Wo kicken künftig die Fußballer in Ramerberg?

Wo wird künftig gejubelt, wenn der SV Ramerberg ein Tor schießt? In diesem Fall freuten sich Patrick Lerch (links) und Xaver Anton Diptmar.
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Wo wird künftig gejubelt, wenn der SV Ramerberg ein Tor schießt? In diesem Fall freuten sich Patrick Lerch (links) und Xaver Anton Diptmar.
  • vonPetra Maier
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Der Gemeinderat Ramerberg setzt seine Planungen zum neuen Fußballplatz fort und nennt zwei weitere Alternativen: Mit neun zu vier Stimmen beschloss das Gremium, drei mögliche Standorte zu prüfen. Der Sportverein hatte Eile angemahnt.

Ramerberg – Bei der jüngsten Sitzung des Ramerberger Gemeinderates ging das Ringen um eine Lösung für einen neuen Fußballplatz in die nächste Runde. Um in der Fußballsprache zu bleiben: Die Gemeinde setzt nach zweistündiger Beratung weiter auf ihren Stammspieler (die Pläne für den Standort in Zellereit) und bringt zwei weitere Alternativen mit ins Spiel.

Dabei handelt es sich um den schon bekannten Standort in der Ortsmitte von Ramerberg und einen weiteren in Unterkatzbach. Die neuen „Mitspieler“ sollen jetzt der Regierung von Oberbayern zur Prüfung vorgestellt werden. Die bereits anvisierten Pläne für Zellereit werden parallel weiter verfolgt. Mit neun zu vier Stimmen entschied sich der Gemeinderat fraktionsübergreifend für diese Vorgehensweise. Dagegen stimmten Bürgermeister Reithmeier, Magnus Steinmüller, Sophia Schuster und Fabian Tretter (alle UWR). Doch auch sie hatten vorab betont, dass „Zellereit nicht gestorben sei“.

Viele Zuhörerim Gemeinderat

Engagiert setzte sich der Gemeinderat im Gasthof Bichler mit dem Thema auseinander. Viele Zuhörer waren gekommen, um die Debatte zu verfolgen. Bürgermeister Reithmeier (UWR) verlas zu Beginn der Sitzung den offenen Brief des SVR-Vorsitzenden Andreas Baumgartner, in dem er ankündigte: „Gelingt es der Gemeinde nicht, bis zum 31. März 2021 eine kurzfristig umsetzbare Lösung für einen neuen Fußballplatz zu präsentieren, werden diverse Mandatsträger im Verein ihre Ämter (oder besser Ehrenämter) nicht mehr weiter ausüben. Die weitere Zukunft des Vereins steht in diesem Fall definitiv auf dem Spiel.“

Von diesem Ultimatum wolle man sich nicht unter Druck setzen lassen, so der Tenor im Gemeinderat, aber gleichzeitig wurde auch deutlich, dass die Gemeinderäte an einer möglichst einvernehmlichen Lösung interessiert sind. Lärmbelästigung, Planungskosten und die jeweilige Verkehrssituation an den verschiedenen Standorten wurden ausgiebig diskutiert. Ebenso die Frage: Was geschieht mit den über 180 Einwendungen, die zum Standort Zellereit bereits vorliegen?

Andreas Ullmann (NRL/FWG) erinnerte: „Der alte Gemeinderat hat schon viele Steuergelder in das Projekt Zellereit gesteckt. Die wären jetzt in den Wind geschossen, wenn wir hier nicht weiter planen würden.“

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Petra Hölzle ((NRL/FWG) sprach sich ebenfalls deutlich für eine Weiterführung der Bauleitplanung aus: „Viele Anfechter warten seit eineinhalb Jahren darauf, dass eine Reaktion auf ihre Einwendung erfolgt. Das ist ein großes Thema in der Gemeinde. Jetzt haben wir die einmalige Chance, die Planungen parallel laufen zu lassen.“

Auch Jürgen Zott (UWR) plädierte, „die Ellenbogen zurückzufahren“. „Wir haben jetzt Alternativen, die sollten geprüft werden, dann ist für alle Seiten was getan“, so der Dritte Bürgermeister.

Enormer Aufwandfür den Gemeinderat?

Fabian Tretter (UWR) stimmte ihm zu, warnte jedoch vor dem Kosten für die Prüfung der Einwendungen durch ein externes Planungsbüro und den Aufwand, den der Gemeinderat bei der Beratung der Abwägungen haben würde. „45 Stunden brauchen wir da mindestens“, rechnete er vor. Stefan Kurfer (NRL/ FWG) entgegnete unter großem Applaus der Zuhörer: „Selbst wenn diese 45 Stunden stimmen sollten, dann beschäftige ich mich gern damit, wenn etwas vorwärts geht, als dass ich mich noch einmal eine Stunde hier reinsetze und nichts passiert.“

Magnus Steinmüller (UWR) fasste zusammen: „Es wäre nur fair, die Alternativen zu prüfen, und sollten die herausfallen, dann kann man mit Hingabe Zellereit sach- und fachgerecht umsetzen. Die Anwohner wüssten, dann, dass wir alles getan haben, um eine vernünftige Lösung zu finden.“

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Rechtsanwalt Sebastian Heidorn empfahl, die Behandlung der Abwägungen erst vorzunehmen, wenn die Alternativstandorte durch die Regierung geprüft wurden. Hans Althammer, Geschäftsführer vom SAK-Planungsbüro, stellte in Aussicht, das sein Büro die Einwendungen in etwa zwei Monaten bearbeiten könnte.

Drei mögliche Standorte für den neuen Sportplatz:

n Zellereitwird seit Jahren ein Grundstück in der Nähe der Tennisanlage des WSV und gegenüber der Stockschützenbahn anvisiert. Gutachten zu Artenschutz und Lärm wurden erstellt und auch eine Bedarfsplanung. Über 180 Einwendungen gingen ein. Die Vorplanungen verursachten seit 2015 bereits Kosten von etwa 58.000 Euro (Darin enthalten auch Kosten für die Prüfung des jetzigen Standorts).

Beim alten Standort des Fußballplatzes in der Ortsmitte von Ramerbergkönnte für zehn Jahre eine Alternative geschaffen werden. Mehrere Grundbesitzer würden Land für diesen Zeitraum zur Verfügung stellen. „Zu kurzfristig für Fördermittel vom Fußballbund in Höhe von mehr als 250.000 Euro, die wir dringend brauchen“, sagt der Sportverein. Auch neue Emissionsberechnungen könnten bei einem Neubau der Sportanlage nötig werden. Bisher gilt hier Altbestandsschutz.

In Unterkatzbach könnte ein Kompromiss liegen: Fast 50.000 Quadratmeter Fläche ständen dort für 25 bis 30 Jahre kostenlos zur Verfügung, ein Teil könnte dazu gekauft werden. Mögliche Käufer wären Gemeinde oder Sportverein.

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