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Zum Wohl!

Frieder Meidert legt großen Wert darauf, dass es seinen Tieren gut geht. Da ist er sich mit den meisten Berufskollegen einig. Über den Tierwohlpreis des bayerischen Landwirtschaftsministers freut er sich dennoch.  Fotos Hintermayr
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Frieder Meidert legt großen Wert darauf, dass es seinen Tieren gut geht. Da ist er sich mit den meisten Berufskollegen einig. Über den Tierwohlpreis des bayerischen Landwirtschaftsministers freut er sich dennoch. Fotos Hintermayr

Großer Stall, angenehme Temperatur, gute Luft, Strohgeruch und scheinbar zufriedene Tiere - dieses Bild eröffnet sich demjenigen, der die Ställe von Frieder Meidert betritt. Nicht umsonst wurde der Landwirt aus Taubmoos mit dem bayerischen Nutztierwohlpreis ausgezeichnet.

Besonders stolz ist Meidert nicht nur auf seine Ställe, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit den Bauern der Region.

Soyen - "Sie vollbringen fast schon sportliche Höchstleistungen, springen auf und ab und haben ihre höchste Freude an der Bewegungsfreiheit" erzählt Frieder Meidert lachend. Jedes Mal, wenn er seinen Stall neu einstreut, beobachtet er, wie gut seinen Kälbern das Stroh tut. "Dieses Herumtollen ist auf einem Spaltenboden undenkbar", erklärt er.

Der 40-jährige Frieder Meidert ist Landwirt in Soyen und wurde jüngst von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mit dem bayerischen Nutztierwohlpreis ausgezeichnet. Zu dem Betrieb von Meidert gehören zum einen eine Jungbullenzucht und zum anderen die Fressererzeugung - für die er den Preis erhalten hat.

Nach 100 Tagen sind sie die Fresser

Bei der Fressererzeugung werden Kälber mit einem Gewicht von etwa 80 Kilo bei den Milchbauern gekauft und dann gemeinsam mit anderen Kälbern von Milch auf Silomais als Hauptfuttermittel umgestellt. Nach rund hundert Tagen und mit 200 Kilo auf den Rippen werden die Tiere - nun Fresser genannt - wieder verkauft. "Die Umgewöhnung der Kälber ist sehr schwierig", so Meidert. Das Ziel und der Grund warum es Betriebe gibt, die sich auf Fressererzeugung spezialisiert haben ist, alle Tiere auf ein einheitliches Futterlevel zu bringen, was wiederum wichtig für den Weiterverkauf ist. Meidert erklärt: "Die Kälber, die alle acht Wochen zu uns kommen, stammen im Schnitt aus 80 verschiedenen Betrieben. Wenn ein Käufer dann nach den hundert Tagen beispielsweise 40 Stück Vieh kaufen will, dann sind diese Tiere alle auf einem Level was Futtergewohnheiten und Gesundheit betrifft".

Das Besondere an der preisgekrönten Fressererzeugung auf Meiderts Hof sind die Ställe. Der Landwirt setzt auf Außenklimaställe. Der Unterschied dieser Stallart im Vergleich zu herkömmlichen ist, dass er zu einer Seite hin bei Bedarf geöffnet werden kann, ganz ohne Heizung auskommt und durch die Konstruktion für ständigen Luftaustausch gesorgt ist. Die Idee dahinter ist laut Meidert folgende: "Bei den Milchbauern ist diese Stallart schon weit verbreitet, bei der Fressererzeugung hingegen eher eine Seltenheit. Ich habe mich einfach gefragt: 'Warum heizen?'.

Die meisten Kälber werden an der frischen Luft in sogenannten Kälberiglos aufgezogen. Ergibt es dann Sinn, das Kalb für drei bis vier Monate in einen beheizten Stall zu stellen, um es dann beim Bullenmäster weiter 'kalt' aufzuziehen?". Meidert ist überzeugt, dass die Kälte den Kälbern nichts ausmache. "Wichtig ist nur, dass es im Stall nicht zieht". Zusätzlicher Pluspunkt der Außenklimaställe: Aufgrund der guten Durchlüftung hält sich der Ammoniakgeruch nicht, was den Aufenthalt im Stall nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Menschen angenehmer macht.

