Zauberei zwischen Tischen

Mentalist Mayer begeistert durch Gedankenlesen. Fotos Berninger
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Mentalist Mayer begeistert durch Gedankenlesen. Fotos Berninger

Es spukte auf Schloss Hart: Tische schwebten, Gefesselte befreiten sich und es gab tiefe Blicke in die Köpfe. Dazu ein Vier-Gänge-Menü und fertig ist das "Magic Dinner". Seit fünf Jahren werden die Gäste in Schloss Hart regelmäßig verzaubert.

Edling - Jemand bekommt ein Buch in die Hand gedrückt, sucht von den 105000 Wörtern eines aus und schreibt es verdeckt auf. "Denken Sie einfach ganz fest an dieses Wort", schlägt Mentalmagier Roland Mayer vor. Dann bekommt er einen komisch starren Blick, es dauert nur einen Moment, und schon hat er die Gedanken gelesen: "Ihr Wort war 'Vögel'." Einem verblüfften Nicken folgt allgemeiner Applaus.

Das "Magic Dinner" in Schloss Hart bei Edling verzaubert seine Gäste inzwischen seit fünf Jahren. Wirt Peter Gura, der das Restaurant 2008 übernommen hat, wollte diese spezielle Symbiose aus Gaumenfreuden und Augenschmaus beibehalten. "In der Gastronomie muss man immer was Besonderes bieten", meint er, "gerade in den Wintermonaten." Und das Zauberduo "Power of Magic", zu dem neben Mayer noch der Illusionist Adrian Dröge gehört, kommt gern in die familiäre Atmosphäre der Schlossstuben.

Dort wird am Samstag etwa ab 19 Uhr Sekt zum Aperitif gereicht, und wenn Magier Mayer loslegt, vergisst man als Gast vor lauter Staunen den knurrenden Magen. Doch sobald gegen 20 Uhr der erste von vier Gängen serviert wird, ist der Appetit groß. Dass es Salat mit Serranoschinken und Melone gibt, wissen die Zuschauer bei der Buchung allerdings nicht.

"Das genaue Menü variiert nach Saison", erzählt Gura. "Sonderwünsche, zum Beispiel bei Unverträglichkeiten, nehmen wir aber im Vorfeld entgegen." Künstler und Köche seien längst ein eingespieltes Team, so dass die Zusammenarbeit reibungslos verlaufe. Gegessen wird gleichzeitig in zwei Gasträumen, nach jedem Gang tritt ein Zauberer auf, dann wird gewechselt.

Nach der Vorspeise kommt also Adrian Dröge, der Illusionist. Während er Tücher verschwinden und wieder erscheinen lässt, hört man den Beifall von nebenan - dort hat Roland Mayer gerade mit seinem Büchertrick begeistert. Dröge dagegen lässt plötzlich seinen hölzernen Zaubertisch schweben, mit der gleichen Leichtigkeit, wie er auch zerknüllte Papierservietten zum Fliegen bringt.

"Faszinierend", raunt es vom Nachbartisch, und bei der Selleriesuppe gibt es Gelegenheit zur Spekulation. "Vielleicht mit einem ganz dünnen Faden?", meinen die einen und untersuchen die rote Serviette des Magiers. "Aber selbst wenn, beim Tisch wäre das doch nicht gegangen", werfen andere ein. Keiner kommt dem Rätsel auf die Spur, und Dröge verrät nichts. "Wir haben vier Semester an der Zauberakademie studiert und sind im Magischen Zirkel", berichtet er am Tisch. "Damit stehen uns alle Tricks offen, aber wir geben nichts preis."

Auch ihre Assistentinnen haben die beiden vereidigt. Nachdem Mentalmagier Roland Mayer bei weiteren erstaunlichen Tricks in die Köpfe seiner Zuschauer geschaut hat, kommt der Auftritt seiner Frau Christine: Nur für Sekunden zieht der Zauberer den Ring hoch, in dem Christine steht. Fällt der Stoff, steht sie in einem neuen Kleid da. Und keiner weiß wie.

Dem Rinderhüftsteak mit Pfeffer-Cognac-Sauce und Kartoffeln folgen wieder Illusionen von Dröge. Ob Kartenkunststück oder Seiltrick: Die Gäste sitzen vor ihm, seitlich und schräg hinter ihm, oft werden sie sogar miteinbezogen, "aber man sieht doch nichts", wundert sich Toni Seppi, der mit seiner Frau aus Südtirol nach Schloss Hart gekommen ist. "Die sind einfach extrem gut."

Das Menü endet um dreiviertel elf mit Ananascarpaccio und Zitronensorbet, jetzt fehlt nur noch das Magische Finale. Dafür tun sich die Zauberer zusammen, das heißt die Räume werden nacheinander unterhalten. Der Stimmung tut das kurz vor Mitternacht keinen Abbruch, und spätestens wenn sich Dröges Partnerin Katja Lenz trotz gefesselter Hände aus vielen Ringen befreit, traut man seinen Augen nicht mehr.

Familie von Amelunxen, die dem Illusionist schon bei einer eigenen Feier auf die Finger schauen konnte, ist erneut gebannt - von beiden Magiern: "Ein schöner bunter Abend, mit guter Hausmannskost und einer tollen Zwei-Mann-Show", lautet ihr zufriedenes Fazit. sus

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