Wohnen, wo früher Essig produziert wurde: Wasserburg plant ein neues Baugebiet

Graffiti-Maler haben sich – ganz legal – auf der Fassade der ehemaligen Essigfabrik ausgetobt. 2021 soll sie abgerissen werden und einem Wohngebiet weichen.
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Graffiti-Maler haben sich – ganz legal – auf der Fassade der ehemaligen Essigfabrik ausgetobt. 2021 soll sie abgerissen werden und einem Wohngebiet weichen.

Der Essiggeruch ist verschwunden. Die Fabrikhallen, in denen die Firma Burkhardt jahrzehntelang Senf und Ketchup produzierten, stehen seit der Verlagerung der Produktion nach Thüringen im Jahr 2017 leer. 2021 sollen die Bagger anrücken – ein Abriss, der Platz schaffen wird für ein neues Wohngebiet.

Von Heike Duczek

Wasserburg – 8000 Quadratmeter Fläche sind hier nach dem Erlöschen des Erbbaurechts wieder ins Eigentum der Stadt und ihrer Heilig-Geist-Stiftung übergegangen. Ein Areal, das laut Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) für eine Wohnbebauung genutzt werden soll. Einen Beschluss des Stadtrates gibt es zwar noch nicht, „doch alle Beratungen und Gespräche gehen in diese Richtung“, bestätigt Kölbl auf Anfrage der Wasserburger Zeitung.

Noch Baustellenlagerplatz für das neue Schöpfwerk

Noch wird das Gelände für eine andere Nutzung benötigt: als Baustellenlagerplatz für das neue Schöpfwerk am Inn. Für gut vier Millionen Euro baut die Stadt am Holzhofweg eine neue Entwässerungsanlage, Herzstück des Hochwasserschutzes für die Altstadt. Bis Anfang 2021 sollen die letzten Restarbeiten für das Schöpfwerk beendet sein, danach erst können die Gebäude der ehemaligen Essigfabrik abgerissen werden. „Dann treten wir in die Planungsphase für eine Bebauung ein“, so Kölbl weiter. Ihm schwebt auch hier im Wesentlichen ein gefördertes Wohnen vor. Erste Kontakte zur Abklärung von Fördermöglichkeiten mit der Regierung von Oberbayern hätten bereits stattgefunden.

Verdichtete Bebauung bietet sich an

Wird es einen Architektenwettbewerb für das Areal geben? Auch eine Frage, die im Bauausschuss des Stadtrates zu klären ist, wie Kölbl betont. Bietet sich ein Geschosswohnungsbau an? Er kann sich eine intensive, verdichtete Bebauung angesichts der Nachbarschaft, in der es schon mehrstöckige Mehrfamilienhäuser gibt, vorstellen. Vielleicht sei auch es möglich, nicht störendes Gewerbe zu integrieren.

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Die Lage sei auf jeden Fall geeignet für eine Wohnbebauung am Rande der Altstadt – eine Chance, die sich die Stadt nicht entgegen lassen dürfe, so Kölbl. Denn in Wasserburg gibt es nur wenige verfügbare Flächen für eine solche Nutzung: Das liegt an der Platznot in der Innschleife. Zum Vergleich: In der Nachbargemeinde Babensham leben auf 50 Quadratkilometern Fläche 3000 Bürger, in Wasserburg auf 18,8 Quadratkilometern 13.000 Einwohner.

56 neue Wohneinheiten sind heuer entstanden

Die Nachfrage nach Wohnraum ist sehr stark – vor allem nach bezahlbaren Mietwohnungen. 33 sind heuer in der Nördlichen Burgau an der Hermann-Schlittgen-Straße entstanden. Hier hat die Stadt für 25 Jahre das Belegungsrecht. Bauherrin ist die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG). Sie wurde von der Stadt beim Verkauf des Grundstücks verpflichtet, sozialen Wohnungsbau zu realisieren. Die einkommensorientierte Förderung kommt aus dem bayerischen Wohnungsbauprogramm.

Eine weitere neue Wohnanlage in der Ponschabaustraße wurde im Juni fertiggestellt. Hier entstanden 23 Wohnungen – mit Kaltmieten von durchschnittlich 8,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bauherrin ist hier mit Mitteln aus der Familie-F.-X-Stadler-Stiftung die Stadt selber. Sie investierte 5,5 Millionen Euro – und erhielt 1,6 Millionen als Zuschuss vom Freistaat. 2,5 Millionen kamen als zinsgünstiges Darlehen.

Kein Grund für ein neues Einheimischenbaugebiet in Sicht

Groß ist außerdem das Interesse an Baugrundstücken. Das letzte Einheimischenareal wird gerade südlich der Schmiedwiese in Reitmehring (14 Parzellen) bebaut. Weitere Grundstücke für Einheimischen-Baugebiete stehen zum Bedauern von Kölbl derzeit nicht zur Verfügung.

Schön wohnen – bezahlbar: Die Stadt hat 23 Mietparteien diesen Traum in der Ponschabaustraße erfüllt.

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