Petition gestartet

Gegen Abschiebung: Wirtin vom Fischerstüberl Attel setzt sich für pakistanischen Mitarbeiter ein

Sarwar Muhmmad aus Pakistan und seine Chefin Martina Fischer, die sich gegen seine Abschiebung stemmt. Derzeit sind alle Angestellten in Kurzarbeit. Das Lokal bietet aber Speisen „to go“ an und „so können alle ein bissl arbeiten und keinem fällt die Decke auf den Kopf“, sagt die Chefin. Auch Sarwar ist dreimal in der Woche im Einsatz.
+
Sarwar Muhmmad aus Pakistan und seine Chefin Martina Fischer, die sich gegen seine Abschiebung stemmt. Derzeit sind alle Angestellten in Kurzarbeit. Das Lokal bietet aber Speisen „to go“ an und „so können alle ein bissl arbeiten und keinem fällt die Decke auf den Kopf“, sagt die Chefin. Auch Sarwar ist dreimal in der Woche im Einsatz.

„Wenn sie ihn abholen kommen, ketten wir uns alle zusammen“, sagt Martina Fischer. Die Wirtin vom Fischerstüberl in Attl stemmt sich gegen die drohende Abschiebung ihres Angestellte, Sarwar Muhmmad. Der Pakistani sei unersetzbar – als Mitarbeiter und Mensch. Wenn fleißige Leute wie er keine Chance bekämen, laufe etwas falsch.

Von Matthias Eggerl und Andrea Klemm

Wasserburg-Attel – Da einem ihrer Mitarbeiter die baldige Abschiebung droht, wendet sich Martina Fischer, Wirtin vom Fischerstüberl in Attel, mit einem emotionalen Appell an die Behörden und die Öffentlichkeit. Sie hofft, dass doch noch eine Lösung gefunden werden kann, damit Sarwar Muhmmad bleiben darf.

„Er liegt niemandem auf der Tasche“

„Sarwar ist einer unserer besten Mitarbeiter – zuverlässig, hilfsbereit, immer freundlich. Aber noch viel wichtiger ist: er ist im Betrieb voll integriert und von allen seinen Kollegen sehr geschätzt“, sagt Martina Fischer. „Dass ausgerechnet ihm nun die Abschiebung droht, ist für uns alle ein schwerer Schlag.

Auch interessant:

Trotz überlasteter Kliniken: Corona-Krankenschwester droht nach 34 Jahren die Abschiebung

Sie betont, dass der 39-jährige Pakistani bereits seit 2019 fest bei ihr angestellt sei und sie ihn gerne auch weiter beschäftigen würde. Er kam 2015 als Bootsflüchtling und streckenweise mit dem Zug nach Deutschland. Eine zeitlang wohnte er in einem Personal-Zimmer über dem Fischerstüberl, inzwischen lebt er in Edling in einer WG.

Nach eigener Aussage fühlt sich der Küchen-Angestellte sehr wohl und würde gerne weiter im Fischerstüberl bleiben. Fischer sagt: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass die zuständigen Behörden nach Recht und Gesetz verfahren. Das ist grundsätzlich auch richtig so. Wenn aber fleißige Leute wie Sarwar trotz ihres Einsatzes hier keine Chance auf eine Zukunft erhalten, läuft etwas nicht richtig. Dann muss man sich schon fragen, ob die bestehenden Gesetze wirklich durchdacht und gerecht sind.“

Spüler und Küchenhilfe im Betrieb sehr beliebt

Sarwar Muhmmad sei jemand, der niemandem auf der Tasche liege, sondern im Gegenteil ein unverzichtbarer Mitarbeiter in ihrem Restaurant sei. Vor allem in der Gastronomie sei es heutzutage ohnehin so schwierig, gute Mitarbeiter zu finden. Umso wichtiger fände sie es, dass Menschen wie Muhmmad hier die Möglichkeit bekämen, sich einzubringen. Dies sei nicht zuletzt auch ein wichtiger Beitrag zum vorherrschenden Fachkräfte- und Arbeitermangel. Der 39-Jährige arbeitet als Spüler und Küchenhilfe, ist Mädchen für alles und „kann auch alles“.

Das könnte Sie auch interessieren:

Einst Teppichknüpfer in Pakistan - heute hat Hassan aus Wasserburg die Meisterschule im Visier

Dass es aber nicht nur um Sarwar als Mitarbeiter geht, sondern auch um einen geschätzten Freund, beweist die Reaktion seiner Kollegen. Sie setzen sich unisono dafür ein, dass Sarwar bleiben darf. Deshalb schließen sie sich dem Appell der Wirtin an: „Wir hoffen, dass für Sarwar eine Lösung gefunden wird, die ihm einen weiteren Aufenthalt in Deutschland ermöglicht.“ Für jegliche Unterstützung aus der Gesellschaft und von Behördenseite wollen wir uns schon im Voraus herzlich bedanken“, sagt das Team im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.

Online-Petition gestartet

Wie groß die Unterstützung für Sarwar Muhmmad ist, zeigt die für ihn gestartete Online-Petition (change.org): innerhalb von 24 Stunden wurden seit Sonntagmittag bereits über zweihundert Unterschriften gesammelt.

Lesen Sie auch:

Unwort des Jahres 2020: Geheimnis gelüftet - diesmal zwei Wörter gekürt

Die Gastronomin habe auch der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig einen Brief geschrieben. Langsam ziehe die Sache kleine Wogen, das reiche ihr aber noch nicht. „Wenn die ihn abholen kommen, ketten wir uns einfach alle zusammen“, sagt sie kampfbereit. Beeindruckt habe sie auch die Aktion, eines französischen Bäckers, der wegen seines Lehrlings aus Guinea, der auch abgeschoben werden sollte, in Hungerstreik ging. Der Fall mobilisierte Hunderttausende Unterstützer, am Ende durfte der 18-jährige bleiben.

Wirtin Martina Fischer will auf jeden Fall nicht klein bei geben.

Kommentare