Eine weitere Besonderheit ist das Stroh auf dem Boden des Kälber- und des Fresserstalls, denn häufig setzen Landwirte für diese Ställe auf Spaltenböden. Für Meidert war das keine Option: "Es lag nahe, da meine Stiere schon auf Stroh stehen, auch bei meinen Fressern auf Stroh zu setzen". Dass sich die Tiere auf dem weichen Untergrund sichtlich wohlfühlen bestätigt den 40-Jährigen in seinem Konzept. Doch das Wohl der Tiere hat auch seinen Preis. "Die gesamte Strohkette - vom Strohpreis über das ständige Ausmisten bis hin zum täglichen Einstreuen - ist sehr aufwendig", berichtet Meidert.

Neben dem Wohl der Tiere ist Meidert auch vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten aus der Region wichtig. "Ich kaufe alle meine Kälber bei Bauern aus der Gegend. Wenn zum Beispiel 400 Kälber bei mir im Stall stehen, dann kenne ich auch alle Bauern, von denen sie kommen", bestätigt der 40-Jährige. Der Vorteil daran sei, dass die Transportwege zwischen den Milchbauern und seinem Hof sehr kurz seien. Das ist wichtig, denn Meidert will den Transportstress für die Tiere so gering wie möglich halten: "Wir machen die Transporte selbst und fahren die Kälber ohne Umwege direkt zu uns", so der Landwirt. Auf die gute Kooperation mit den anderen Bauern ist er sichtlich stolz: "Der Vorteil daran, bei Landwirten aus der Region die Kälber zu kaufen ist, dass man die Bauern und deren Betriebe kennt und bei ihnen auf eine gute Kälberqualität setzen kann. Ich bin sehr froh, dass wir so gut zusammenarbeiten. Denn ohne gute Kälber kann ich auch keine guten Fresser erzeugen, das ist ganz klar."

Dankbar sei er auch seiner Herdenmanagerin Ruth Merzdorf, die täglich nach dem Wohl der Tiere sehe und für deren Fütterung und Gesundheit mitverantwortlich sei. "Ohne sie hätte ich das alles gar nicht gemacht, der Preis steht ihr genauso zu", so Meidert.Und noch jemandem gebührt sein Dank: "Ohne die Unterstützung meiner Familie könnte ich das alles nicht stemmen".

Besuch von der Kommission

Auf die Bewerbung für den Tierwohlpreis sei der Landwirt durch den Tipp eines Bekannten gekommen. "Danach bin ich in die engere Auswahl gekommen und eine Kommission war bei mir auf dem Hof". Schließlich wurde er - zusammen mit zwei anderen Preisträgern - im Landwirtschaftsministerium ausgezeichnet.

Zwar freue er sich über den Preis, dennoch störe er sich etwas an dem Begriff "Tierwohl". "Die meisten Bauern achten auf das Wohl ihrer Tiere. Denn nur wenn es den Tieren gut geht, erbringen sie auch die gewünschte Leistung. Deshalb ist es auch selbstverständlich, auf sie zu schauen", ist Meidert überzeugt. Der 40-Jährige sieht den Preis in erster Linie als Chance zu zeigen, dass man in Bezug auf das Tierwohl vor allem auf das Wissen der Landwirte vertrauen sollte. Als problematisch empfinde er es darum auch, wenn Menschen, die sich nicht intensiv mit der Landwirtschaft auseinandersetzen, Notwendigkeiten wie etwa die Enthornung der Rinder als "Tierquälerei" bezeichneten. "Manchmal klaffen die Vorstellungen vieler Menschen über die Landwirtschaft und die Realität weit auseinander".

Doch Preisbezeichnung hin oder her, verdient hat Frieder Meidert sich den Preis allemal, das zeigt nicht zuletzt ein Blick in den Kälber- und Fresserstall.

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