: „Jeder wurde irgendwie mitgenommen – nach seinen Fähigkeiten.“

Das könnte Sie auch interessieren: Es rattert und knattert: Ein Mühldorfer Oldtimer-Fan über seine Leidenschaft für Trabis

Andererseits ist ihr wohl bewusst, dass in der DDR Willkür und Ungerechtigkeit herrschten. „Ich will da nichts schönmalen.“ Ja, es seien Menschen an der Grenze erschossen worden. Und 1988, bei einem Pop-Konzert am Reichstag seien Menschen zusammengeknüppelt worden. Ihre Mutter, eine Lehrerin, durfte keinen Geschichtsunterricht geben, die Großeltern wurden in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gezwungen, die Lizenz für die Gastwirtschaft wurde ihnen entzogen. Immerhin durfte Regina Liefeith nach dem Abitur eine Berufsausbildung in der EDV machen, anschließend studierte sie Volkswirtschaft in Halle.

Mangelwirtschaft: Das DDR-System war am Ende

Spätestens 1989 war ihr aber klar, dass das DDR-System am Ende war. „Man hat ja die Mangelwirtschaft gesehen, man hat gesehen, dass überhaupt nichts funktioniert hat.“ Liefeiths Fazit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung: „Beim Fall der Mauer hat man gesehen: Wenn sich genug Menschen für eine Sache engagieren, haben sie auch die Kraft, etwas zum Guten zu bewegen.“

Kommentare