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Auslaufmodell Auto?

Wohnen statt parken: Wasserburg diskutiert über einen zeitgemäßen Stellplatzschlüssel

Die braun eingezeichneten Baukörper zeigen in einem ersten Planentwurf den Riegel (oben) und (unten) das Gebäude für den geförderten Wohnraum.
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Die braun eingezeichneten Baukörper zeigen in einem ersten Planentwurf den Riegel (oben) und (unten) das Gebäude für den geförderten Wohnraum.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Wie viel Autos braucht das Land – und wie viele Stellplätze eine neue Wohnsiedlung? Der Bauausschuss Wasserburg hat dazu kontrovers diskutiert. Werden in Zukunft weniger Pkw unterwegs sein? Das Beispiel südliche Burgau zeigt, dass ein Urteil einem Blick in eine Glaskugel gleichkommt.

Wasserburg – Es ist ein viel beachtetes Großbauvorhaben in der südlichen Burgau. Hier sollen zwei Baukörper entstehen – ein viergeschossiger Riegel und ein Mehrfamilienhaus mit Sozialförderung. 66 neue Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sind geplant. Es entsteht quasi eine neue Siedlung, für die der veraltete Bebauungsplan geändert werden muss.

Das Projekt der Soyener Firma Grundner auf der Innhöhe hat mehrere schwierige Herausforderungen zu meistern: eine Anbindung an den Landschaftsweg (sechs Meter breite Straße mit Gehweg) muss geschaffen, ein Hauptkanal verlegt werden. Damit die Keller der bestehenden Häuser nicht – so wie derzeit oft üblich – bei Starkregen unter Wasser stehen, werden einige Häuser vom alten Kanal abgekoppelt und an einen neuen angeschlossen, so die Planung des Bauherrn. Sein Grundstück liegt auf einer schwierigen Gelände – mit Hang und sumpfigem Untergrund.

Tiefgarage auf Sumpfwiese nur schwer zu realisieren

Doch das Hauptthema ist die Parkplatzfrage. 66 neue Wohnungen – das heißt laut Stellplatzschlüssel in Wasserburg 99 Plätze plus zehn Prozent für Besucher der Wohnanlage. 110 Stellflächen sind im Planentwurf folgerichtig auszuweisen. Doch ist es noch zeitgemäß, dass so viel Grund für parkende Autos versiegelt wird? Eine Tiefgarage ist auf dem Gelände mit zum Teil sehr schwierigen Bodenverhältnissen nur schwer zu realisieren, so Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Sollte die Stadt bei Siedlungen mit Geschosswohnungsbau nicht den Stellplatzschlüssel verringern? Schließlich geht der Trend derzeit zu mehr Carsharing, Bus- und Fahrradfahren – weg vom Zweitauto.

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Ist das wirklich so? Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) warnte davor, sich durch das derzeit gestörte Verhältnis zum Auto aufgrund der aktuell hohen Benzinpreise irreführen zu lassen. Eine Entwicklung weg vom Pkw sehe er derzeit noch nicht. Wolfgang Schmid (CSU) ist sogar überzeugt, dass es einen neuen Trend zum Auto geben wird - durch das elektrische Fahren. „Der „Stellplatzhunger“ wird nicht abnehmen“, zeigte er sich überzeugt.

Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sieht dagegen sehr wohl eine Entwicklung weg vom Auto. Er fand, die Stadt setze „mal wieder die falschen Prioritäten“: Zuerst werde über die Stell-, danach über die Spielplätze geredet. Die Verkehrswende sei bereits da, sie könne nicht gefördert werden, indem einfach die Blechlawine elektrifiziert werde. Der Wasserburger Stellplatzschlüssel sei ein „Irrsinn“. Ein Angebot schaffe auch einen Bedarf. Wobei der Ausschuss bei der Grundsatzfrage angelangt war: Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?

Kölbl warnt: „Keine Experimente“

Kölbl warnte jedoch: Es gebe bereits jetzt sehr viele Beschwerden im Bereich Innhöhe über wild parkende Autos und zu wenig Stellflächen. Wenn die neue Siedlung nicht ausreichend darauf reagiere, würden weitere Parkprobleme entstehen und auf dem Rücken der Nachbarn ausgetragen, die schon da seien. „Keine Experimente beim Stellplatznachweis“, appellierte der Bürgermeister.

Schließlich einigten sich die Ratsmitglieder einstimmig darauf, beim Baukörper des sozial geförderten Wohnraums nur einen Stellplatz pro Wohnung zu fordern, beim Riegel die Stellplatzanzahl nach der Wohnungsgröße zu staffeln. So könnten die Parkplatzflächen minimiert werden. Moderne Mobilitätskonzepte sollen außerdem auf die Möglichkeit hin untersucht werden, die Parkplätze weiter zu reduzieren.

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