„Wohnklötze“ sorgen für Kritik: Haager Bauausschuss ringt um einen Kompromiss

Auf dieser grünen Wiese am Lerchenberg in Haag entsteht das neue Baugebiet. Es wird aufgrund einer dichten Bebauung das Ortsbild stark verändern. Das stößt auf Kritik.
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Auf dieser grünen Wiese am Lerchenberg in Haag entsteht das neue Baugebiet. Es wird aufgrund einer dichten Bebauung das Ortsbild stark verändern. Das stößt auf Kritik.

Das neueste Baugebiet im Haager Osten ist auf einer Fläche von 1,5 Hektar für 18 Einfamilienhäuser, vier Doppelhäuser und 52 Etagenwohnungen in einem Wohnblock ausgelegt. „Viel zu viel“, klagen Anwohner. Der Bauausschuss bemühte sich in einer langen Debatte um einen Kompromiss, der die Massivität nimmt.

Von Ludwig Meindll

Haag – Fünf Anlieger hatten sich im Rahmen des Auslegungsverfahrens zu Wort gemeldet und einmütig die künftige Verdichtung als zu stark, die Verkehrssituation als problematisch und die Beeinträchtigung des Ortsbilds als bedenklich empfunden. Irmgard und Christian Flamm führten die Bevölkerungsdichte an: Für Haag liege sie bei 53 Einwohnern pro Hektar, für München bei 50, für das Oberndorfer Baugebiet bei 30 und für den Ortsteil Lerchenberg bei 19. Das geplante Projekt „Südlich der Lerchenberger Straße II“ werde eine Dichte zwischen 83 und 104 umfassen.

Ferner würden die zentralen Gebäude der Planung mit 9,3 Metern die Giebelhöhen der Alpenstraße um drei Meter überschreiten. Die „Wohnklötze“ in der Mitte für 117 Bewohner seien viel zu groß: „Auf engstem Raum doppelt so viele Menschen wie in Lerchenberg“, so die Kritik.

„Festungsartige„ Gestaltung

Ausschussmitglied Dr. Bernhard Grabmeyer (Freie Wähler) pflichtete bei, die zwei Blöcke am Beginn der Pfarrer-Gruber-Straße würden „festungsartig“ dominieren. In der zweiten Reihe sollten die Gebäude um ein Stockwerk niedriger sein und generell keine Flachdächer haben. Der Antrag wurde mit acht gegen zwei Stimmen akzeptiert.

Klaus Breitreiner (CSU) schlug vor, zwei Blöcke zu belassen wie sie sind, und zwei Blöcke auf Doppel- und Einzelhäuser zu reduzieren. Das lehnten sechs Räte gegen vier Stimmen ab. Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer (CSU) befürwortete ebenfalls Satte- statt Flachdächer. Die Planer sollten sich am Dach vom nahen Bürgerheim St. Kunigund orientieren. „Einheitliche Geschoss- und Grundflächen“ regte Andreas Sax (CSU) an. Die Planer sollten „um einen Stock runter“. Die Verdichtung am Ortsrand von Haag dürfe nicht intensiver als im München ausfallen.

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Dagegen wandte Josef Hederer (PWG) ein, das Baugebiet in dieser Dichte sei nötig: „Da muss auch mal ein Klotz drinstehen dürfen.“ Die Vorstellungen über den Wohnsiedlungsbau hätten sich geändert. Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) betonte, Haag benötige auch kleinere Wohnungen. Die seien in Wohnblöcken gewährleistet. Wohnen müsse heutzutage bezahlbar sein. Der Ausschuss solle sich bemühen, einen Mittelweg zu finden. Bürgermeisterin Sissi Schätz pflichtete ihm bei: „Die Bauträger argumentieren wirtschaftlich.“ Jeder Quadratmeter müsse gezahlt werden.

Die Größe des Baugebiets rechtfertigte das Gremium damit, dass der Bedarf für weitere Wohnungen bestehe. Die Alpenstraße weise eine überaus lockere Bebauung auf. Eine Nachverdichtung sei unvermeidbar.

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Der generelle Reduzierungsvorschlag von Andreas Sax wurde mit sechs gegen drei Stimmen abgelehnt, das Eliminieren der Flachdächer mit sechs gegen vier befürwortet.

Einen weiteren Diskussionspunkt bildete die Einmündung von der Lerchenberger Straße aus. „Die ist zu eng“, so Zweiter Bürgermeister Högenauer. Um sie zu verbreitern, müsse man eventuell ein Haus wegnehmen, ergänzte Sax. Mit neun gegen eine Stimme begrüßte die Mehrheit eine Überprüfung der Situation.

Weiter monierten die Anwohner das hohe Verkehrsaufkommen, das sich schon in der Bauphase kritisch bemerkbar machen werde. Der Ausschuss sicherte sein Bemühen „um eine gute Anbindung“ zu.

Großer Bedarf an Wohnraum

Mehrfach kritisiert wurde die künftige Energieform des Wohngebiets. Das ursprüngliche Verbot von Sonnenenergie befinde sich nicht mehr im Plan, so der Hinweis der Gemeinde. Ferner werde auf die „Durchgrünung“ Wert gelegt.

Das Bürgerheim meldete sich für die Bewohner zu Wort. Sie seien während der Bauphase als Spaziergänger mit Rollator gefährdet. Der einstimmige Beschluss dazu hieß, die Baufirmen auf diese Situation aufmerksam zu machen.

Auch auf das Argument von Dr. Gerhard Kramer, dreistöckige Häuser und 74 Wohneinheiten würden der ländlich geprägten Baukultur als Fremdkörper aufgedrängt, antwortete der Bauausschuss einstimmig, es bestehe großer Bedarf an weiteren Wohnungen.

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